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ARBEIT IM THERAPIEZENTRUM FÜR ALKOHOLABHÄNGIGE

von Danny am

Gezeichnetes Männchen bklickt auf zwei Wegweiser mit den Aufschriften Therapie und Sucht

In meinem Freiwilligen Sozialen Jahr habe ich 12 Monate lang in einer Einrichtung für jahrelang alkoholkranke Menschen gearbeitet. Daraus habe ich für mich persönlich eine Menge mitgenommen.

Grundsätzlich ist natürlich klar: All diese Menschen sind so normal wie du und ich. Der Unterschied ist, dass sie verschiedene Krankheitsdiagnosen haben, die eine Folge von jahrzehntelangem Alkoholmissbrauch oder langer Alkoholsucht sind. Dadurch können sich neben bleibenden körperlichen Schäden auch schwere psychische Krankheitsbilder entwickeln. Dazu gehören Schizophrenie, Persönlichkeitsstörungen oder Kurz- und Langzeitgedächtnisstörungen.

Ich habe in diesem einen Jahr einige Abgründe des menschlichen Verhaltens und der menschlichen Psyche kennengelernt. Einige meiner damaligen Patienten lebten in völlig verschmutzten Häusern, neben vollurinierten und vollgekoteten Töpfen, Eimern und Pfannen. Der Anblick, der sich mir in einigen Zimmern bot, schockierte mich wirklich. So etwas hatte ich bis dahin noch nicht gesehen.

Allerdings kommt diese Vernachlässigung jeglicher Hygiene (auch der eigenen Körperhygiene) bei vielen Alkoholkranken vor. In dem Leben eines Alkoholkranken ist die Suchtbefriedigung, also das Trinken, beziehungsweise das Verhindern der Suchtbefriedigung  Priorität Nummer 1. Dadurch werden auch viele andere Aspekte in ihrem Leben vernachlässigt, zum Beispiel ihre sozialen Kontakte.

SICH SELBST UND ANDEREN HELFEN

Durch diese Bilder, die sich mir boten, stellten sich mir natürlich ein paar Fragen: Wie kann es so weit kommen? Wie kann ein einzelner Mensch so abstürzen und nicht aus eigener Kraft wieder rauskommen?

Eine richtige Antwort auf diese Fragen habe ich nicht gefunden. Ich habe aus diesem einen Jahr aber einiges für mich mitgenommen. Das wohl wichtigste ist, dass man nicht auf eigene Faust kämpfen muss. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, Unterstützung zu bekommen – für sich selbst, aber vor allem auch, wenn man anderen helfen möchte. Man muss sich nur trauen, diese Hilfsangebote auch wahrzunehmen. Meine Meinung dazu: Wäre diese Ansicht in den Menschen und in unserer Gesellschaft besser verankert, dann würden viele früher Hilfsangebote in Anspruch nehmen.

Das ist auch der Grund, warum ich innerhalb meines Freundeskreises das Thema ‚Alkoholmissbrauch‘ immer wieder anspreche. Dadurch bleibt das Thema in den Köpfen meiner Freunde und ich schaffe es sie zu sensibilisieren. Vielleicht achten auch sie jetzt mehr auf andere und überlegen, ob jemand vielleicht zu oft zur Flasche greift.

Ich selber trinke seitdem übrigens wenig bis gar keinen Alkohol mehr. Ich hab gesehen, wohin Alkoholmissbrauch führen kann, und möchte das bei mir selber so gut es geht verhindern. Es gibt genügend schädliche Dinge im Leben und da kann es nicht schaden, eins dieser Dinge auszuschließen!


Machst du dir Gedanken über deinen eigenen Alkoholkonsum oder den von anderen? Ob ein riskanter Alkoholkonsum vorliegt und wie man weiter vorgehen soll, lässt sich am besten in einem individuellen Gespräch mit einer Expertin oder einem Experten klären.

> Hier findest du Beratungsstellen in deiner Nähe.

Eine anonyme, persönliche Beratung bietet das Infotelefon der BZgA:

BZgA-Infotelefon: 0221 892031
Mo.–Do. 10.00 bis 22.00 Uhr, Fr.–So. 10.00 bis 18.00 Uhr

(Kostenpflichtig, es gilt der Preis entsprechend der Preisliste des jeweiligen Telefonanbieters für Gespräche in das Kölner Ortsnetz.)


Bildquelle: © PictureP. / Fotolia

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