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Macht Alkohol dumm? đŸ€Ż

von KDL-Blog am| 6 Kommentare

Gerade auf einer Linie laufen? Geht nicht mehr so gut. AbstĂ€nde abschĂ€tzen? Und schon liegen die Scherben von der Bierflasche auf dem Boden. „Und dann trifft man unĂŒberlegte und dumme Entscheidungen“, weiß unsere Bloggerin Johanna. VorĂŒbergehend können alkoholische GetrĂ€nke einem das GefĂŒhl geben, dass man ganz schön dumm ist. Aber hat der Konsum von Alkohol auch langfristige Folgen fĂŒr das Gehirn? Antworten findest du hier.

Was im Gehirn passiert, wenn wir Alkohol trinken

Alkohol sorgt unter anderem dafĂŒr, dass das Gehirn mehr von dem Botenstoff Dopamin ausschĂŒttet. Dopamin stimuliert das so sogenannte „Belohnungssystem“ im Gehirn. Gleichzeitig werden körpereigene Opiate wie Endorphin freigesetzt. Das alles fĂŒhrt erstmal dazu, dass wir uns gut fĂŒhlen.

Das Risiko: Wenn wir regelmĂ€ĂŸig trinken, merkt sich unser Gehirn diesen Zusammenhang zwischen Alkohol und WohlfĂŒhlen. Gleichzeitig reagieren die Rezeptoren nicht mehr so stark auf das Dopamin, weil ja immer wieder so viel davon ausgeschĂŒttet wird. Die Folge: Das gute GefĂŒhl wird bei gleicher Alkoholmenge schwĂ€cher. Um sich wieder genauso toll zu fĂŒhlen wie am Anfang, trinkt man also oft mehr und hĂ€ufiger.

Ein junges Gehirn ist besonders gefÀhrdet

„Alkohol hemmt als Nervengift die Kommunikation zwischen den Nervenzellen. Das fĂŒhrt dazu, dass man zum Beispiel nicht mehr den Durchblick hat und lallt“, erklĂ€rt Johanna. Vor allem, wer sich regelmĂ€ĂŸig betrinkt, schĂ€digt das Gehirn: Man denkt dann langsamer, kann sich Dinge nicht mehr so gut merken. Auch das rĂ€umliche Vorstellungsvermögen wird schlechter.

„Neben eher kurzanhaltenden Symptomen, kann Alkohol auch langfristig das Gehirn schĂ€digen. Insbesondere bis ins junge Erwachsenenalter. Denn die Entwicklung des Gehirns wird durch Alkoholkonsum gehemmt.“Johanna

Das jugendliche Gehirn ist besonders gefĂ€hrdet, weil es noch im Aufbau ist: Teilweise als Reaktion auf viele neue Erfahrungen, verĂ€ndert sich das Gehirn von Jugendlichen noch stark strukturell und funktionell.* Die Hirnstrukturen entwickeln sich weiter, neue Nervenverbindungen werden auf- und nicht mehr benötigte abgebaut. Alkohol und vor allem Rauschtrinken kann diese Entwicklung stören. Zudem wird wĂ€hrend der Gehirnentwicklung zwischen 16 und 25 Jahren die sogenannte weiße Substanz im Gehirn aufgebaut, eine Art Isolierschicht der Nervenfasern. Diese Schicht ist wichtig fĂŒr die Weiterleitung von Nervenimpulsen und hĂ€ufiges Rauschtrinken kann den Aufbau behindern. **

Auch eine Region im Gehirn, die Hippocampus genannt wird, leidet bei Jugendlichen, die intensiv Alkohol trinken. Der Hippocampus trĂ€gt dazu bei, dass Informationen vom Kurzzeit- ins LangzeitgedĂ€chtnis ĂŒbergehen und wir uns neu Erlerntes merken können. In einer britischen Studie wurde nachgewiesen, dass Jugendliche, die hĂ€ufig und viel Alkohol trinken, sich bis zu einem Drittel weniger Aufgaben merken konnten, als diejenigen, die wenig oder keinen trinken.**

Filmrisse als Warnzeichen

Du kannst dich an den vergangenen Abend nicht erinnern, hast keine Ahnung, wie du nach Hause gekommen bist? Diese ErinnerungslĂŒcken können GehirnschĂ€den ankĂŒndigen – nĂ€mlich SchĂ€den am Hippocampus. Wegen des Alkohols konnte das LangzeitgedĂ€chtnis die Erinnerung nicht abspeichern.

„Hat man regelmĂ€ĂŸig alkoholbedingte Filmrisse, leidet dann auch die Intelligenz darunter.“Johanna

Wissenschaftler gehen davon aus, dass teilweise mehrere Jahre gar nichts getrunken werden darf, um wieder ein halbwegs normales Leistungsniveau zu erreichen. Außerdem gibt es Studien, die darauf hinweisen, dass Jugendliche, die sich regelmĂ€ĂŸig betrinken, spĂ€ter mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Alkoholproblem entwickeln.

„Solange der Alkoholkonsum im Limit bleibt, hat das keine langfristigen Folgen. Außerdem kann man sich dann auch an den schönen Abend erinnern ;)“Johanna

Quellen:

*https://pubs.niaaa.nih.gov/publications/arh284/213-221.htm
**http://www.drugcom.de/topthema/wie-alkohol-das-gehirn-junger-menschen-schaedigt/

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6 Kommentare zu: “Macht Alkohol dumm? đŸ€Ż”

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    Kerstin

    Ich habe in vergangener Zeit öfter höherer Mengen Alkohol getrunken. Besonders bei Problemen. Jetzt wirkt nichts mehr weil mein Tolleranzspiegel nach oben ging und ich leide unter Deoressionen. Gibt sich das wieder bei Abstinenz?

