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IMMER MIT DEM STROM? WIE WIR UNS BEIM ALKOHOL AN ANDEREN ORIENTIEREN

von KDL-Blog am

Fische im Ozean / Fotolia / andamanse

Welche Jacke soll ich mir kaufen? Welche Musik ist gerade angesagt? Was posten die anderen auf Instagram? Bestimmt schaust du dir auch manchmal etwas von Freunden, Mitschülern oder Kommilitonen ab – von deiner so genannten „Peer Group“.

So bezeichnet man in der Wissenschaft die etwa Gleichaltrigen aus dem direkten sozialen Umfeld. Was diese Gruppe gut findet und wie sie sich verhält, ist für die meisten Jugendlichen wichtig. Auch beim Alkohol orientieren sich viele daran, was und wie viel andere trinken. Eine Untersuchung der schottischen Stirling University* konnte zeigen: Der Einfluss anderer auf den eigenen Alkoholkonsum lässt sich sogar gezielt beeinflussen.

DAS EXPERIMENT: WIE VIEL ALKOHOL FINDET MAN „NORMAL“?

Die Wissenschaftler der Universität ließen 83 Studierende Fragen rund um das Thema Alkohol beantworten. Sie fragten auch danach, wie viel die Studierenden ihrer Meinung nach in der nächsten Zeit trinken würden.

In den Fragebogen bauten die Forscher Informationen darüber ein, wie viel Alkohol andere Studierende „normalerweise“ trinken. Dabei gaben sie bei einem Teil der befragten Gruppe allerdings deutlich niedrigere Mengen an als bei den anderen – ohne dass die Studenten wussten, dass es unterschiedliche Fragebögen gab.

WIE VIEL WIR TRINKEN, GEBEN (AUCH) ANDERE VOR

Das Ergebnis: Viele der Befragten orientierten sich bei der Frage nach ihrem „geplanten“ eigenen Alkoholkonsum an den angegebenen Mengen der anderen Studierenden. Das heißt: Wer die Information bekam, dass die anderen große Mengen an Alkohol trinken, setzte den eigenen Alkoholkonsum ebenfalls hoch an. Wer dachte, dass die anderen verhältnismäßig wenig trinken, gab die eigene Trinkmenge entsprechend geringer an.

Eine Ausnahme waren die Teilnehmer, die sich besonders stark mit der Gruppe identifizierten und positiv zum Alkohol eingestellt waren. Auch wenn sie dachten, dass ihre Kommilitonen eher wenig trinken, gingen sie bei ihrem eigenen Alkoholkonsum nicht ebenfalls runter.

OFFEN ÜBER ALKOHOL UND SEINE RISIKEN SPRECHEN

Das Experiment der Wissenschaftler zeigt: Wie viel Alkohol jemand trinkt, kann auch davon abhängen, was er glaubt, wie viel die anderen trinken – auch wenn die Menge, die tatsächlich getrunken wird, ganz anders aussieht. Das kann dazu führen, dass man mehr trinkt als man eigentlich möchte, weil man sich an anderen orientiert und die Menge für „normal“ hält.

Damit man realistisch einschätzen kann, wie viel andere trinken, ist es besonders wichtig, offen mit anderen über den Umgang mit Alkohol zu sprechen – gerade im Freundeskreis. Das macht übrigens schon eine ganze Menge von euch. In einer Studie der BZgA gaben 35,6 Prozent der 12- bis 25-Jährigen an, dass Gesundheitsgefahren durch Alkohol und verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol ein Thema zwischen ihnen und ihren Freunden ist.**

Übrigens: Der Einfluss anderer Menschen auf unseren Alkoholkonsum ist uns in der Situation selber meist gar nicht bewusst. Und: Die Untersuchung wurde zwar mit Studierenden, also in der Regel Jüngeren, durchgeführt. Aber auch ältere Erwachsene lassen sich beim Alkohol von anderen beeinflussen. „Belege“ findet ihr zum Beispiel auf vielen Schützenfesten oder privaten Feiern.

VON WEM HAST DU DEN UMGANG MIT ALKOHOL GELERNT? So habt ihr bei unserer Frage des Monats geantwortet!

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Bildquelle: © andamanse / Fotolia

Quellen:
* Befragung der University of Stirling
** Der Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2014

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