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Schmierige Anmachsprüche: Diese Reaktionen haben es in sich!

von KDL-Blog am

„Blöde Anmachen beim Feiern kennt jeder, der ab und zu die Nacht zum Tag macht“, berichtet unser Blogger Per. Dass das nicht unbedingt angenehm ist, versteht sich von selbst. Während schmierige Anmachsprüche für manche Fun bedeuten, verderben sie anderen richtig das Feiererlebnis.

Wir haben uns gefragt: Warum werden die Sprüche immer dreister und dümmer, wenn Alkohol im Spiel ist? Wie kann man auf diese Sprüche reagieren? Wann solltest du dir unbedingt Hilfe holen?

Alkohol enthemmt und kann aggressiv machen

Beim Trinken gelangt der Alkohol über deine Mundschleimhäute und deinen Verdauungsapparat ins Blut und mit dem Blut ins Gehirn. Das trübt nicht nur deine Wahrnehmung, sondern enthemmt dich auch. Da ist man eher bereit, Risiken einzugehen. Hast du dich im nüchternen Zustand nicht getraut, deinen Schwarm anzusprechen, bist du schon ab 0,1 Promille mutiger. Was erstmal positiv klingt, kann auch echt nach hinten losgehen, weil die Kritikfähigkeit sinkt, je mehr jemand getrunken hat:

„Ist viel Alkohol im Spiel, habe ich erlebt, dass vor allem Männer aggressiv werden.“ Per

Man(n) hat sich überschätzt und der „tolle“ Anmachspruch funktioniert dann nicht so, wie man das erwartet hat. Da reagiert der ein oder andere aggressiv und aufdringlich.

Jeder entscheidet wieviel er oder sie trinkt!
Oft muss Alkohol als Entschuldigung für blödes Verhalten herhalten. Auch wenn alkoholhaltige Drinks enthemmend wirken: Man trägt immer noch Verantwortung für die eigenen Handlungen und dementsprechend auch für die Trinkmenge.

Grenzen sollten respektiert werden

Dein Lieblingssong schallt aus den Boxen. Die Lichtstimmung ist rosarot. Da kann ein Flirt richtig schön sein, wie unsere Bloggerin Johanna weiß:

 „Mal ein kleiner Lacher hier, ein Blickkontakt da – beruht dies auf Gegenseitigkeit, beginnt ein Gespräch meistens von alleine. Die ganz Mutigen haben immer einen Spruch auf den Lippen, aber keine Garantie, dass der auch gut ankommt.“ Johanna

Denn nicht jeder Spruch ist unbedingt passend und schmeichelhaft. Manchmal hat dein Gegenüber deine Zeichen auch falsch gelesen. Reagierst du nicht auf den Spruch oder gibst auf andere Weise zu verstehen, dass du nicht interessiert bist, sollte dich die Person auch in Ruhe lassen.

Leider ist es für einige Menschen nicht selbstverständlich, die Grenzen anderer zu respektieren, gerade unter Alkoholeinfluss. Wehrst du dich, wird schnell behauptet, du hättest durch dein Verhalten oder Aussehen ja dazu eingeladen, angemacht oder angetanzt zu werden. Das ist als „Victim Blaming“ bekannt und absoluter Unsinn. Du trägst keine Verantwortung dafür, wenn jemand deine Grenzen nicht respektiert. Egal ob Junge oder Mädchen, egal ob mit Minirock oder Jeans – es gibt keine Einladung, Grenzen anderer nicht anzuerkennen – und auch keine Rechtfertigung dafür.

So reagierst du auf blöde Anmachen

Traurig genug, dass wir es überhaupt zum Thema machen, wie man auf übergriffige Anmachsprüche reagieren kann. Denn eigentlich sollte eher die andere Seite Regeln bekommen zum respektvollen Umgang mit anderen. So gesehen ungerecht – trotzdem kann es nicht schaden, für diese Situationen gerüstet zu sein.

Johanna geht humorvoll mit dummen Sprüchen um, das macht den einen oder anderen Witzbold sprachlos:

Congratulations
„Flache Anmachsprüche wie „Ich habe meine Nummer verloren, darf ich deine haben?“ oder auch „Hat es wehgetan, als du vom Himmel gefallen bist, du wunderschöner Engel?“ habe ich zur Genüge gehört. Wirklich ernst gemeint waren diese aber meistens nicht. Das trifft genau mein persönliches Humorzentrum: Je flacher der Witz, desto besser! Mit einem Lacher ist das Eis gebrochen und einem netten Gespräch steht nichts mehr im Weg. Besonders schlagfertig zu antworten, macht auch Spaß. Entweder starrt man in ein perplexes Gesicht oder kann gemeinsam lachen. Mein unangefochtener Favorit bleibt diese Reaktion auf einen Spruch: Hey Schnitte, schon belegt? – Nein, aber dein Würstchen will ich nicht!“
 
Nicht immer sind Anmachen nett gemeint oder bist du in der Stimmung, darauf zu reagieren. Gute Freundinnen unseres Bloggers Per hatten die Lust am Feiern schon verloren. Ihre Lösung:

 „Straight ignorieren und ausm Weg gehen funktioniert für sie am besten. Inzwischen gehen sie daher gerne wieder mit.“ Per

Du hast nicht darum gebeten, angequatscht zu werden. Also kannst du den Spruch (und den Typen) einfach selbstbewusst ignorieren. 

