Tabitha Anna

Auf Ois! – Feiern auf Schwäbisch

von Tabitha Anna am| 1 Kommentar

Habt ihr meinen Dialekt erkannt?
So oder so ähnlich prosten wir uns auf der Schwäbischen Alb zu, wenn wieder einmal ein Fest bei uns ansteht. Und davon gibt es auf dem Land viele: Die Fasnet im Februar, die Elfmeterturniere im Sommer oder jetzt im Herbst die Dirndl-Feste. Bei uns im Dorf gibt es immer einen Grund zu feiern – und wenn es den nicht gibt, feiern wir eben, dass wir nichts zu feiern haben. 🙂

Keiner entkommt den Traditionsfesten auf der Schwäbischen Alb. Und damit auch keiner dem Alkohol …

Trinkfeste Schwaben?

Leider kein Klischee: Auf der Alb wird auf Festen tatsächlich ordentlich getrunken. Dabei steht – vor allem bei Elfmeterturnieren und Dirndl-Festen – Bier an oberster Stelle. Wer das Gebräu nicht mag, der greift zu Mischgetränken, Schnäpsen oder Sekt. Kein Wunder, dass wir Schwaben den Ruf weghaben, gerne einmal über den Durst zu trinken. Dabei bekommt uns der Alkohol auf der schwäbischen Alb nicht besser als anderswo – wer zu viel trinkt, liegt irgendwann flach im Zelt und verpasst das Fest. Traurig aber wahr.

Warum übertreiben’s Manche trotzdem?  

Zum einen gibt es in der ländlichen Gegend keine Clubs, die Jugendliche ansteuern könnten. Das versuchen wir wohl mit unseren Dorffesten auszugleichen, die fast jedes Wochenende stattfinden und meistens von einem Verein organisiert werden. Die Kontrollen beim Einlass und am Ausschank sind häufig lascher als in klassischen Diskos. Deshalb machen viele Jugendliche bei uns schon ziemlich früh Bekanntschaft mit dem Alkohol, einige sogar schon mit 14 Jahren!

Auch der Fastnetbrauch ist nicht ganz unschuldig an unserem Durst: Die bunten Fasnetsumzüge mit anschließender Dorfsaue im Zelt sind für viele ohne Alkohol kaum vorstellbar. Da bereits die kleinsten Narren an den Umzügen teilnehmen, wachsen Kinder bei uns bereits mit dem Alkohol auf, auch wenn sie natürlich noch nicht selbst trinken. Da entsteht schnell der Eindruck, Trinken sei Teil der Tradition.

Trachtenzauber – das Dirndl-Fest

Das Dirndl-Fest ist gerade jetzt im Herbst voll angesagt. Zur Feierzeit sind in den Zelten vermutlich mehr Menschen versammelt, als die Orte Einwohner haben. Alle Mädchen zwängen sich in ihre Dirndl und stellen jedes Mal aufs Neue fest: Diese Uniform für Frauen ist echt eng und unbequem. Aber was tut man nicht alles für das gute Aussehen. 😉

Anschließend wird meist mit Freunden vorgeglüht. Typisch schwäbisch, möchten wir auf dem Fest nicht zu viel Geld für Getränke ausgeben. Danach geht’s auf zum Festzelt. Wohin man blickt, überall sieht man glänzende Bierkrüge und schunkelnde Besucher – die Bierbänke hier sind nicht zum Sitzen, sondern zum Stehen da!

Keine Kehle bleibt trocken

Viele der Besucher haben anscheinend verlernt, nüchtern in Stimmung zu kommen. Wer Fahrer ist und deswegen nüchtern bleibt, wird bemitleidet, aber respektiert. Anders sieht’s aus, wenn man die Finger vom Alkohol lassen möchte, auch wenn man nicht Taxi spielt. Natürlich zwingt dich der beste Freund nicht zum Bier, wenn du partout nicht möchtest – aber den ein oder anderen blöden Blick von der Seite bekommt man trotzdem.

Ich versuche dann immer gelassen zu bleiben und das Ganze mit Humor zu nehmen: Schließlich werde ich mich an die kleinen Peinlichkeiten der Schnapsleichen später erinnern – sie selber aber sicher nicht!

 

Keine Frage der Kultur

Die schwäbische Dorfkultur ist mehr als nur der wöchentliche Abschuss mit Alkohol, auch wenn das Manche nicht kapieren wollen. Natürlich verschmähe auch ich unser gutes Bier nicht – aber ich entscheide selbst, wann ich genug hatte und einfach nur das Fest genießen möchte.
Das beste Rauschmittel ist eh der gemeinsame Spaß mit Freunden und Verwandten, wenn wir vereint zu Schlagerklassikern schunkeln und lauthals auf den Bierbänken mitgröhlen. Und ich bin jedes Mal ein bisschen stolz darauf, ein Dorfkind zu sein und so eine Gemeinschaft leben zu dürfen.

Letztendlich ist jeder ist für seinen eigenen Konsum selbst verantwortlich – das gilt auf der Schwäbischen Alb genauso wie in der Großstadt oder im hohen Norden.

Und nun du! 
Welche Volksfeste, Traditionen & Co. feiert man in deiner Region? Schreib es mir in die Kommentare! 🙂

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Ein Kommentar zu: ““Auf Ois! – Feiern auf Schwäbisch”

  1. Rudi

    Moin zusammen

    Ich wohne in Friesland bei Jever, dort ist das alljährlich „Altstadtfest“ das Saufgelage schlechthin. Könnt Ihr gerne mal in 2018 aufsuchen.;)

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