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Alkohol & Mischkonsum: Drinks, Musik und Drogen?

von KDL-Blog am

Alkohol kann Hemmungen senken – auch was den Konsum anderer Drogen betrifft. Wie schnell und unbewusst das geht, hat unsere Autorin in einem Gespräch mit ihrem Bruder erfahren:

Mein Bruder ist 18, er macht eine Ausbildung bei einem Juwelier. Nach einem erfolgreichen Tag wird dort oft Sekt oder Champagner getrunken, dann hält er sich aber zurück. Wenn er trinkt, dann „ganz oder gar nicht“, sagt er.

„Ein Bier bringt mir nichts – und schmeckt mir auch gar nicht.“Mein Bruder

Wenn er dann doch mal was trinkt, dann möchte er sich locker machen und locker fühlen. „Vor meinen Freunden kann ich mich auch mal danebenbenehmen, deswegen trinke ich, wenn überhaupt, lieber mit denen.“ Das heißt aber nicht, dass niemand davon erfährt, wenn dann doch was Peinliches passiert. Sie bleiben zwar unter sich, lassen aber bei Instagram oder Snapchat die ganze Welt dabei zusehen. „Man weiß genau, wer am Wochenende gefeiert hat. Die Leute posten das ja von sich.”

Meine Welt – deine Welt

Ich bin doppelt so alt wie mein Bruder und trinke keinen Alkohol mehr. Als ich so alt war wie er, gab es noch keine sozialen Medien. Er fragt mich:

„Habt ihr früher Polaroids an die Dorf-Pinnwand gehängt?“Mein Bruder

Nein, aber wer viel getrunken hat, über den wurde geredet. Diese Geschichten waren manchmal lustig, aber oft auch verurteilend. Es ist immer viel Unschönes passiert. Meine Freunde haben sich geprügelt. Einer aus dem Nachbardorf hatte einen Autounfall. Solche Sachen.

Irgendwann bin ich in die Stadt gezogen und da wurde nicht nur getrunken. Plötzlich spielten auch Drogen eine Rolle. Auch ich habe welche genommen – aber immer nur, wenn ich Alkohol getrunken hatte. Seit ich nichts mehr trinke, ist das nicht mehr passiert. Ich möchte wissen, wie mein Bruder dazu steht:

„Ich kenne mega viele Leute, die auf Partys angefangen haben zu rauchen.“Mein Bruder

Und für Drogen gilt das Gleiche: „Mit Alkohol fühlt man sich mutiger. Dann ist man viel neugieriger darauf, auch mal andere Sachen auszuprobieren.“

„Du willst zeigen: Ich kenn mich damit aus.“

Dann reden wir von Capital Bra, der über Darby rappt. Eine Droge, von der ich noch nie was gehört habe – auch nicht unter ihrer offiziellen Bezeichnung: Tilidin. Mein Bruder sagt, dass Capital Bra unter ganz jungen Teenager beliebt sei. Dass an seiner Schule 12-jährige die gleiche Gucci-Tasche getragen haben wie der Rapper.

Und dass in dem Geschäft, in dem er seine Ausbildung macht, manchmal achtjähige Kinder stehen, die sich die Rolex-Uhren ansehen wollen, über die Capital Bra rappt. Und für die Drogen, um die es in den Songs geht, interessiert man sich natürlich auch.

Der Punkt ist: „Wenn dir jemand Drogen anbietet, die in deinen Lieblingsliedern vorkommen, dann kannst du dir viel eher vorstellen sie mal auszuprobieren. Dann willst du zeigen: Ich kenn mich damit aus. Und wenn du dann noch was getrunken hast, denkst du nicht mehr darüber nach, was du da eigentlich gerade nimmst.“

Ich bin überrascht, wie erwachsen mein Bruder klingt. Ihm ist klar, dass Alkohol die Tür zu anderen Drogen aufmachen kann – ob es nun Zigaretten sind, die er nüchtern nicht anfassen würde oder eben auch Härteres.

Schwesterlicher Rat gefällig?

Mein guter Rat als große Schwester ist der: Triff die Entscheidung, ob und was du konsumierst, am besten nüchtern. Denn dein angetrunkenes Ich ist viel unvernünftiger als du. Du kannst deine Freunde bitten, auf dich zu achten – dich zum Beispiel davon abzuhalten, plötzlich zu rauchen, wenn du das sonst nicht tust.

Lass deine Begleiter wissen, wo deine persönliche Grenze ist. Und sorge dafür, dass jemand darüber Bescheid weiß, was bei dir an dem Abend schon passiert ist. Andersherum gilt das Gleiche: Frag nach, kümmere dich um deine Freunde und pass auf sie auf. Es kann auch nicht schaden, sich über die Folgen von Mischkonsum schlau zu machen.

Ich bin froh, dass wir so offen sprechen. Mein Bruder sagt, dass er es locker fand. Voll gut. Ich bin keine Autoritätsperson wie ein Elternteil, aber auch nicht so nah dran wie seine Freunde und hoffe deswegen, ihm Unterstützung geben zu können, wie es eben nur Geschwister können.

Wie ist das bei euch, redet ihr mit euren Geschwistern über Alkohol und Drogen? Und wenn ihr keine Geschwister habt – wem vertraut ihr euch an? Hinterlasst uns einen Kommentar.

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