Annika

„JA, ICH WAR HALT BETRUNKEN!“

von Annika am

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Viele von uns kennen diesen Satz. Entweder hat man ihn von irgendwem gehört oder selbst mal gesagt. Egal, ob peinlicher Flirt am letzten Abend, die noch schlimmeren Bilder davon oder der raue Ton, den man betrunken manchmal anschlägt – es geht immer darum, sein Verhalten mit zu viel Alkohol zu rechtfertigen. Vor allem kenne ich das aus drei Situationen.

Was ist ein Hauptgrund feiern zu gehen? Richtig: Neue Leute kennenzulernen. Und wer weiß, vielleicht auch, den oder die Richtige(n) zu finden. Im schummrigen Licht der Tanzfläche flirtet es sich schließlich besonders einfach.

Manchmal entpuppt sich der Partyflirt am nächsten Morgen allerdings als doch nicht ganz so toll. Peinlich wird es dann, wenn die Freunde auf der Party das in zahlreichen Bildern festgehalten haben, oder man selbst sein Date ekstatisch vor die Linse des Partyfotografen gezerrt hat. Was also sagen, wenn man mit seinem Ausrutscher konfrontiert wird? „Das war nur der Alkohol.“

Stimmt ja manchmal auch irgendwie. Wer etwas tiefer ins Glas geguckt hat, wird schließlich schnell leichtsinniger und „abenteuerlustiger“. Aber alles auf den Alkohol zu schieben, weil man sich rückblickend schämt, ist zwar bequem, weil es oft am ehesten auf Verständnis bei anderen stößt – aber verantwortlich sind wir immer noch selbst.

Auch ein weit verbreitetes Phänomen. „Einen Moralischen kriegen“ sieht zum Beispiel so aus: unglaublich „tiefschürfende“ Gespräche mit dem Barkeeper nach zu viel Alkohol oder weinend der Freundin im Arm liegen und ihr alle möglichen Geheimnisse und Selbstzweifel anvertrauen.

Klar, manche Dinge muss man einfach mal rauslassen. Aber ist es nicht besser, wenn man nicht am nächsten Tag mit einem Mordsschädel aufwacht und gar nicht mehr richtig weiß, was man eigentlich gesagt hat? Der besten Freundin kann man schließlich auch so alles erzählen – ohne sich im Nachhinein mit zu viel Alkohol rausreden zu müssen.

Auf einer Party vor einiger Zeit hat sich ein Bekannter mir gegenüber ziemlich unhöflich verhalten und immer wieder blöde Kommentare gemacht. Als ich mit ihm darüber reden wollte, meinten meine Freunde nur: „Lass mal, der ist doch nur betrunken!“.

Als er jedoch immer noch nicht aufhörte, hab ich ihn schließlich zur Rede gestellt – mit wenig Erfolg. Ich habe mich danach gefragt, ob mein Handeln richtig war oder ob ich es nicht einfach auf sich hätte beruhen lassen sollen, eben weil er betrunken war? Doch dann dachte ich mir: Nein! Es hat ihn ja keiner gezwungen, so viel zu trinken.

Für mich ist Alkoholkonsum keine Rechtfertigung für irgendwelche „Ausrutscher“ oder Situationen, die einem im Nachhinein peinlich sind oder bei denen man sogar etwas Schlimmes angerichtet hat. Gerade was Aggressionen angeht. Denn ob und wie viel wir trinken, das haben wir immer noch selbst in der Hand.

Ihr habt eine andere Meinung? Andere Erfahrungen? Immer raus damit im Kommentarbereich!

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