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DER ERSTE SCHLUCK. TRINKEN WILL „GELERNT“ SEIN

von KDL-Blog am

Lupe über Weinflasche und Glas

14,8 Jahre, also ungefähr 14 Jahre und neuneinhalb Monate alt sind Jugendliche im Durchschnitt, wenn sie ihr erstes Glas  Alkohol trinken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung* von 2014, in der 12- bis 25-Jährige befragt wurden. Seit 2004 hat sich dieses Durchschnittsalter sogar um ein gutes Dreivierteljahr nach hinten verschoben: Damals lag es noch bei 14,1 Jahren. Aber wie fängt das eigentlich an mit dem Alkohol? Eltern und der Freundeskreis spielen dabei eine wichtige Rolle.

NUR MAL NIPPEN. (WIE) HAST DU ANGEFANGEN?

Strichmännchen auf einer Party

So oder so ähnlich könnte es gewesen sein: 50ster Geburtstag von Onkel Dieter, ein Grillfest im Garten, deine Familie feiert. Alle reden durcheinander und stoßen mit Sekt auf das Wohl des Geburtstagskindes an. Dein Onkel lacht und fragt, ob du auch mal einen Schluck probieren möchtest. Alkohol? Warum nicht, schließlich warst du schon 13 und ziemlich neugierig. Immer, wenn Erwachsene feiern, wird um dich herum Alkohol getrunken. Weil es die Stimmung lockert. Oder weil die Partygäste für ein paar Stunden ihre Alltagssorgen vergessen möchten.

Das haben viele Kinder von klein auf erlebt. Darum ist es verständlich, wenn Jugendliche selbst testen möchten, wie Alkohol wirkt. In der Pubertät sind sie oft verunsichert und wollen doch gerne selbstsicher und erwachsen wirken. Der erste Schluck Bier oder Sekt ist da nicht selten eine Enttäuschung. Womöglich hast du für einen Moment angeekelt das Gesicht verzogen? Ganz schön bitter, das Zeug. Und trotzdem kann es sein, dass du heute an einem lauen Sommerabend am liebsten ein kühles Pils zischst. Denn Alkoholtrinken ist eine Sache, die wir von anderen Menschen lernen. Auch aus Filmen und Serien, Werbespots, Zeitschriften und Büchern schauen sich viele etwas ab.

WER WAR DEIN VORBILD IN SACHEN ALKOHOL?

Gezeichnetes Weinglas und Flasche in einem Scheinwerferkegel

Am Anfang mischen eine Reihe von Jugendlichen Alkohol mit süßen Limonaden oder Fruchtsäften, um den ungewohnten Geschmack zu überdecken. Früher oder später trinken sie Bier, Sekt oder Wein auch pur. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Menschen im Alter von 16 oder 17 Jahren Verhaltensmuster im Umgang mit Alkohol entwickeln, die sie auch als Erwachsene beibehalten**. Dabei orientieren sie sich zum einen an ihren Eltern, zum anderen an Freunden, Verwandten oder Mitschülern.

Wird zu Hause, im Freundeskreis oder nach dem Training im Sportverein viel Alkohol getrunken, empfinden viele das irgendwann als „normal“. „Man“ möchte dazugehören, neue Erfahrungen machen und Spaß haben – genau wie die Erwachsenen. „Nein“ sagen und Alkohol in Maßen trinken fällt da manch einem schwer. Viele wollen in den Augen der anderen nicht als „uncool“ dastehen.

OFFEN ÜBER ALKOHOL-RISIKEN SPRECHEN

Wie Sprechblasen gezeichnete Biergläser

Denn auch im Limit bleiben will gelernt sein. Wenn es mal zu viel Alkohol wird, kann das bei jungen Menschen besonders riskant sein. Wissenschaftliche Studien*** beweisen: Je früher Kinder und Jugendliche Alkohol trinken, desto größer ist die Gefahr, dass sie im Laufe ihres Lebens abhängig werden. Gleichzeitig gibt es eine gute Nachricht: In den letzten Jahren ging bei männlichen Jugendlichen der regelmäßige Alkoholkonsum, der Konsum riskanter Mengen und auch das Rauschtrinken deutlich zurück, auch bei den weiblichen Jugendlichen war dieser Trend zu erkennen.****

Damit das so bleibt, ist es besonders wichtig, schon früh über Alkohol und den verantwortungsvollen Umgang mit ihm zu sprechen. 2014 tauschte sich fast die Hälfte aller befragten Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren mit anderen über dieses Thema aus – vor allem mit guten Freundinnen und Freunden, aber auch mit den Eltern.****

Eltern sollten umkehrt mit ihren Kindern offen über die Gefahren sprechen und die Alkoholmenge klar begrenzen. Das heißt natürlich auch, dass deine Eltern bei Partys selbst im Limit bleiben müssen. Laut einer Forsa-Umfrage sprechen allerdings knapp ein Drittel aller deutschen Eltern das Thema verantwortungsbewusster Umgang mit Bier, Schnaps oder Wein erst gar nicht an.

Wenn es um Alkohol geht, wenden sich aber viele Jugendliche auch lieber zuerst an den großen Bruder oder die große Schwester. Wenn du ältere Geschwister hast, frag sie doch einfach mal, was ihre ersten Erfahrungen mit Alkohol waren. Du bist selbst der oder die Älteste? Super, dann kannst du nämlich ein tolles Vorbild für deine jüngeren Geschwister sein. Zeig ihnen, wie du verantwortungsvoll mit Alkohol umgehst – und hör ihnen zu, wenn sie unsicher sind oder Fragen haben.

Umfrage

 


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Quellen:

*Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2015
** http://www.aktionswoche-alkohol.de/hintergrund-alkohol/lebensalter/jugendliche.html
*** Empfehlungen für Eltern im Umgang mit dem Alkoholkonsum ihrer Kinder: wissenschaftlicher Kenntnisstand.
****Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2015.

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