Peter

Chauffeur gesucht – wer macht den Partyfahrer?

von Peter am| 4 Kommentare

Chauffeur öffnet die Tür

Ich wohne auf dem Land. Da ist gefühlt alles weit weg. Die Freunde wohnen in einzelnen verstreuten Dörfern. Die Busanbindung mies zu nennen, ist noch nett ausgedrückt. Wenn mal ein Bus regelmäßig fährt, ist damit auch spätestens um sechs Uhr abends Schluss. Bei Partys mussten daher früher unsere Eltern die nächtlichen Touren fahren – mit der damit verbundenen zeitlichen Begrenzung für uns. Heute fahren wir selbst und damit geht vor jeder Party erst einmal das Spiel los: Wer macht den Fahrer?

Unbeliebt oder heiß begehrt?

Man mag zwar denken, dass sich alle direkt verwehren und nicht fahren wollen. Aber es gibt genug Leute, die geradezu darauf brennen, Fahrer zu sein! Weil man dann selbst entscheiden kann, wann es nach Hause geht. Weil sich die Fahrer in einer Gruppe zusammen tun und ihre nüchterne Verbundenheit genießen. Und weil es auch Spaß macht, Beobachter auf der Party zu sein. Wenn ich von einem Freund das Angebot bekomme zu fahren, nehme ich es dankend an. Aber auch mir ist manchmal einfach nach „Fahrer sein“ zumute.

Die „nur ein Bier“ – Fahrer

Leider lässt sich das Ganze oft genug nicht so leicht regeln. Schwierig wird es immer bei den „Ich trink nur ein Bier“- Fahrern. Fleißig sind sie am Rechnen, wie viel sie bis wann trinken dürfen. Rechnen ist natürlich das falsche Wort – mehr als grob und mit Halbwissen wird die Menge abgeschätzt. Den Sinn dahinter habe ich noch nie verstanden. Warum muss man denn unbedingt ein Bier trinken? Es sollte doch eigentlich ein Grundprinzip sein: Fahren heißt keinen Alkohol! Gar keinen. Gerade wenn man andere Leute mitnimmt, trägt man so viel Verantwortung, dass man sich zusammenreißen sollte. Trotzdem habe ich mich schon oft genug über Sprüche à la „hab ich schon öfters gemacht“ geärgert.

Zweimal habe ich Bambi überfahren…

Wie sich auch schon wenig Alkohol auf das Fahren auswirkt, haben wir vor einem Jahr an einem Fahr-Simulator der Polizei erfahren. Auch ich habe dabei zweimal ein virtuelles Reh, also „Bambi“ überfahren. Dabei soll ich ohne Alkoholsimulation noch eine sehr gute Reaktionszeit gehabt haben. Den Kontrollverlust mussten selbst die vermeintlich begabtesten Fahrer erkennen: Reihenweise virtuelle Fußgänger und Tiere, aber auch entgegenkommende Autos litten unter den „alkoholisierten“ Jugendlichen. So eine Simulation sollte jeder mal gemacht haben – die Überraschung ist groß.

Eine Party kann nie so wichtig sein

Im Endeffekt geht es doch darum, Spaß zu haben und trotzdem sicher nach Hause zu kommen. Man sollte nicht aus den Augen verlieren, warum man den Fahrerjob übernommen hat: Man ermöglicht so seinen Freunden, mit Alkohol zu feiern. Man tut das primär für sie, nicht für sich. Zumindest in meinem Freundeskreis revanchieren wir uns für den Fahrerjob ständig gegenseitig. Jeder trinkt mal und jeder macht mal den Fahrer. Mitfahren sollte man letztendlich nur bei Leuten, auf die man sich verlassen kann. So kamen wir bisher, und kommen wir hoffentlich auch künftig immer, sicher und ohne Probleme nach Hause. Auf Spaß musste dabei keiner verzichten.

