Anicat

MUSIKER UND DER ALKOHOL – A NEVER ENDING LOVE STORY?

von Anicat am

Rockmusiker

Es ist wohl eines der ältesten und zugleich hartnäckigsten Klischees unserer Zeit: Musiker trinken Alkohol. Beim Rock zum Beispiel haben viele automatisch das Bild eines bärtigen Mannes im Kopf – Gitarre in der einen Hand, Bier in der anderen, und nach dem Auftritt wird weiter getrunken. Aber wo liegt die Grenze zwischen Klischee und Realität?

IMAGE IST IM MUSIKBUSINESS ALLES

Viele Musiker spielen tatsächlich nur mit dem Image des Alkohol trinkenden Egozentrikers, weil sie annehmen, dass das die Fans sehen wollen. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie es auch leben. Image ist im Musikbusiness alles – Gesundheit aber auch.

Für die Öffentlichkeit zählt trotzdem das vermeintlich coole Image mehr. Dass der Sänger zwar ein Bier auf der Bühne trinkt, sich nach dem Auftritt aber erst einmal einen Kamillentee macht, um die Stimme zu schonen, und stocknüchtern ins Bett geht, um für das nächste Konzert fit zu sein, sieht niemand.

BETRUNKEN AUF DIE BÜHNE?

Dabei ist ja eigentlich klar: Wer sein Leben lang mit dem, was er liebt erfolgreich sein will, muss einen risikoarmen  Alkoholkonsum leben. Und jeder Musiker, der seinen Beruf ernst nimmt, weiß das auch. Jeden Tag betrinken und dabei Höchstleistungen auf der Bühne liefern? Das macht der Körper maximal eine kurze Zeit lang mit, bevor er kapituliert. Ich habe mal einen guten Freund von mir, der hauptberuflich Schlagzeuger ist, gefragt, ob er Erfahrungen damit hat.

„ICH WEISS BIS HEUTE NICHT, WAS ICH DA GESPIELT HABE.“

„Uff, das war ganz schön eklig. Der Auftritt war im Zuge eines Festivals – es war also wahnsinnig heiß, weshalb der Alkohol sowieso schon keine gute Idee war. Der Spaß fing dann damit an, dass ich die Bühne nicht mehr gefunden habe. Der Auftritt musste also um ein paar Minuten nach hinten verlegt werden. Als es endlich losging, hatte ich schier jedes Taktgefühl verloren, ich weiß bis heute nicht, was ich da gespielt habe.

In dem Moment habe ich das alles gar nicht so genau realisiert, aber im Nachhinein schäme ich mich schon ein wenig. Die Fans, die stellen sich bei der Hitze extra in die Sonne, nur um eine bestimmte Band zu sehen. Und dann verspielt sich die besagte Band so sehr, dass nach wenigen Songs die Hälfte der Zuschauer enttäuscht gegangen ist. Als Musiker hat man nämlich auch eine gewisse Verpflichtung gegenüber den Fans. Und die lautet: Mach, dass alle einen schönen Abend haben und glücklich nach Hause gehen. Das war in diesem Fall nicht so. Was nämlich viele vergessen ist, dass der Musiker an erster Stelle Dienstleister ist.“

OHNE ALKOHOL NICHT COOL ZU SEIN, DAS IST JA SOWAS VON 1990

Trotz allem hält sich leider bei vielen der Glaube, dass viel Alkohol zu einem supercoolen Image dazugehört. Nicht nur im Musikbusiness, sondern oft auch im „echten Leben“. Zeit, dass sich daran etwas ändert! Schließlich finden ja auch die wenigsten eine Band wegen ihres Alkoholkonsums gut – sondern wegen der Musik und weil man das Gefühl bekommt, dass die Musiker einen wirklich verstehen. Und wenn man ehrlich ist, bewundern wir ja eigentlich in jedem Lebensbereich Leute, weil sie witzig, kreativ oder erfolgreich sind – und nicht, weil ständig viel trinken.

Bildquelle: © iStock / ipopba


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