Alex

Die Liebe ging – die Sucht blieb.

von Alex am| 2 Kommentare

Robin und der Alkohol

Alles hatte damit begonnen, dass seine Freundin ihn verließ und Robin seinen Schmerz in Alkohol ertrank. Anfangs hatte ich Mitleid und konnte seine Flucht in den Rausch halbwegs nachempfinden. Aber auch als der gröbste Liebeskummer vorüber ging, blieb die Flasche sein ständiger Begleiter.

DER ANFANG VOM ENDE

Sicher, damals war es schon irgendwie cool, am Wochenende jemanden zu haben, der immer fürs Feiern zu haben war. Aber für ihn schien die Party nie zu enden. Und aus Tagen, an denen er nicht mehr wirklich nüchtern wurde, wurden Wochen – und daraus Monate. Irgendwann begann der Tag für ihn mit Vodka und endete oft mit Filmriss und Kater. In dieser Zeit drang ich immer weniger zu ihm durch. Er schmiss die Ausbildung und fing auch an andere Drogen zu nehmen.

Heute frage ich mich, warum ich nicht damals schon mehr bemerkt habe … Konnte oder wollte ich nicht sehen, dass der Alkohol für Robin zum Alltag geworden war? Hätte ich was sagen müssen? Ihm helfen, schon jetzt?

Logischerweise belastete das auch sein Freundes- und Familienleben. Als er dann das erste Mal vor einem Richter stand, stellten seine Eltern ihn vor die Wahl: Auszug oder Therapie. War klar, dass er es erstmal mit der Therapie versuchte. Zwei Monate ging das gut… dann wurde er rückfällig. Doch er versuchte es weiter.

„Jeder Therapieversuch schien zwecklos. Und wenige Wochen später musste er ausziehen.“

GUTE FREUNDE, SCHLECHTE FREUNDE?

In der Zeit haben wir wieder versucht, mehr Kontakt mit ihm zu haben. Das hat dann auch für eine Weile funktioniert, bis er wieder anfing zu trinken und uns bat, ihm Alkohol in die Therapie zu schmuggeln. Haben auch ein paar von uns gemacht… Trotz allem war er eben einer meiner ältesten und besten Freunde. Heute weiß ich, dass das falsch war. Dabei wollten wir ihm nur helfen. Wie blöd wir waren.

Jeder Therapieversuch schien zwecklos. Und wenige Wochen später musste er bei seinen Eltern ausziehen. Er schlief abwechselnd bei Freunden oder Bekannten und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Wenn man ihn in dieser Zeit auf seinen Alkoholkonsum ansprach, wurde er aggressiv und verließ den Raum. Wir haben uns dann für ein paar Monate aus den Augen verloren. Bis er plötzlich eines Tages vor meiner Tür stand und sich entschuldigen wollte.

ENDSTATION: OBDACHLOSIGKEIT

Er hatte seine „Erleuchtung“, wie er es nennt, als er morgens komplett besoffen eine Böschung runter stürzte und alleine nicht mehr hochkam. Dort hat ihn dann ein Obdachloser gefunden und ihm klar gemacht, dass er irgendwann auch auf der Straße landen könnte, wenn er sein Leben nicht ändert. Robin erzählte, wie er danach zu seinem Onkel ging, bei dem er gerade wohnte, den restlichen Alkohol wegkippte und noch einen Versuch startete, mit dem Trinken aufzuhören. Einfach war das nicht, aber er hielt durch.

Ganz langsam freundeten wir uns wieder an. Die Feuerprobe war, als wir beide auf einen Geburtstag eingeladen waren, auf dem es zwangsweise auch Alkohol gab. Ich hatte Bedenken, aber Robin war sich sicher, dass es okay sei. Und er schaffte es tatsächlich, die Finger davon zu lassen.

KEIN LEBEN AUF DER STRASSE, BITTE…

Nach seiner Problemzeit muss Robin jetzt komplett verzichten, „mal was trinken“ klappt nicht. Er erzählte mir ein paar Tage nach der Party, welche Tricks ihm helfen, um dem Alkohol zu widerstehen. Der wichtigste ist wohl, sich immer wieder den Verlust von Allem vorzustellen … von Job, Freunden und sogar der Familie. Klar wurde das ihm bei seinem Absturz – in die Böschung. Niemals würde er so enden wollen.

Außerdem versucht Robin jetzt auf Partys & Co. nicht zwingend bei genau den Leuten zu stehen, die ihn zum Trinken animieren. Er meint, er verzieht sich dann meistens. Das ist aber oft gar nicht so einfach – gerade, wenn die meisten anderen auf der Feier munter weiter trinken.

Genauso wichtig ist aber auch, dass er immer beschäftigt ist. Zu schnell verfällt er bei Langeweile in alte Muster, erzählt er mir. Er treibt wieder viel Sport. Trifft sich ständig mit Freunden. Nicht jeder hat ihm schon verziehen, aber die meisten. Robin hat wieder einen Ausbildungsplatz als Mechatroniker, ein Jahr noch dann ist er fertig. Er geht wieder regelmäßig mit uns aus, auch am Wochenende. Und: Wenn er dabei ist, trinkt keiner von uns, um ihn zu unterstützen.

SÜCHTIG AUF LEBENSZEIT

Trotz allem ist er weiter vorsichtig. Aus diesem Grund will er sich auch nach der Behandlung einen Psychologen suchen. Er will dauerhaft alkoholfrei leben, so wie er es seit etwa einem Jahr nun tut. Ich frage ihn, ob er den Alkohol denn schon mal vermisst habe. Da wird er ganz ernst und erwidert, dass das natürlich hin und wieder vorkommt. Die Alkoholsucht wird immer bleiben.

Aber – und dann grinst er wieder – mehr als jetzt den Alkohol hat er dann doch seine Freunde und ein ordentliches Bett vermisst.

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2 Kommentare zu: “Die Liebe ging – die Sucht blieb.”

  1. Peter

    Schade, dass man einen so einen extrem Fall veröffentlicht der für die meisten kaum zur Realität wird. Eure kompletten beispiel Texte und Artikel scheinen darauf aufgebaut zu sein. Kaum ein Jugendlicher wird sich davon angesprochen fühlen.

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