Wie ist das bei euch? Seid ihr gerne Fahrer? Fahrt ihr dann gänzlich ohne Alkohol? Oder habt ihr schon einmal einen Schlüssel einkassieren müssen?

Bildquelle: © gettyimages

4 Kommentare zu: “Chauffeur gesucht – wer macht den Partyfahrer?”

  1. Elena

    Kommenden Samstag feiert eine Freundin ihren 18. Ich hab mich bereit erklärt, den Fahrer zu machen. Mit der Freundin ist abgeklärt, dass sie mir extra alkoholfreie Sachen bestellt hat.
    Fahren ohne Alkohol

  2. Tamara

    Vor einigen Jahren ist ein Bekannter von mir bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Er ist mitten in der Nacht alkoholisiert gefahren und war nicht allein im Auto. Diese Situation hat mich sehr geprägt und seitdem bestehe ich darauf, dass die Personen, die mit dem Auto zu Party kommen, entweder ohne ein Bier im Blut nach Hause fahren, bei mir auf dem Sofa, andere nicht alkoholisierte Menschen sie mitnehmen oder sie klassisch das Taxi rufen. Es gibt immer verschiedene Möglichkeiten diese fatale Option zu umgehen und verkatert am frühen Morgen aufzustehen und zu leben. Außerdem sind doch verkaterte Sonntage in der WG von Freunden mit kalter Pizza, Netlix und viel Kaffee super entspannte Tage nach denen man wieder gestärkt in die neue Woche starten und sich schon auf die nächste Party freuen kann.

  3. Jule

    In meinem Freundeskreis wechseln wir uns immer ab, wer die Fahrerin ist. Meistens gibt es auch eine von uns, die am nächsten Tag fit sein muss und daher dann sowieso kein Alkohol trinken will. Wenn man Fahrer ist kann man frisch in den neuen Tag starten, während die anderen verkatert im Bett liegen.
    Meine Eltern haben immer viel Wert darauf gelegt, dass ich zu niemandem ins Auto einsteigen soll, der Alkohol getrunken hat. Auch wenn es „nur“ ein Bier war. Sie wollten immer, dass ich dann lieber mit dem Taxi nach Hause fahre oder sie anrufe. Daran habe ich mich immer gehalten! Wenn ich heute selbst mit dem Auto fahre, trinke ich keinen Alkohol. Es ist einfach zu gefährlich. Trotzdem bin ich gerne Fahrer, weil ich am nächsten Morgen fit in den neuen Tag starten kann.

  4. Debby

    Ich komme auch vom Dorf und kenne das beschriebene „Fahrer-Problem“ nur zu gut. In meinem jugendlichen Leichtsinn bin ich früher öfters bei Freunden mitgefahren, die auf der Party auch nur ‚ein-zwei Bier‘ oder ‚zwei-drei Kurze‘ getrunken haben- Gott sei Dank ist nie etwas passiert!
    Jetzt würde ich das nicht mehr machen. Bevor ich bei einem angetrunkenen ins Auto steige oder selbst angetrunken fahre, hole ich mir lieber ein Taxi oder übernachte bei jemandem.

    Das Schlimme ist ja, dass betrunkene Leute sich meist gar nicht einschätzen können und selbst der Meinung sind „ich bin gar nicht so betrunken und kann noch gut fahren“. Dass damit nicht nur ihr eigenes Leben auf dem Spiel steht, sondern auch das ihrer Mitfahrer und –am allerschlimmsten- das völlig unschuldiger anderer Autofahrer oder Fußgänger ist ihnen in dieser Situation überhaupt nicht bewusst.

    Ich finde es ist allerdings auch die Verantwortung der Städte und Gemeinden zumindest an Wochenenden die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln so zu gestalten, dass Jugendliche und junge Erwachsene die Möglichkeit haben ohne Auto nach dem Feiern nach Hause kommen.

    Außerdem ist bei mit im Freundeskreis die Regel: wer fährt wird den Abend über auf nichtalkoholische Getränke eingeladen- so hat jeder einen Vorteil.

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