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Feiertage, Trinkgelage – jeder Achte trinkt Weihnachten zu viel

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Feiertage Trinkgelage

Glühwein zum Feiern, Sekt zum Anstoßen, Rotwein zum Braten, zum Verdauen den Kurzen: Zu Weihnachten und Silvester gibt’s überall und ständig Alkohol – oft auch zu viel.

Alle feiern anders, manche gar nicht, was für die Einen schön, ist den Anderen ein Graus. Viele können aber bestätigen, dass es um Weihnachten ständig Gelegenheiten gibt, Alkohol zu trinken. Eine aktuelle Umfrage ergab, dass etwa jeder Achte Deutsche trank mehr als üblich trinkt, mehr als jeder Zehnte hatte sich das Fest dadurch schon mal verdorben. Bei den 18- bis 24-Jährigen spielte Alkohol eine große Rolle: 17 Prozent der Befragten gaben an, an den Feiertagen mehr als üblich und auch zu viel zu trinken. Bei den über 65-Jährigen sind es nur 5,4 Prozent. Der Direktor des PKV-Verbandes Volker Leienbach betonte: „Je jünger die Menschen sind, desto eher neigen sie dazu, Alkohol „über den Durst“ zu trinken.“(1)

„Feiertagstrinken“ als Herzensangelegenheit

Dass es nicht gerade dem Fest entspricht, es betrunken zu erleben, ist ja eine Sache. Dass heftiges Trinken an einzelnen Tagen aber auch das Herz beeinträchtigen kann, ist eine ganz andere: Der extreme Alkoholkonsum kann zu Herzrhythmusstörungen führen. Das wiederum kann im schlimmsten Fall einen Herzinfarkt oder gar einen plötzlichen Herztod auslösen. Treffen kann das jeden, nicht nur Menschen, die ohnehin schon Herzschädigungen haben. Weil viele gerade an Feiertagen wie Weihnachten und an Wochenenden extreme Mengen Alkohol konsumieren, heißt dieses Krankheitsbild „Holiday Heart Syndrome“.(2)

Weihnachten bis Silvester eine einzige Party

Auf den Weihnachtsmärkten, mit Freunden oder Kollegen, dann noch Silvester – gefeiert wird nicht nur zu Hause, sondern auch bei öffentlichen Veranstaltungen. Helfer wie die des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), sind dort zur Stelle, wenn die Party zum persönlichen Drama wird.

Ein Großeinsatz ist der Jahreswechsel am Berliner Brandenburger Tor. Hunderttausende feiern, das DRK und andere Hilfsverbände (3) stellen insgesamt 150 Sanitäter und mindestens vier Ärzte. „Die Helfer des DRK sind haupt- und ehrenamtlich als Fußstreifen und an Unfallhilfsstellen im Einsatz“, erklärt das DRK Berlin. Mehr Alkoholnotfälle gäbe es dort aber bisher nicht: „Es wird zwar Alkohol getrunken, aber im Vergleich zu anderen Veranstaltungen haben wir deswegen keine vermehrten Erste-Hilfe-Einsätze.“ (4)

Die Berliner Polizei hingegen berichtet, dass es am 31.12.16 und 1.1.17 mehr Straftaten unter Alkoholeinfluss gab: Von den 16- bis 25-Jährigen wurden drei- bzw. sechsmal so viele Alkoholdelikte begangen wie im Jahresdurchschnitt. Die häufigsten waren „Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.“ Auf dem Wunschzettel der Polizei steht daher: Passt auf eure Freunde auf, greift rechtzeitig ein, wenn ihr erkennt, dass es brenzlig wird – und das am besten, bevor die Polizei eingreifen muss.(5)

Wenn die Feiertage zum Problem werden

Bei aller Partylaune, für Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit sind Weihnachtszeit und Jahreswende oft gar kein Grund zum Feiern und darüber hinaus eine große Herausforderung. Das Risiko, rückfällig zu werden, ist dann besonders hoch. Erinnerungen an vergangene Festtage, gute und schlechte, kommen hoch, es ist für viele eine sehr emotionale Zeit. Noch dazu ist die Versuchung größer als sonst: Alkohol gibt es allerorten und auch noch legitimiert, weil scheinbar alle anderen trinken. (6)

Für Alkoholabhängige ist es besonders schwer, hierfür Strategien zu entwickeln. Aber auch, wer Alkohol in Maßen genießt, kommt oft nicht drum herum, sich zu überlegen, wie man auch mal Nein sagen kann. Und wie man auch andere dazu bringt, im Limit zu bleiben. Die Verlockungen und die Selbstverständlichkeit, mit der Alkohol dazu gehört, machen es nicht leicht. Aber vielleicht hilft es, sich einmal mehr vor Augen zu führen: Die Entscheidung, ob und wie viel man trinkt, liegt einzig bei einem selbst.

 

Quellen:

(1) Quelle: dpa – eine aktuelle repräsentative Studie des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV). Für die Studie wurden in der zweiten Novemberhälfte online 2027 Personen zum Thema Alkoholkonsum an den Feiertagen befragt.

(2) https://emedicine.medscape.com/article/155050-overview#a4

(3) Quelle: laut DRK-Berlin sind das der Arbeiter-Samariter-Bund, die Johanniter-Unfall-Hilfe und der Malteser-Hilfsdienst.

(4) Quelle: Pressestelle des DRK Berlin.

(5) Quelle: Pressestelle der Polizeidirektion Berlin.

(6) http://www.sueddeutsche.de/leben/alkoholismus-stille-nacht-nuechterne-nacht-1.3308193

http://www.zeit.de/news/2016-12/19/deutschland-umfrage-viele-deutsche-trinken-an-weihnachten-zu-viel-alkohol-19053808

https://www.pkv.de/presse/pressemitteilungen/2014/1223-insa-alkoholkonsum-an-feiertagen/

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