Anna

Verbieten, erlauben, wegschauen?

von Anna am| 1 Kommentar

Was die Alkoholsucht meines Opas mit meinem Vater machte und wie er deshalb mich und meinen Bruder erzogen hat, lest ihr im Interview mit meinen Eltern. Viel Spaß!

„Mein Papa war jahrelang alkoholkrank, das habe ich ab frühester Kindheit mitbekommen.“Meine Mutter

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, kann ich mich nicht erinnern, dass jemals Alkohol in unserer Wohnung herumstand. War das Absicht?

Mama:
Ja, tatsächlich wollten wir Alkohol im Alltag eher von euch fernhalten. Ich persönlich habe mir schon jeden Abend ein Glas Rotwein eingegossen – allerdings erst, wenn ihr im Bett wart. Der Alkohol sollte auch nie offen in der Wohnung herumstehen. Wenn, dann stand er ganz in der Ecke bei den Getränken.

Papa:
Klar, bei Geburtstagsfeiern wurde schon mal ein Bierfass angestochen. Aber es stand nie ein Bierkasten, Schnaps oder sowas in der Wohnung herum. Das war uns wichtig.

Habt ihr euch vor meiner Geburt den Kopf zerbrochen, wie ihr in der Erziehung mit dem Thema Alkohol umgeht?

Mama:
Wir hatten nicht wirklich ein Konzept, vielmehr haben wir versucht, euch vorzuleben, dass Alkohol nicht zu eurem Alltag gehören muss. Trotzdem wollten wir nichts verbieten. Wenn wir unterwegs nach einer Radtour ein Radler getrunken haben, durftet ihr da auch schon mal dran nippen, wenn ihr das wolltet.

Papa:
Wenn man Sachen verbietet, dann werden sie ja erst so richtig interessant für Kinder. Ich persönlich bin ein großer Fan der fränkischen Küche und da gehört für mich die Brauereikultur auch dazu. Da finde ich nichts Falsches dran, zu einem guten Essen ein schön würziges Bier zu trinken. In diesem Fall ist der Alkohol ein Genussmittel und in Maßen auch völlig okay. Das wollte ich euch mit auf den Weg geben.

Was denkt ihr: Haben Opa und Oma euren Umgang mit Alkohol geprägt?

Mama:
Mein Papa war jahrelang alkoholkrank, das habe ich auch ab frühester Kindheit mitbekommen. Das war zu einer Zeit, in der die Ehefrauen noch lieber weggeschaut haben, als dass sie irgendwas dagegen unternommen hätten. Und so war das auch bei deiner Oma. Bis zuletzt hat dein Opa getrunken. Letztes Jahr ist er dann auch an einer Leberkrankheit verstorben, die auf den Alkohol zurückzuführen ist. Ich denke, das hat mich schon sehr abgeschreckt.

Papa:
Auch auf meiner Seite der Familie spielte Alkohol im Alltag eine ziemlich gewichtige Rolle. Mein Vater war lange im Fußballverein aktiv und da gehörte das Bier nach dem Sport oder abends zum Karten spielen einfach dazu. Auf mich hat das wohl ein bisschen abgefärbt, ja. Aber das wollte ich nicht an meine Kinder weitergeben.

Ich bin 23, mein Bruder 20 – wir sind also aus dem Gröbsten raus, zumindest was die Erziehung angeht. Was sagt ihr zu unserem Umgang mit Alkohol, hat euer Ansatz „gefruchtet“? 😉

Papa:
Im Großen und Ganzen haben wir euch ganz gut hingekriegt, glaube ich. Ich habe nie erlebt, dass einer von euch sturzbesoffen nach Hause gekommen ist. Ein oder zweimal kam es schon vor, dass der Gang zum Bett ein bisschen schlangenlinienförmig verlief (lacht), aber wenn das das Schlimmste ist, dann kann ich damit leben!

Mama:
Das stimmt! Ich denke, wir haben euch so erzogen, dass euer Leben viel zu bunt an Freunden, Interessen und Aktivitäten ist, als dass ihr irgendwie abrutschen könntet.

Und damit ihr sie auch mal gesehen habt: hier meine gesamte Family – plus Hund natürlich! 🙂 

Und jetzt ihr:

Was denkt ihr, haben eure Eltern euren Umgang mit Alkohol geprägt? Hinterlasst mir einen Kommentar!

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Ein Kommentar zu: ““Verbieten, erlauben, wegschauen?”

  1. Angie

    Mein Vater hat mich in Bezug auf Alkohol schon stark geprägt…
    Ich versuche so wenig wie möglich Alkohol zu trinken, bin aber immer an Männer geraten die trinken.

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