Tats

Auf Buddhas Spuren

von Tats am

Zehn Tage Buddhismus im Selbstversuch

Zehn Tage lang auf viele Dinge verzichten, die daheim in Deutschland mehr oder weniger zu meinem Alltag gehören:  Das war die Herausforderung, als ich vergangenes Jahr in Indien an einem Einführungskurs in die fünf ethischen Grundsätze des Buddhismus teilgenommen habe.

Diese Grundsätze sind:

  • Töte keine Lebewesen – weder Menschen, Tiere noch Pflanzen.
  • Nimm nichts, was dir nicht zusteht.
  • Keine sexuellen Verfehlungen – d.h. vor allem, keine Beziehungen, die Leiden für andere oder dich selbst verursachen.
  • Lügen ist verboten.
  • Konsumiere keine berauschenden Mittel – also auch keinen Alkohol.

In Indien ein Kinderspiel – in Deutschland harte Arbeit

Während meines Indien-Trips fiel es mir noch ziemlich leicht, mich an diese fünf „Tugenden“ und besonders das Alkoholverbot zu halten – schließlich war ich mit einer Gruppe unterwegs, in der nun jeder verzichten musste. Und abseits der Zivilisation und des deutschen Umfelds war es nicht schwer, sich aus dem normalen Leben zurückzuziehen und sich ganz bewusst nur um sich selbst zu kümmern.

So richtig hart wurde es, als ich wieder unter Gleichaltrigen und Zuhause war. Ich habe den Eindruck, dass Alkohol vor allem in Deutschland immer noch ein Teil unserer Kultur ist. Sobald man gesellig abends mit Freunden zusammen sitzt oder auf eine Party geht, spielt  Alkohol eine Rolle. Das Widerstehen fiel mir echt schwer und ich habe mich gefragt, warum der Verzicht auf berauschende Mittel in der buddhistischen Lehre so wichtig ist. Was bringt es mir überhaupt, wenn ich den Alkohol weglasse?

Auf Kleines verzichten, um Großes zu erreichen

Der Buddhismus sagt, dass ich nur erkenne, was richtig und falsch ist, wenn ich mich bewusst wahrnehme und ein tiefes Verständnis für meinen Körper und Geist entwickle. Und das geht nur, wenn ich auch einen klaren Verstand behalte. Schon eine kleine Menge Alkohol kann unsere Selbstwahrnehmung verändern und somit unsere Selbsterkenntnis verfälschen. Auch wenn es bei einem Glas bleibt, versteht der Buddhismus das so: Wenn du noch nicht mal bereit bist, auf so eine Kleinigkeit wie ein Glas Wein zu verzichten, wie stark ist deine Hingabe und Entschlossenheit bei großen Herausforderungen? Wer diese fünfte Regel bricht, wird vielleicht auch alle anderen einmal brechen. Und die Formulierung „berauschende Mittel“  kann  heute noch viel mehr umfassen, als nur Alkohol und andere Drogen: auch Fernsehen und Computer können hier gemeint sein.

Und wie geht’s weiter?

Ich kann für mich sagen, dass ich nach den zehn Tagen sehr fokussiert war, das lag aber sicher nicht nur am Verzicht, sondern auch noch an anderen Dingen, wie der täglichen Meditation und der Einsamkeit. Aber: Ohne den Alkoholverzicht und den damit verbundenen klaren Kopf wäre meine Erfahrung so sicher nicht möglich gewesen. Trotzdem finde ich es schwer, zu Hause unter Freunden ganz auf Alkohol zu verzichten. Ich habe gemerkt, dass ich zum Genuss mit meinen Liebsten weiterhin ab und zu ein Bierchen mittrinken möchte und das auch tun werde.  Denn meiner Meinung nach ist auch ein bewusster Umgang mit Alkohol möglich: Dass ich meine Handlungen, in dem Fall meinen Alkoholkonsum, hinterfrage und mir Gedanken mache, ist für mich ein Fortschritt. Allein für diese kleine Erkenntnis haben sich die zehn Tage Buddhismus allemal gelohnt!

 

 

 

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