Lio

Wie ich mir das Schlüsselbein brach…

von Lio am

Da lag ich nun, in meinem faltbaren Krankenhausbett. Mit einem Vierfachbruch im Schlüsselbein. „Bloß ein Fahrradunfall“, könnte ich jetzt sagen. Aber das wäre nur die halbe Wahrheit. Denn  in der Unfallnacht versuchte ich besoffen, verschwitzt und dazu auch noch völlig übermüdet mit dem Fahrrad nach Hause zu radeln – ohne Helm und ohne noch wirklich vorausschauend fahren zu können. Das Ergebnis: Ein völlig zerbröseltes Schlüsselbein und höllische Schmerzen.

Und plötzlich ein lautes Scheppern

Wie es zu dem Unfall kam? Ich fuhr auf dem Gehweg auf der falschen Straßenseite und sah vor mir zwei parkende Fahrräder – ich sah sie, war aber nicht mehr nüchtern genug, um zu kapieren, dass ich durch diese Lücke nicht unbedingt fahren sollte. Mein Lenker blieb an einem der parkenden Fahrräder hängen, mein Rad stellte sich quer und warf mich ab wie ein Rodeo-Gaul. Viel mitbekommen habe ich nicht von dem Unfall. Es ertönte nur ein lautes Scheppern und schon lag ich auf dem Boden. Meine Schulter hing unnormal schief und ein kleiner Knubbel unter der Haut setzte sich ab. Zum Glück war ich nicht alleine.

Ein Helfer in der Not

Ein junger Mann, der ausgerechnet in einer alten Kneipe mit seinen Freunden saß, kam ein paar Sekunden nach dem Unfall zu mir. Roman heißt er, wie ich jetzt weiß. Schnell tastete er mich ab und ist sich sicher: Das Schlüsselbein ist kaputt. Völlig benommen vor Schmerz, wird ein Krankenwagen gerufen und ich lande in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Roman begleitet mich noch kurz und hinterlässt zum Abschied seine Handynummer.

Höllenqualen

Ich bin nicht wirklich schmerzempfindlich, glaubt mir. Aber leider wurden an diesem Wochenende aufgrund von Feiertagen nur lebensgefährliche Notfälle operiert – und so lag ich vier Tage im Krankenhausbett und wartete auf die rettende OP. Nur die vielen Schmerzmittel hielten mich über Wasser. Nach zwei Tagen konnte ich kaum noch deutlich sprechen, geschweige denn ohne Schnabeltasse trinken. Ich war ein Pflegefall und musste unter der Dusche gewaschen werden. Ich fragte mich andauernd: Was wäre, wenn? Was wäre, wenn ich einfach das letzte Bier weggelassen hätte? Wenn ich, anstatt das Rad zu nehmen, bei einer Freundin auf der Couch gepennt hätte. Wenn ich die Bahn genommen hätte. Was wäre nur, wenn…

Einen neuen Freund gewonnen?  

Inzwischen bin ich operiert und stolze Besitzerin einer Titanplatte mit 9 Schrauben. Sport machen darf ich immer noch nicht, und Rucksäcke tragen tut höllisch weh (was ich als Festivalgängerin ganz schön doof finde).
Das einzig Positive, das ich meinem Unfall abgewinnen kann, ist die Bekanntschaft mit Roman – der ist nämlich ziemlich nett. Ich möchte ihn demnächst auf einen Kaffee einladen, um Danke zu sagen.  Dafür, dass er mich von der Straße aufgelesen hat. Aber auf ein Bier mit ihm habe ich aktuell natürlich keine Lust. 😉

Passt auf euch auf!  

Eins möchte ich euch mitgeben: PASST AUFEINANDER AUF. Und selbst wenn ihr mal zu viel trinkt: fahrt mit der Bahn nach Hause. Im besten Fall legt ihr euch bei einem Freund auf die Couch und schlaft euch aus, anstatt ein Risiko einzugehen, dass ihr nicht mehr abschätzen könnt. Denn wenn ihr Pech habt, dann tut es eben wirklich weh und kann wirklich gefährlich werden.

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