FortyTwo

„Zum Abendmahl gehört der Wein dazu“

von FortyTwo am

Per interviewt einen Pfarrer zu seiner Sicht auf das Thema
Alkohol & Kirche


Gesellschaft, Eltern, Freunde –  viele Faktoren beeinflussen uns und unseren Umgang mit Alkohol. Auch die Religion spielt dabei noch immer eine wichtige Rolle.

Deshalb habe ich beschlossen, einen evangelischen Pfarrer zu seiner Einstellung zum Thema Alkohol zu befragen. Ich fand schnell einen Pfarrer, der sich bereit erklärte mit mir über das Thema zu sprechen. Er möchte allerdings anonym bleiben. Das akzeptiere ich natürlich und nenne deshalb auch nicht die Gemeinde in der das Gespräch stattgefunden hat.

_____________________________________________________________________________

Wie steht die evangelische Kirche zum Thema Alkohol?
Seit Martin Luther ist jeder Christ und jede Christin ein freier Mensch und nur Gott und seinem/ihrem Gewissen verpflichtet.
Die Kirche schreibt zum Thema Alkohol keine festen Verhaltensregeln vor. Da der Wein jedoch beim christlichen Abendmahl eine wichtige, spirituelle Stellung einnimmt, sollte er immer gewissenhaft und bewusst konsumiert werden.

Trinken Sie persönlich außerhalb des Abendmahls in der Kirche Alkohol?
Für viele Menschen gehört Wein oder Sekt zu einem geselligen Abend einfach dazu, und davon schließe ich mich nicht aus. Zu einer berauschenden Wirkung kommt es bei dem einen Glas zum Essen jedoch nicht, und dazu möchte ich es auch nicht kommen lassen. Alkohol dient mir als Genuss- und nicht als Rauschmittel.

Wie beurteilen Sie die beiden Extrempositionen  „Ich trinke sehr viel Alkohol“ und „Ich trinke absolut keinen Alkohol“?
Übermäßiger Alkoholkonsum kann schwerwiegende Folgen haben, dazu zählen unter anderem auch Gewalttaten, die man später oft bereut. Daher, ohne zu verurteilen, kann ich von hohen Alkoholmengen nur abraten. Schon allein, weil die Zehn Gebote Gewalt grundsätzlich verbieten.
Keinen Alkohol zu trinken hat natürlich keinerlei Nebenwirkungen, das sei jedem Menschen selbst überlassen. Zum christlichen Abendmahl gehört der Wein allerdings  dazu.

Ist Ihre Meinung zu Alkohol eher geprägt von der Gesellschaft oder von der Religion?
Natürlich prägt auch die Gesellschaft meine Meinung, davon kann  sich wohl kein Mensch ausschließen. Verpflichtet bin ich jedoch als gläubiger Mensch nur Gott und meinem Gewissen.

Das Mindestalter für Alkoholkonsum – ist es Ihrer Ansicht nach gut so, zu niedrig, oder zu hoch?
Zu hoch ist es keinesfalls! Ich glaube, dass ein Anheben des Mindestalters kaum Auswirkung auf den Alkoholkonsum hätte. Wirkungsvoller ist eine Aufklärung, die auch zum bewussten Konsum von Alkohol aufruft. Auch die Kirche kann eine beratende Funktion einnehmen.

Welchen Zweck soll Alkohol Ihrer Ansicht nach in unserer Gesellschaft erfüllen?
Auch das kann man nicht generell sagen.
Ich habe manchmal den Eindruck, dass sich Jugendliche durch Alkohol einen Rausch antrinken möchten, der bei Feiern und Partys die Stimmung heben soll.
Bei Erwachsenen steht meiner Meinung nach häufiger der Geschmack im Vordergrund. Natürlich kann man das nicht pauschal sagen, es gibt in allen Gruppen Ausnahmen.
Wenn ich so meine Erfahrungen aus vielen Gesprächen betrachte sehe ich außerdem, dass Alkohol immer wieder der Schmerzlinderung über die eigene Lebenssituation dient. Dabei hilft er aber immer nur kurzfristig, auf lange Sicht macht er das Leben oft noch viel schwieriger.

Ich danke Ihnen für das Interview!

_____________________________________________________________________________

Noch einmal zusammengefasst:
Der von mir befragte Pfarrer ver- oder beurteilt Alkoholkonsum nicht grundsätzlich – auch wenn ein gewissenhafter Umgang natürlich trotzdem ans Herz gelegt wird. Letztendlich sind die Gläubigen aber nur Gott und ihrem Gewissen verpflichtet, nicht der Kirche. Die Gläubigen sind also frei, selbst zu entscheiden!

Mein Interviewpartner trinkt zum Beispiel selbst gerne einmal in Gesellschaft ein Gläschen Wein – und zur Messfeier gehört es aus christlicher Sicht dazu.
Durch seine Seelsorge weiß er aber auch, dass manche Menschen Alkohol missbrauchen und dadurch Probleme eher größer, statt kleiner werden. Hier kann auch die Kirche beraten, da oftmals der zu hohe Alkoholkonsum die Folge einer tieferen Lebenskrise ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.