    1. KDL-Blog

      KDL-Blog

      Hallo Kerstin, Depressionen können bei oder nach einem Alkoholentzug und bei der Alkoholentwöhnung auftreten. Wie lange sie anhalten und wie stark sie ausgeprĂ€gt sind, ist sehr unterschiedlich. Du solltest dir unbedingt Rat holen, denn man kann Depressionen behandeln. Eine direkte und anonyme Beratung erhĂ€ltst du telefonisch bei der BZgA unter 0221-892031. Einen Beratungsstellenfinder fĂŒr einen persönlichen Kontakt vor Ort findest du hier: https://www.kenn-dein-limit.info/beratungsstellenfinder.html. Wir wĂŒnschen dir viel Kraft und Erfolg!

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    Lars

    Was genau definiert ihr eigentlich als Intelligenz? Ich wĂŒsste nicht was der Dopaminspiegel oder das Belohnungssystem damit zu tun hĂ€tten. Das ist meines Erachtens ein anderer Bereich der durch Alkoholkonsum beeinflusst wird. „Aufgaben merken“ scheint jetzt nicht das herausragende Kriterium zu sein, was Intelligenz ausmacht. Man könnte auch ein Telefonbuch auswendig lernen, wĂ€re dadurch aber nicht intelligenter. Es gibt genug Studenten die trotz regelmĂ€ĂŸigem hohen Alkoholkonsum ihr Studium schaffen und nicht gegen Ende dĂŒmmer oder weniger intelligent zu sein scheinen. Ein Alkoholiker ist PrĂ€sident der europĂ€ischen Kommision. Dem wird niemand seine Intelligenz abstreiten. Das durch Alkoholkonsum die MerkfĂ€higkeit beeintrĂ€chtigt wird oder durch erhöhten Konsum eine höhere Wahrscheinlichkeit eine Sucht zu entwickeln, entstehen kann, bezweifel ich nicht, aber dass aufgrund von Filmrissen die Intelligenz gemindert wird, halte ich fĂŒr sehr fragwĂŒrdig.

    1. KDL-Blog

      KDL-Blog

      Hallo Lars, unsere Überschrift ist bewusst als Frage formuliert. Wir postulieren also nicht direkt, dass Alkohol dumm macht. Allerdings weisen wir auch darauf hin, welche Folgen Alkoholkonsum auf das Gehirn hat.
      Dir ist sicher bekannt, dass unter direktem Alkoholeinfluss deine DenkfĂ€higkeit geschwĂ€cht wird und damit auch deine HandlungsfĂ€higkeit leidet. Die Gefahr, in diesem Zustand „Dummheiten“ zu begehen, ist nachweislich höher. Ein Filmriss zeugt noch nicht von verminderter Intelligenz. Er ist aber ein sicheres Zeichen, dass du Alkohol in gefĂ€hrlichen Mengen konsumiert hast und ein Indiz dafĂŒr, dass dein Gehirn Schaden genommen hat. Die langfristigen SchĂ€den gehen dabei weit ĂŒber einzelne ErinnerungslĂŒcken oder leichte Vergesslichkeit hinaus.

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    Hannah

    Hallo! Ich bin 16 Jahre alt und mache mir echt Sorgen, dass ich dumm geworden bin weil ich zu oft Alkohol getrunken habe. Vor ca einem dreiviertel Jahr habe ich mein erstes Bier getrunken und seit dem nur ab und zu mit Freunden vielleicht einmal im Monat. Im letzten halben Jahr habe ich mich dann auch mit harten Sachen also vodka etc oft betrunken vielleicht so alle 2 Wochen. Aber nie so schlimm das ich kotzen musste oder einen Filmriss hatte. Jetzt waren Sommerferien, ich habe 5 Wochen gar nichts getrunken aber in den letzten Zwei Wochen dann wieder mehrmals ich musste zwei mal brechen und bin getorkelt hatte HeulanfĂ€lle etc (so ca 4 mal, gekotzt habe ich nur einmal). Jetzt wo die Schule wieder anfĂ€ngt habe ich gemerkt dass ich mich viel schlechter konzentrieren kann und ich einfach irgendwie „dumm“ geworden bin. Hat das andere GrĂŒnde oder liegt das an meinem Alkoholkonsum und wird das je wieder wie es vorher war? Vielen Dank!

    1. KDL-Blog

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      Hallo Hannah, danke fĂŒr deine Nachricht! Wenn du oft viel Alkohol trinkst, leidet dein Gehirn schon darunter. Deswegen lohnt es sich, Alkohol nur in Maßen zu trinken. Ob dein Trinkverhalten aber der Grund dafĂŒr ist, dass du dich im Moment schlechter konzentrieren kannst, ist aus der Ferne schwer zu beurteilen, denn dafĂŒr kann es auch viele andere GrĂŒnde geben. Wenn du dich nicht wohl bei der Sache fĂŒhlst, solltest du dich deinem Hausarzt anvertrauen – sicher ist sicher. Du kannst aber auch gern Kontakt mit uns aufnehmen: Eine direkte und anonyme Beratung erhĂ€ltst du telefonisch bei der BZgA unter 0221-892031. Einen Beratungsstellen-Finder fĂŒr einen persönlichen Kontakt vor Ort findest du hier: https://www.kenn-dein-limit.info/beratungsstellenfinder.html. Viele GrĂŒĂŸe!

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