Max

IST ALKOHOL ZU BILLIG?

von Max am

Bierglas mit Preisschild

Die Sonne steht schon etwas tiefer an diesem milden Freitag-Abend, als drei Freunde und ich einen großen Supermarkt betreten. Ohne die anderen Lebensmittel zu beachten, suchen wir den schnellsten Weg zur schier unendlich wirkenden Spirituosen-Abteilung.

Das riesige Angebot erfordert eine minutenlange Beratung. Fünffach oder nur zweifach destilliert? Glasklar oder absolut? „Lasst uns heute mal edel betrinken“, schlägt ein erwerbstätiger Freund zu meiner Rechten vor. Dem entgegnet der Student: „Ach, das macht doch keinen Unterschied. Ob ich jetzt 5 oder 10 Euro bleche…“ Ich greife nach der Flasche im untersten Regalfach. „Dauer-reduziert! 4,99 Euro!“. Schließlich zahlen wir für eine Flasche Wodka und zwei Flaschen Limo von der Hausmarke knappe sechs Euro. Ich werde nachdenklich.

IST ALKOHOL NICHT VIEL ZU GÜNSTIG?

„Ist Alkohol nicht viel zu günstig, wenn eine Flasche nur 4,99 Euro kostet?“ frage ich meine Freunde auf dem Weg zum Auto. „Immerhin läge ich heute Nacht im Krankenhaus, wenn ich die Flasche alleine trinken würde.“

Als wäre die Frage selbsterklärend, bekomme ich direkt eine Antwort vom Studenten: „Glaubst du ehrlich, dass höhere Preise etwas an einem Saufgelage ändern würden? Den meisten ist es doch schnurzpiepegal, wie viel sie ausgeben: Hauptsache Party!“

„Rauche ich weniger Zigaretten“, holt der andere aus, „weil die Glimmstängel jetzt mehr kosten? Nein. Gehe ich weniger ins Stadion, weil die Ticketpreise schon wieder erhöht wurden? Nein. Siehste.“

WAR FRÜHER ALLES BILLIGER?

Der Student ergreift erneut das Wort, halb ernst, halb überzogen im Vater-erzählt-von-früher-Ton: „Damals, vor der Wende, als deine Eltern noch jung waren. Die haben 25 Pfennich für ein Bier in ihrer Kneipe gezahlt. 25 Pfennich! Ich sag‘ dir, damals war Alkohol noch zu günstig.“

„Was früher war, zählt nicht. Oder beschwerst du dich bei der Kassiererin, dass die Alkohol-Preise in den letzten vier Jahrzehnten drastisch angestiegen sind?“, antworte ich trocken. Keine Antwort.

Später finde ich heraus: In diesem Fall trügt der Schein. Im Vergleich zu anderen Lebenshaltungskosten ist Alkohol in Deutschland in den letzten 40 Jahren nämlich sogar billiger geworden – und zwar um rund 30 Prozent.*

ALTERSGRENZE FÜR ALKOHOL ERHÖHEN – STATT DER PREISE?

Während er den Rückwärtsgang einstellt, erklärt der Student und Fahrer: „Ich finde, sinniger wäre es, die Altersgrenze für Alkohol statt der Preise zu erhöhen. Immerhin ist Deutschland eins der wenigen Länder in Europa, in denen man schon mit 16 Jahren in den Supermarkt gehen und theoretisch die ganze Wein- und Bierabteilung aufkaufen kann.“ Dem habe ich nichts zu entgegenzubringen. „Er hat wohl Recht“, denke ich mir, „Alkohol sollte keine Frage des Geldes, sondern des Alters sein.“

STUDIEN ZEIGEN: HÖHERE PREISE, WENIGER ALKOHOL!

So wie wir überlegen sich das vielleicht einige von euch. Tatsächlich zeigt eine Studie der Universität Hamburg** aber, dass über eineinhalb Liter reinen Alkohols weniger pro Kopf getrunken werden würden, wenn der Alkohol genauso viel kosten würde wie in anderen europäischen Ländern.

Dazu müsste man die Preise allerdings überall und für alle alkoholischen Getränke gleichzeitig stark anheben. Sonst tritt nämlich die sogenannte Preiselastizität ein. Das heißt: Wenn die Kosten nur schrittweise leicht steigen, hat man genug Zeit, sich an die höheren Kosten zu gewöhnen. Gerade beim Lieblingsgetränk nimmt man dann auch schon mal einen höheren Preis in Kauf. Und wenn nur bestimmte Getränke teurer werden, trinkt man einfach etwas anderes, günstigeres.

Was meint ihr? Sollte Alkohol generell teurer sein? Und gäbe es noch andere Maßnahmen, durch die weniger getrunken wird?


Bildquelle: © RATOCA / Fotolia

Quellen:
*http://www.wiwo.de/unternehmen/handel/suchtforscher-gerhard-buehringer-was-bringen-hoehere-steuern-fuer-alkohol/13464956-3.html
** https://www.wiso.uni-hamburg.de/fileadmin/bwl/rechtderwirtschaft/institut/Materialien/OEAR/Alkoholsteuer_und_Praevention_-_Zeitschrift_Sucht_-_ENGLISCH.pdf

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