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Alkohol – ein Kulturgut?

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Alkohol kein Kulturgut

Seit Jahrtausenden ist er der Menschheit bekannt, als Nahrungs-, Genuss- oder Rauschmittel. Kann man also sagen, dass Alkohol ein Kulturgut ist?

Kurzer Blick in die Geschichte

Bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. wurde er in Mesopotamien hergestellt und getrunken. Damals waren Abhängigkeiten sehr selten, da Alkohol nur begrenzt verfügbar war. Für das Mittelalter und die frühe Neuzeit ist erstmals belegt, dass alkoholische Getränke oder das Recht zur Alkoholherstellung als Arbeitslohn ausgegeben wurden. Bier entwickelte sich im Mittelalter quasi zum Grundnahrungsmittel, das auch Kindern serviert wurde. Während der Industrialisierung traten vermehrt Formen von „Elendsalkoholismus“ auf und Alkoholsucht wurde als Problem der modernen Gesellschaft wahrgenommen. In den USA gab es daraufhin Anfang der 1920er Jahre ein komplettes Alkoholverbot (Prohibition), das 1933 wieder aufgehoben wurde.(1)

Tradition ist nicht alles

Die Menschheit ist also schon ziemlich früh auf den Geschmack gekommen, Bierbrauen und Weinanbau haben gerade in Europa eine lange Tradition. Als Kulturgut geht Alkohol deswegen trotzdem nicht durch. Denn schon seit je her wurde er nicht nur als Nahrungs- und Genussmittel betrachtet, sondern führte zu Trinkgelagen und Ausschweifungen.(2)

Der edle Tropfen Wein oder das nach Reinheitsgebot gebraute Bier werden heute zwar gerne als Kulturgut in Szene gesetzt, allerdings lässt das die Kehrseite außer Acht: In Deutschland passierten im Jahr 2016 38.650 Verkehrsunfälle, bei denen Alkohol im Spiel war. Bei 14.560 davon kam es zu Personenschäden. Dabei starben 242 Menschen, 13.424 wurden leicht und 4.933 schwer verletzt.(3) Zu einem Kulturgut passt auch diese Zahl nicht: 2016 wurde etwa jede dritte Gewalttat (27.3%) in Deutschland unter Alkoholeinfluss begangen.(4)

Wie die Alten, so die Jungen?

Tradition hat ja auch immer viel damit zu tun, wie die unterschiedlichen Generationen mit bestimmten Gepflogenheiten umgehen. Wurde früher mehr getrunken als heute, welchen Stellenwert hat und hatte Alkohol? Natürlich ist das auch immer individuell verschieden. Allerdings sagt die Statistik, dass der Alkoholkonsum bei Jugendlichen tendenziell abnimmt: Seit rund 15 Jahren verzichten immer mehr 12- bis 15-Jährige auf Alkohol, seit 2011 auch viele der 16- und 17-Jährigen. Die Zahlen zum Rauschtrinken und zum Konsum riskanter Mengen Alkohol sind auch bei den 18- bis 25-jährigen Männern und Frauen weitgehend rückläufig.(5)

Das Image wird gepflegt  

Oft wird kritisiert, dass die Politik den Tabakkonsum bekämpft, während Alkohol weitgehend unberührt bleibt – keine Steuererhöhungen, kaum Werbeeinschränkungen, Politiker konsumieren öffentlich Alkohol, lassen sich gar zum „Bierbotschafter“ küren. Die Lobby ist stark, Bier wird als traditionelles Getränk inszeniert: Es gibt Biermuseen, Wanderwege für Bierfans, Bier- und Hopfenköniginnen. (6.1, 6.2)

Auch die Winzer kultivieren ihr Image und locken mit Verkostungen, Weinreisen, Führungen, der Möglichkeit, Weinpate zu werden und vielem mehr. Sicher ist da auch etwas dran, ein Glas Bier oder Wein schmeckt Vielen und gehört „dazu“. In Deutschland auch mehr als anderswo: Mit 9,6 Liter reinem Alkohol pro Kopf im Jahr 2015 sind wir ein Hochkonsumland, liegen weit über dem weltweiten Durchschnitt. Die Folgen: Millionen Süchtige, schwer geschädigte Kinder, 74.000 Tote. Außerdem wird Alkohol mit vielen Krankheiten in Verbindung gebracht, darunter Speiseröhren-, Leber- und Brustkrebs.(7.1, 7.2)

Fazit

Wie so oft liegt der Weg für einen vernünftigen Konsum in der Mitte: Man muss Alkohol nicht generell verteufeln, um im risikoarmen Bereich zu bleiben. Sich aber nur an das positive Image zu klammern und die negativen Seiten auszublenden, ist keine gute Idee. Dafür hilft es zu wissen, wie viel Alkohol ok ist, wie Alkohol wirkt, was Anzeichen für zu hohen Konsum sind. Wer sich informiert, ist klar im Vorteil. 😉

Quellen:

(1) http://www.dhs.de/suchtstoffe-verhalten/alkohol.html
(2) http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Factsheets/
2016_Factsheet_Alkohol_Mythen_Meinungen.pdf

(3) https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/TransportVerkehr/
Verkehrsunfaelle/UnfaelleAlkohol5462404167004.pdf?__blob=publicationFile

(4) https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/
PolizeilicheKriminalstatistik/2016/pks2016ImkBericht.pdf?__blob=publicationFile&v=8

(5) Alkoholsurvey der BZgA 2016: https://www.bzga.de/pdf.php?id=1ddd7527523bd2e71fb7c938a3087106

(6.1, 6.2) http://www.deutschlandfunk.de/alkohol-die-geschuetzte-droge.724.de.html?dram:article_id=371621 und http://www.reinheitsgebot.de/startseite/bierkultur/bierbotschafter/

(7.1, 7.2) http://www.dhs.de/datenfakten/alkohol.html und http://www.deutschlandfunk.de/alkohol-die-geschuetzte-droge.724.de.html?dram:article_id=371621

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