Anna

Was nicht tötet, härtet ab

von Anna am

Was nicht tötet, härtet ab – dieses Motto hatte ich während meines ERASMUS-Aufenthalts in Finnland einige Male im Kopf, wenn ich bei minus 20 Grad in die Uni oder im Schneesturm zum Einkaufen gelaufen bin. Alles getoppt hat aber diese sonderliche Aktivität der Finnen: das Eislochschwimmen.

Durch die Kleinstadt, in der ich studiert habe, fließt ein Fluss, der ungefähr ein halbes Jahr lang komplett zugefroren ist. An einer Stelle nahe dem Ufer haben die Einheimischen ein Loch in das Eis gehackt, in dem sie regelmäßig baden können. Das sei gut für den Blutkreislauf und härte gegen Erkältungen ab, heißt es.

MINUS 10 GRAD AUSSENTEMPERATUR — DAS EISLOCH RUFT

Als ERASMUS-Student sagt man natürlich zu nichts nein und deswegen habe auch ich mich mit ein paar Freunden getraut. Schon als ich im Bikini aus der Umkleide trat, fing ich zu bibbern an. Es war Mitte März, überall um den schmalen Holzsteg, der zum Eisloch führte, lag noch Schnee. Außentemperatur -10 Grad, Wassertemperatur wollte ich gar nicht erst wissen.

Als wir dann vor dem Loch standen, sahen wir uns unsicher an. Sollten wir wirklich riskieren, zu erfrieren oder einen totalen Schock davon zu tragen? Ja, natürlich sollten wir das! Eilig kletterten wir nacheinander in den Fluss.

Die Kälte des Wassers raubte mir erstmal den Atem. Aber als wir erstmal drinnen waren, war es gar nicht mehr so schlimm. Ein paar Schritte herumgelaufen, einmal für das Erinnerungsfoto gepost – und dann nichts wie ab unters Handtuch und in die Sauna.

MUT ANTRINKEN? VON WEGEN!

Ob das Eislochschwimmen allgemein gut für die Gesundheit ist, sei mal dahingestellt. Wach gefühlt haben wir uns danach auf jeden Fall! Den restlichen Abend versuchten wir unsere erfrorenen Zehen zu wärmen und diskutierten stolz wie Wikinger unseren Erfolg.

Und falls das jetzt einige von euch denken: Einen Schluck Schnaps zum Mutantrinken haben wir nicht gebraucht. Erstens wäre das sogar eher gefährlich gewesen – bei dieser Art von Aktivität sollte man bei klarem Verstand sein. Zweitens: Wer selbst etwas schafft, was ihn erst mal ganz schön Überwindung kostet, fühlt sich garantiert auch so absolut top. Und wer kann schon erzählen, dass er in einem finnischen zugefrorenen Fluss geschwommen ist?

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