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Und was trinkst du so?

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An anderen orientieren

„So viel Alkohol hatte ich doch noch gar nicht. Die anderen sind viel betrunkener als ich.“ Sicher? Nicht immer schätzen wir richtig ein, wie hoch unser Pegel eigentlich schon ist. Stattdessen lassen wir uns von den Menschen um uns herum beeinflussen. Das fanden Forscher der walisischen Cardiff University heraus. Sind wir von anderen Betrunkenen gleichen Geschlechts umgeben, unterschätzen wir schnell, wie viel wir trinken und wie betrunken wir sind. Das ist in Gesellschaft von nüchternen Menschen anders. Hier schätzen wir auch die Risiken, die mit übermäßigem Alkoholkonsum verbunden sind, höher ein.

BEFRAGTE SCHÄTZEN SICH SELBST FALSCH EIN

Die Wissenschaftler stellten sich Freitag- und Samstagnacht zwischen 20 Uhr und drei Uhr früh in die Nähe von Kneipen, also an Orte, an denen viel Alkohol getrunken wird. Dort befragten sie fast 1.900 Männer und Frauen, die im Schnitt 27 Jahre alt waren. Die Forscher fragten zum Beispiel: „Wie betrunken bist du gerade?“ und „Wenn du jede Woche so viel trinken würdest, wie heute Abend, denkst du, dass würde deiner Gesundheit schaden?“ Parallel dazu ließ das Team die Befragten einen Atem-Alkoholtest machen und verglich die Messwerte mit den Antworten auf ihre Fragen.

Dabei zeigt sich, dass egal wie viel jemand getrunken hat, er sich weniger gefährdet fühlt, wenn er Menschen sieht, die noch mehr getrunken haben. Viele der Testpersonen hielten sich selbst für „mäßig betrunken“, auch wenn die Messwerte etwas ganz anderes zeigten.*

Orientieren in der Gruppe

WIE WIR DAS WISSEN NUTZEN KÖNNEN

Wie kann man jetzt aber die Ergebnisse der Studie nutzen, um zu bewirken, dass die Menschen insgesamt weniger trinken? Eine Idee der walisischen Forscher: Warum nicht mehr nüchterne Menschen da hinbringen, wo viel getrunken wird? Dann würden sich die Gäste in Kneipen und Clubs an ihnen orientieren und weniger Alkohol trinken. So richtig realistisch klingt die Idee erstmal nicht. Aber was ist, wenn wir nicht darauf warten, dass jemand eine Gruppe nüchterner Partygäste vorbeischickt, sondern uns selbst ganz bewusst überlegen, an wem wir uns orientieren?

Vielleicht kennt ihr ja jemanden, der langsamer trinkt als ihr. Jemand, der immer noch was im Glas hat, wenn ihr schon wieder auf dem Weg an die Bar seid. Startet euer eigenes Experiment und versucht, einen Abend lang genauso langsam zu trinken. Der Effekt: Ihr werdet nicht nur langsamer trinken, sondern automatisch auch weniger – und ihr merkt schneller, wann euer Körper genug hat.

Quellen:

*http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/alkohol-orientierung-an-den-zechkumpanen-1.3168740

 

Bildquelle: © AdrianHillmann / iStock; PeopleImages / iStock

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