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JUNGS BLOCKEN, MÄDCHEN KICHERN – ODER?

von KDL-Blog am

Peers im Einsatz

Eine Frage, der wir gerade für euch nachgehen ist, ob Frauen anders mit dem Thema Alkohol umgehen als Männer. Von Katharina, einer unserer Peers, wollten wir wissen: Reagieren Mädchen anders auf euch Peers als Jungs?

KDL-Redaktion: Katharina, du bist ja schon eine ganze Weile für „Alkohol? Kenn dein Limit.“ als Peer unterwegs. Kannst du sagen, ob es leichter ist, Mädchen oder Jungs zum Thema Alkohol anzusprechen?

Katharina Geeck, Peer für Alkohol? Kenn dein Limit.Katharina: Ich bin seit 2013 dabei. In der Zeit bin ich ganz schön rumgekommen und hab eine Menge gesehen. Jeder Einsatz, jeder Ort und jeder Tag ist anders. Und man kann echt nicht sagen, dass es grundsätzlich einfacher ist, Mädchen oder Jungs anzusprechen. Klar, hat man so seine Stereotypen im Kopf. Aber wie die Leute wirklich reagieren, hängt von ganz anderen Dingen ab.

KDL-Redaktion: Mit Stereotypen meinst du sowas wie „Mädchen sind zugänglich, Jungs blocken“?

Katharina: Ja, genau. Man geht zum Beispiel einfach davon aus, dass eine Gruppe von Mädchen zwischen 16 und 18 nett und aufgeschlossen ist – und meistens ist es ja auch so. Manchmal reagieren sie aber auch abweisend oder zickig. Umgekehrt gehen wir oft in Gruppen von Jungs rein, bei denen ich erst denke, oh, wie wird das werden. Und die sind dann total ok und offen. Neulich zum Beispiel haben wir Jungs angesprochen, eine aufgekratzt wirkende Gruppe, die ziemlich laut in der Fußgängerzone unterwegs war. Stellt sich raus: Die haben einfach nur Spaß, albern halt rum. Alkohol trinken sie gar nicht – aus religiösen Gründen. „Damit würde ich doch meine Mutter traurig machen“, hat einer gesagt. Bei sowas möchte man doch dahinschmelzen. Und hat mir malwieder gezeigt, dass wir mit Stereotypen nicht weiterkommen.

KDL-Redaktion: Wovon hängt die Reaktion der Jugendlichen denn dann ab?

Katharina: Die Situation macht’s. Wer alleine unterwegs ist, fühlt sich eher von uns überrumpelt, egal ob Junge oder Mädchen. Gruppen, in denen die Stimmung gut ist, sind viel offener für unser Thema. Besonders gut können wir mit gemischten Gruppen sprechen, die entspannt irgendwo sitzen, im Park zum Beispiel. Oft entwickelt sich da unter den Leuten schon so eine Dynamik, dass es ein sehr offenes Gespräch wird. Dabei geht’s wirklich hauptsächlich um die Leute an sich, nicht ums Geschlecht.

KDL-Redaktion: Wie stellst du die Bilder ab, die du im Kopf hast, bevor du jemanden ansprichst?

Katharina: Ich scanne nach Alter und Situation: Wie sind die drauf, wie reden die miteinander, haben die sich gerade gestritten oder ist die Stimmung gut? Das ist viel entscheidender für das Gespräch. Mit Erwartungen zu Jungen und Mädchen im Kopf kann man sich das Gespräch von vorn herein kaputtmachen. Sicher findet man auch oft Bilder bestätigt – genauso oft aber auch nicht. Was ich ok finde und was auch gut funktioniert ist, mit den Stereotypen zu spielen: „Du als taffer Typ denkst bestimmt, trinkfest sein kommt super an, oder?“

Peers im Einsatz

KDL.Redaktion: Mutig! Werdet ihr auch mal richtig zurückgewiesen?

Katharina: Klar, das passiert. Und auch wieder egal, welches Geschlecht. Die Reaktionen an sich sind nur unterschiedlich: Mädchen bleiben eher stehen und schweigen oder ignorieren uns. Jungen sind lauter, sagen, nein, ich will nicht mit euch reden.

KDL-Redaktion: Und wenn sie mit euch reden, was hört ihr dann? Unterscheidet sich das je nach Geschlecht?

Katharina: Von Mädchen wie Jungs kommen im Laufe des Gesprächs oft Geschichten aus der Familie. Da muss man sich aber vorsichtig ran tasten. Mädchen sind dabei eher betroffen oder sauer, bei Jungs fallen viele Kraftausdrücke, wenn sie zum Beispiel beschreiben, dass in der Familie getrunken wird. „Alkohol ist böse“ kommt schneller als „es gibt da ein Problem“. Super finde ich, wenn ich mitkriege, dass die Jugendlichen gegenseitig auf sich achten. Bei Mädchen ist das noch etwas ausgeprägter, die passen auf, dass die andere nicht zu viel erwischt, dass nichts ins Getränk gekippt wird. Aber auch viele Jungs haben ein Auge auf ihre Kumpels, teilen sich dann mal ein Taxi, wenn keiner mehr fahren kann.

KDL-Redaktion: Kannst du nach dem, was du mitkriegst, sagen, ob Frauen anders trinken als Männer?

Katharina: Ich glaube, Mädchen ist Sicherheit wichtiger. Viele sagen, sobald ihnen komisch wird, ziehen sie die Notbremse, trinken Wasser. Da spielt Selbstschutz eine größere Rolle. Bei Jungs ist das Trinken oft ein Männlichkeitssymbol. Es gibt hier auch einen größeren Gruppenzwang. Gerade bei den Jüngeren ist es immer noch so, dass Jungs, die viel trinken, Helden sind und bei Mädchen wird das eher negativ gesehen. Andererseits habe ich auch schon viele Jungs erlebt, die sagen, Trinken ist einfach nicht mein Ding. Da sind wir wieder bei Stereotypen – man kann eben nicht nur von einigen auf alle schließen.

Reaktion auf die Peers

 

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