Leider klappt Ignorieren nicht immer. Die nächste Eskalationsstufe ist die klare Ansage:

 „Werden die Männer etwas zu mutig, äußere ich klar und deutlich, dass kein Interesse besteht.“ Johanna

Du kannst zum Beispiel mit einem deutlichen „Geht’s noch!“, „Lass das!“ oder „Verzieh dich!“ klar machen, dass du nicht einverstanden bist. So gibst du Freunden oder anderen Personen in der Nähe auch zu verstehen, dass du dich gerade unwohl fühlst. Merkt der oder die Aufdringliche, dass du nicht alleine bist, führt das schnell zum Rückzug. 

Mach mit deinen Freunden vor der Party-Nacht Codewörter aus, die ihr sagt, wenn ihr euch in einer Situation befindet, die euch unangenehm ist:

„In solchen Fällen konnte ich mich immer auf meine Mädels verlassen, die die Situation richtig eingeschätzt haben, dann ganz plötzlich auf Toilette mussten und ich wollte ganz zufällig auch mitgehen. Ob man dann wirklich auf die Toilette geht oder auf einer anderen Tanzfläche landet, muss der Typ ja nicht wissen. “ (Johanna)

Das Geheimnis ist, für Freunde da zu sein und sie bei unangenehmen Begegnungen zu retten. Per geht nur noch zusammen mit mehreren Freundinnen und Freunden feiern: „Das macht sowieso mehr Spaß und falls es zu wirklich lästigen und permanenten Anmachen kommt, können wir uns gegenseitig helfen.“ 

Fällt dir keine schlagfertige Antwort ein und du willst auch nicht schweigen: Schrei das Gegenüber wütend an! Das sorgt für maximale Verwirrung und wahrscheinlich lässt die Person dich dann auch in Ruhe. Außerdem sorgst du dafür, dass sie sich beim nächsten Mal sehr gut überlegt, ob ein blöder Spruch die richtige Art ist, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. 

Ein Flirt ist kein Vertrag!

Hast du dich mit einer Person freundlich unterhalten, ihr dein schönstes Lächeln gezeigt oder ist es sogar zu einem heißen Kuss gekommen? Dann hast du nicht automatisch eine Unterschrift unter einen Vertrag gesetzt. Ist dir die Situation plötzlich unangenehm, kannst du jederzeit Nein sagen. Sogar wenn dich die Person nach Hause begleitet hat oder ihr schon gemeinsam in einem Bett liegt. Denn jeder Schritt bedarf deines erneuten Einverständnisses. Mach das der anderen Person klar.

Und: Auch die Grenzen deines Gegenübers gehören respektiert. Bist du dir nicht sicher, wie weit du gehen kannst, frag lieber nach! Ihr tragt gegenseitig füreinander Verantwortung.

Hol dir Hilfe, wenn du Angst hast!

Wenn du dich von einer anderen Person bedroht fühlst, hol dir Hilfe: Sprich Menschen in deiner Nähe an. Bist du in einem Club oder einer Bar, können dir sicher auch die Mitarbeiter helfen. Ist gerade niemand da, fordere lautstark Hilfe ein oder rufe unter 110 die Polizei: Sicher ist sicher!

Sei auch für andere da. Bekommst du mit, dass jemand in einer blöden Situation ist, biete ihr oder ihm Hilfe an. Hast du Angst, dich dadurch selber in Gefahr zu bringen, kannst du Zivilcourage zeigen, indem du andere Menschen ansprichst und ihr gemeinsam die Situation laut und deutlich ansprecht. Oft hilft das, weil sich der Täter oder die Täterin in der Unterzahl fühlt. Hilft das nicht oder ist gerade niemand in der Nähe: Tippe auf deinem Telefon die 110.

Clubs sind in der Verantwortung
Das Feiererlebnis soll für niemanden einen faden Beigeschmack bekommen. Dafür können auch Clubs sorgen. Sie können ein Awarness-Team ausbilden oder auch ihre Mitarbeiter schulen. Die Mitglieder aus dem Awarness-Team behalten den Überblick über das Partygeschehen, schreiten in kritischen Situationen ein und sind ansprechbar für die Gäste. So haben Betroffene ausgebildete Ansprechpersonen vor Ort. Eine Teilnahme an der Aktion „Luisa ist hier!“ kann zum Beispiel allen Feierwütigen eine sichere Partynacht bescheren. 

>> Wie du dich in bedrohlichen Situationen verhältst, darüber informiert auch die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

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