Charlotte G.

BALLERMANN UND MALLE-MUSIK

von Charlotte G. am

Warum geht es bei Partyliedern immer um Alkohol und Sex?
Party, Alkohol und Sex– diese Dinge verbindet man unweigerlich mit der Partymeile Ballermann auf der Lieblingsinsel der Deutschen: Mallorca. Genauso unverzichtbar wie der Bierkönig und Vodka-Lemon im Litermaß, scheint die Ballermann-Musik für eine gute Mallorca-Sause. Welche Songs ankommen und warum, erfahrt ihr hier.

Rezept für den perfekten Malle-Song

Was macht eigentlich ein gutes Partylied aus? Worauf gehen die Feiernden richtig ab und was bringt gute Stimmung in die Ballermann-Flaniermeile Schinkenstraße?

Ein glasklares Indiz für Malle-Musik sind die Themen Alkohol und Sex, denn darum geht es den meisten Ballermann-Besuchern. Da, wo die Getränke in Eimern serviert werden und das Bier zur Happy Hour in großen Mengen fließt, bieten sich Lieder an, die auch genau das beschreiben. Sei es Daniel Danger, kein 0815-Sterchen am Schinkenstraßen-Himmel, der von „Bier, Bier, Bier“ singt, oder Mia Julia, eine unverzichtbare Frau aus Oberbayern, die nicht nur mit freizügiger Performance alle Klischees auf Mallorca bedient, sondern auch mit Hits wie „Auf die Liebe“, „Nackt ist geil“ und „Wir sind die Geilsten“ jede Bude zum Beben bringt.

Das Rezept ist also: Einfache Texte, leicht erlernbare Refrains, die man auch mit 2,0 Promille noch mitsingen kann, Themen wie Alkohol und Sex und einen tanzbaren Beat – fertig ist der perfekte Malle-Song.

Verherrlichung und platte Message als Stimmungsmacher

Sicher wäre Mallorca als Reiseziel auch ohne die einschlägige Musik und die zahlreichen bekannten Performer genauso beliebt, wie es derzeit der Fall ist. Die KünstlerInnen haben aber eben Einfluss und eine ziemliche Reichweite – und damit gehen sie nicht wirklich verantwortungsbewusst um. Dass eine Alkoholverherrlichung stattfindet, steht außer Frage.

Wer singt, er will „saufen, morgens, mittags, abends“ und „der Hahn muss laufen“, ebenfalls „morgens, mittags, abends“ unterstützt damit ein Image der Insel, das zwar jedes Jahr massig viel Geld in die Mallorca-Kassen spült, aber über kurz oder lang ein echtes Gesundheitsrisiko darstellt – und zwar für Sänger und Fans.

Dabei möchte Mallorca seinen Ruf gerne verändern: Sicherer, sauberer und seriöser soll es werden, statt nur für Ballermann zu stehen. Die Besucher sollen auf der Insel auch was Anderes vorhaben, als sich zu betrinken. Die Polizei geht zum Beispiel gegen das Eimer-Saufen am Strand vor, das ist inzwischen verboten und wird mit Geldbußen bestraft.

Trinken und Flirten als Kombi …?

Auch der Sex kommt in den Songs nicht zu kurz. Daniel Danger zum Beispiel entdeckt auf Mallorca die ein oder andere „kleine Maus, mit voll dem schönen Charakter“ die auch nichts anderes machen soll, als sich auszuziehen. Liebe teilen ist ja an und für sich eine gute Sache, nur betrunken kann das ungewünschte Folgen haben.

Dass Malle ein wahrer Beziehungskiller sein kann, ist ja auch kein Geheimnis. So wird geflirtet und fremdgegangen was das Zeug hält. Der Ehrencodex „was auf Malle passiert, bleibt auf Malle“ zählt dann auch nicht mehr, denn die Folgen des Abenteuers oder Seitensprungs nimmt man ja trotzdem mit nach Hause.

Bier Bier Bier Bier Bier Bier Bier Bier Sonnenuntergang und bisschen Bier Bier Bier Bier Bier Bier Bier Bier Wir beide sind am Strand und trinken Bier Bier Bier Bier Bier Bier Bier Bier Prost du Maus.“Daniel Danger, feat 257ers, Song: kleine Maus

Feiern: Ja. Übertreiben: Nein. 

Zugegeben: Mit Malle-Musik kann man ziemlich gut feiern, egal ob in Deutschland, oder im „17. Bundesland“ Mallorca. Die Musik bringt Leute in Stimmung, unterhält und amüsiert den ein oder anderen Zuhörer. Grundsätzlich spricht ja auch nichts dagegen, solange man die Texte nicht wirklich als Aufforderung versteht, über alle Maßen zu trinken. Sobald der Hahn jedoch im Mallorca-Urlaub übers Limit läuft, sollte man sich fragen, ob man die Musik vielleicht nicht doch zu wörtlich genommen hat.

Mallorca ist und bleibt eines der beliebtesten Urlaubsziele für junge Menschen. Wer sein Limit kennt, kann die Musik, den Alkohol und den ein oder anderen Urlaubsflirt auch ohne Bedenken genießen.

Verzichten will auf Malle keiner, auch ich nicht. Aber den ein oder anderen Lockruf der Party-Sänger und Ballermann-Veranstalter sollte man im eigenen Interesse mal überdenken.

– Charlotte G.

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