Johanna

Wie wirkt Alkohol auf euer Gehirn? Unsere Bloggerin Johanna beantwortet eure Fragen đŸ‘©â€đŸ”ŹđŸ§ 

von Johanna am

Wir wollten von euch wissen, ob ihr Fragen an unsere Bloggerin Johanna habt. Als angehende Hirnforscherin aka Studentin der Neurowissenschaften ist sie unsere Expertin in Sachen Alkohol und Nervensystem. Wir haben uns 10 Fragen rausgesucht, die Johanna nun fĂŒr euch beantwortet.

Johanna weiß Bescheid, was unter Alkoholeinfluss in eurem Gehirn abgeht. Foto: privat

1. Schadet Alkohol meinem Gehirn, auch wenn ich nur ab und zu trinke? Ist der Schaden bei regelmĂ€ĂŸigem Konsum dauerhaft?

Fast jeder kennt die kurzfristigen Folgen von Alkoholkonsum: Man trifft unĂŒberlegte Entscheidungen, kann nicht mehr richtig sprechen und auch das Gleichgewicht spielt verrĂŒckt. Bleibt der Konsum im risikoarmen Bereich erholt sich der Körper und auch das Gehirn in der Regel, wenn man gesund ist.

Langfristiger ĂŒbermĂ€ĂŸiger Alkoholkonsum kann deutlich die Leistung des Gehirns einschrĂ€nken, weil die InformationsĂŒbertragung im Gehirn nachhaltig verĂ€ndert und gestört wird. Außerdem leiden Menschen mit einer Alkoholsucht hĂ€ufig an Vitamin B1-Mangel. Das fĂŒhrt dazu, dass sich die Gehirnzellen nicht erneuern können. Der Vitamin-B1-Mangel liegt aber meistens daran, dass man sich mit der Sucht nicht ausgewogen ernĂ€hrt und nicht genĂŒgend Vitamine aufnimmt. Können sich Betroffene nicht mehr richtig erinnern, nennt man das Korsakow-Syndrom.

2. Wie viele Gehirnzellen verliert man, wenn man zu viel Alkohol trinkt?

Es sterben gar keine Gehirnzellen ab. Aber die Kommunikation zwischen den Neuronen – ĂŒber die Informationen im Körper von A nach B transportiert werden – ist eingeschrĂ€nkt. Alkohol schĂ€digt vor allem die Enden der Nervenzellen, die Dendriten genannt werden. Diese können sich aber meistens erholen und man bekommt seinen klaren Kopf zurĂŒck.

3. Wie entstehen GedĂ€chtnislĂŒcken?

Da beim Sprung ĂŒber das Limit die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen nicht mehr richtig funktioniert, können Informationen nicht mehr vom KurzzeitgedĂ€chtnis ins LangzeitgedĂ€chtnis ĂŒbermittelt werden. Die Erinnerungen, was in der Partynacht passiert ist, gehen also „verloren“.

4. Warum haben wir durch Alkohol Probleme mit dem Gleichgewicht und sehen verschwommen?

Unser Gleichgewichtszentrum sitzt im Hirnstamm. Hier verarbeitet das Gehirn Infos von den Augen und dem Gleichgewichtsorgan. Wenn die Nervenzellen manche Infos schneller und andere langsamer senden, kann der Hirnstamm diese nicht mehr fehlerfrei verarbeiten und sendet sie fehlerhaft zurĂŒck. Gerade gehen ist dann nicht mehr möglich. Dass wir nach zu vielen alkoholhaltigen GetrĂ€nken verschwommen sehen, hat einen Ă€hnlichen Grund. Um ein scharfes Bild zu erstellen, arbeiten verschiedene Bereiche unseres Gehirns zusammen. Können sie nicht mehr richtig miteinander kommunizieren, sind sie nicht mehr fĂ€hig, die Informationen zu einem klaren Bild zusammenzusetzen.

5. Sehen alle Menschen verschwommen oder gibt es Menschen, bei denen das nicht auftritt?

Wie und ob eine Person auf Alkohol reagiert, ist sehr individuell. Alter, GrĂ¶ĂŸe, Gewicht und auch Geschlecht spielen eine Rolle.

>> Die Konzentration von Alkohol im Blut entscheidet darĂŒber, wie der Alkohol wirkt. Wie das genau funktioniert, erfĂ€hrst du hier.

