Anna

Die Zwickmühle einer Barkeeperin

von Anna am

Lasst das Bier in Strömen fließen? Der junge Mann liegt halb auf meiner Theke, seine Hand hat er zwar noch wacker um sein Glas geschlossen, aber seine Augen sind bereits halb zu. Ich bin mir nicht sicher, ob er schläft oder gerade nur ein wenig abwesend ist, aber feststeht, dass er schon vor einigen Bieren hätte aufhören sollen zu trinken.

Meine moralische Zwickmühle an der Sache: Ich habe ihm wahrscheinlich einen nicht unerheblichen Anteil der Biere gezapft. Ich bin Barkeeperin in einem Studentenclub, arbeite bei Studentenpartys an der Bar und bin ganz offensichtlich für den ein oder anderen Kater verantwortlich.

Das Gesetz sagt: Passt auf eure Gäste auf!

Ist das meine Schuld, dass der junge Mann so K.O. ist? Ich habe ihn gesehen, als er angekommen ist, habe ihm sicher die ersten zwei, drei Bier gereicht, zwischenzeitlich war er aber wieder verschwunden und hat vielleicht bei meinem Kollegen weiterbestellt. Letztendlich hätte ich aber auch nein sagen können, als er seine letzten Shots bestellt hat. Beziehungsweise, mir die Bestellung mit glasigem Blick ins Ohr gelallt hat. Aber ist das mein Job? Auf die Gäste aufzupassen und, so uncool wie es klingt, ein bisschen Mutti zu spielen?

Als ich recherchiere, muss ich tatsächlich mit Entsetzen feststellen, dass es gesetzlich verboten ist, in Gaststätten alkoholische Getränke an erkennbar Betrunkene zu verabreichen. Das besagt das offizielle Gaststättengesetz. Ich mache mich also tatsächlich strafbar. [1]

Die letzte Bestellung einfach mal lassen

Dass ich Typen, wie dem, der auf meiner Bar liegt, keine Drinks mehr gebe, ist mehr als klar. Meine Kollegen und ich halten es auch so, dass wir manche Gäste in solchen Situationen dann bitten, doch lieber nach Hause zu gehen. Aber manchmal ist das gar nicht so einfach. Viele Leute sehen noch bemerkenswert fit aus, dafür, dass sie schon ihr neuntes Bier intus haben. Und wie schon erwähnt –   im Blick zu behalten, wer, wie viel und was bei welchem Barkeeper bestellt hat, ist beinahe unmöglich.

Trotzdem sollte man sich als Barkeeper bemühen, seine Gäste im Auge zu behalten. Mit gut gefülltem Getränkeschrank kommt eben auch eine große Verantwortung! Wer in irgendeiner Ecke schläft, nur noch Unverständliches von sich gibt oder bei der Bestellung die halbe Theke ramponiert, bekommt sicher nichts mehr. Auch, wer an meiner Bar einschläft, wird geweckt und nach Hause geschickt. Ich bin mir meiner Verantwortung hinter der Bar durchaus bewusst und spiele dann eben ein bisschen „Mutti“. Gleichzeitig aber auch die Bitte an die Gäste: Macht es eurem Barkeeper nicht unnötig schwer und lasst die letzte Bestellung – bevor euch die Augen zufallen und der Kopf auf die Bar sinkt.

Was meint ihr? Ist es euch zu viel Bevormundung, wenn der Barkeeper euch nichts mehr ausschenkt oder seid ihr eigentlich ganz dankbar dafür? Sollte man an der Bar sogar noch verantwortungsvoller mit seinen Gästen umgehen?

[1] http://www.gesetze-im-internet.de/gastg/__20.html (Stand: 9.12.2016/ 11:48)

Bildquelle: © / iStock

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