Charlotte G.

„ZUM GLÜCK HERRSCHT IM STADION FLASCHENVERBOT …“ – INTERVIEW MIT BLOGGERIN CHARLOTTE

von Charlotte G. am

Die Weltmeisterschaft 2018 in Russland läuft auf Hochtouren: Beste Zeit, mit unseren KDL-Bloggern über den Lieblingssport der Deutschen zu sprechen.

Unsere Bloggerin Charlotte sieht leidenschaftlich gerne Fußball. Ganz egal, ob auf der Couch oder live im Stadion des 1. FC Köln. Klar, wollten wir da ein wenig mehr wissen!


Sobald die Vereinshymne angestimmt wird, ist das ein krasser Gänsehautmoment.“ Charlotte G.


Hand aufs Herz, Charlotte: Schaust du Fußball lieber alleine oder in der Gruppe?
Charlotte: Das Stadion ist auf jeden Fall ein Gemeinschaftsding. Mein Herz schlägt für den 1. FC Köln. Sobald die Vereinshymne angestimmt wird, ist das ein krasser Gänsehautmoment. Die Fankurve wird dann Eins und ich bin mittendrin – einfach unglaublich!

Klingt toll! In der Gruppe trinkt man auch schneller mal ein Bierchen … Ist das beim Fußball extremer oder nur ein Klischee?
Charlotte: Ich kenne viele Fans, die Fußballschauen mit einem Feierabendbier verbinden. Das gehört für sie zum „Fußball-Feeling“ einfach dazu. In der Gruppe wird man dann natürlich noch schneller zum Trinken verleitet – vor allem im Stadion. Wenn man sich dort kein Bier kauft, wird man ziemlich schräg angeguckt. Neben dem Fan-Schal ist der Becher mit Bier für viele Pflicht.

Hast du schon erlebt, dass es die Fans im Stadion so richtig übertrieben haben?
Charlotte: In der 1. Bundesliga kennt man ja die sogenannten Ultras, die regelmäßig und gern über die Stränge schlagen. Das ist aber nur ein kleiner Teil der Zuschauer. Extremer ist das in den unteren Ligen: Als ich vor Kurzem bei einem Spiel von Alemannia Aachen war, hatten viele Zuschauer im Stehblock nur das Ziel, sich hemmungslos zu besaufen. Eskalation mit Ansage!

Wenn dann auch noch ihre Mannschaft verliert, kippt die Stimmung und sehr betrunkene Fans können aggressiv werden. In so einem Moment kommt es nicht selten vor, dass die Spieler von der gegnerischen Mannschaft beworfen werden. Aber zum Glück herrscht im Stadion Flaschenverbot und es fliegen „nur“ die Plastikbecher … Wenn man drüber nachdenkt – es ist schon verrückt, dass es Maßnahmen wie Flaschenverbot gibt, nur weil Fans nicht wissen, wann’s genug ist. Irgendwie traurig, oder?

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Auweia! Lass uns lieber über die WM sprechen, die gerade läuft. Gibt es bei dir im Ort ein Public Viewing?
Charlotte: Ja klar, das Public Viewing ist zur WM-Zeit der Treffpunkt fürs ganze Dorf. Jeder kennt jeden und jeder hat mit jedem Spaß am Spiel. Das Gemeinschaftsgefühl des Dorfes trifft dann auf das Gemeinschaftsgefühl im Fußball.

Wow, klingt toll! Wer organisiert denn das Ganze?
Charlotte: Unsere Dorfkneipe. Wer das Spiel dort schaut, trinkt auch automatisch deren Bier, denn die ganze Zeit wird frisch gezapftes Bier serviert. Ein kleines Monopol, sozusagen. Da verliere ich manchmal den Überblick, wie viel ich tatsächlich schon getrunken habe. Außerdem schmeißen auch Freunde mal eine Runde … In der Euphorie geht es es da schon mal unter, dass man aufeinander achtet. Das ist schade.

„Ihnen wird beigebracht, dass zum Fußball auch das Bierchen dazugehört. Uncool und dazu völlig unlogisch!“ Charlotte G.

Biermarken, oder wie bei dir eine Kneipe, werden oft eng mit dem Fußball in Verbindung gebracht. Passt das noch zum Sportsgeist?
Charlotte: Wirtschaftlich kann ich das nachvollziehen – schließlich erreichen die Unternehmen durch Werbung & Co. ihre „Trinkerschaft“. Aber gleichzeitig ist es total widersprüchlich, wenn der Fußball – oder Sport allgemein – sich durch Alkohol mitfinanziert. Grade Kinder verbinden auf diese Weise sofort den Sport mit Bier, sprich Alkohol. Das kann kein guter Start in die Fußball-Karriere sein. Ihnen wird beigebracht, dass zum Fußball auch das Bierchen dazugehört. Uncool und dazu völlig unlogisch! 

„Ich denke, dass Männer in der Gruppe mehr trinken und auch mehr Wert darauflegen, wieviel sie trinken können.“ Charlotte G.

Jungs trinken sich statistisch leider immer noch häufiger in den Rausch als Mädchen. Meinst du, das hat mit einem bestimmten Männlichkeitsbild zu tun, wie man es teilweise auch im Sport findet?
Charlotte: Ich habe das Gefühl, dass viele Männer sich gegenseitig übertreffen und messen wollen. Immer unter Zwang, der Stärkere zu sein – oder eben der, der am meisten Alk verträgt. Man hört dann sowas wie „Trink mal schneller! Was bist du für ein Weichei, wenn du jetzt nicht mehr mittrinkst!“. Deswegen denke ich, dass Männer in der Gruppe mehr trinken und auch mehr Wert darauflegen, wieviel sie trinken können.  

Was meinst du würde passieren, wenn einer doch mal aussetzt oder Nein sagt?
Charlotte: Ach, nichts würde da passieren! Ob Mann oder Frau macht eh nicht so den Unterschied. Im Zweifel trinken beide Geschlechter gleich viel, zumindest auf den Dorffesten scheint es mir so. Ich mag das auch nicht, wenn man sagt: „Das gehört sich nicht für Mädchen“. Immer diese blöden Klischees, die bei Frauen und Männern vorherrschen.

Schubladendenken bremst doch aus! Gibt es etwas, das dir im Leben den „Kick“ gibt?
Charlotte:Ich liebe es, neue Leute kennenzulernen!  Ich bin letztes Wochenende nach Düsseldorf gezogen und musste mich zwei Tage alleine durchmogeln. Ich habe aber spontan so viele Menschen kennengelernt, das hätte ich selbst nie gedacht. Solche unerwarteten Begegnungen reizen mich und geben mir den Kick! Es braucht ja auch immer Mut, Fremde anzusprechen.

 

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