6. Wie wirkt sich Alkohol auf MigrÀne aus?

Bei jedem dritten MigrĂ€nepatient löst Alkohol eine Attacke aus. Das hat 2018 eine Studie herausgefunden. Laut den Teilnehmern ist vor allem Rotwein fĂŒr die stechenden Kopfschmerzen verantwortlich. Viele Patienten verzichten daher komplett auf Alkohol. Das liegt auch daran, dass die MigrĂ€ne sofort einsetzt, wenn der Alkohol im Gehirn angekommen ist – also nach sehr kurzer Zeit. Man bereut den Schluck Alkohol im Gegensatz zum Kater sofort, den man meistens erst am nĂ€chsten Morgen spĂŒrt. Es gibt also einen Zusammenhang zwischen Alkohol und MigrĂ€ne. Wie dieser genau aussieht, muss noch erforscht werden.

7. Wie wirkt sich Alkohol auf den Schlaf aus?

Im Gehirn sind verschiedene Bereiche fĂŒr den Wach- und Schlafrhythmus zustĂ€ndig. Alkohol hilft beim Einschlafen, weil durch ihn die GehirnaktivitĂ€t geringer ist und sich die Gedanken nicht im Kreis drehen können. SpĂ€testens ab der zweiten HĂ€lfte der Nacht ist es mit der Ruhe vorbei. Du bist nervös und wachst hĂ€ufiger auf. Hinzu kommt, dass dein Körper den Alkohol abbaut und damit ganz schön zu kĂ€mpfen hat. Ihm fehlt FlĂŒssigkeit, du hast Durst und musst gleichzeitig hĂ€ufiger auf Klo. Ausgeschlafen wacht man am nĂ€chsten Morgen eher nicht auf.

8. Warum macht Alkohol das, was er mit uns macht? Warum wirkt er bei manchen mehr als bei anderen?

Alkohol sorgt dafĂŒr, dass Infos im Gehirn schlechter ĂŒbermittelt werden. Das wiederum fĂŒhrt unter anderem dazu, dass man keine geraden SĂ€tze mehr herausbekommt und auch viel langsamer reagiert. Aber auch deine allgemeine Stimmung kann beeinflussen, was der Alkohol mit dir macht. Bist du zum Beispiel traurig und niedergeschlagen, kann dieses GefĂŒhl verstĂ€rkt werden.

Die Konzentration von Alkohol im Blut (Promille) kann sich stark unterscheiden, auch wenn zwei Menschen die identische Menge getrunken haben. Ein wichtiger Faktor dabei ist der FlĂŒssigkeitsgehalt im Körper, der bei Frauen etwa 10 Prozent niedriger als bei MĂ€nnern ist. Bei Frauen wirkt der Alkohol also in der Regel schneller. Aber nicht nur das Geschlecht spielt hier eine Rolle, sondern auch GrĂ¶ĂŸe und Gewicht.

9. Warum ist man unter Alkoholeinfluss fĂŒr vieles offener?

Besonders Jugendliche trauen sich mehr, wenn sie trinken. Das liegt daran, dass das Gehirn noch nicht vollstÀndig entwickelt ist. Alkohol beeintrÀchtigt vor allem die Verbindungen zwischen den Regionen, die dir helfen, Situationen richtig einzuschÀtzen. Du bist also eher bereit, Risiken einzugehen. Die Entwicklung des jugendlichen Gehirns wird durch Alkohol also nachhaltig gestört.

10. Warum verhalten sich Menschen unter Alkoholeinfluss anders als im nĂŒchternen Zustand – denken negativ, sind stressig, herablassend, blöd und bescheuert?

Alkohol hemmt die AktivitĂ€t der Großhirnrinde. Das ist der Teil deines Gehirns, dem die Vernunft zugeschrieben wird. Hast du beim Trinken dein Limit nicht eingehalten, wird also genau dieser Teil beeintrĂ€chtigt. Bei manchen Menschen fĂŒhrt das zu aggressivem Verhalten. Oft haben sie gelernt, dass Alkohol und Gewalt zusammengehören. Alkoholhaltige GetrĂ€nke triggern dann die Aggressionen, die sonst die Großhirnrinde unterdrĂŒckt.

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