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ALKOHOLWIRKUNG: REINE TYPSACHE?

von KDL-Blog am| 2 Kommentare

Comik-Figur die ihre Haut abstreift. Darunter ist ein Teufelchen.

Vielleicht hast du selbst schon einmal erlebt, wie verschieden Menschen auf Bier, Wein oder Schnaps reagieren? Das kann manchmal ganz lustig, oft aber auch eher erschreckend sein. Auch die Wissenschaft interessiert sich für das Thema Alkoholwirkung. Mit interessanten Ergebnissen:

ES SOLL VIER BETRUNKENE PERSÖNLICHKEITSTYPEN GEBEN

Ein Drink macht uns locker, die Schüchternheit verfliegt und wir kommen leichter mit anderen Menschen ins Gespräch. Das ist die eine Seite. Bei manchen schlägt die lustige Stimmung nach ein paar Gläsern aber auch in Aggressivität um. Eher stille Zeitgenossen reden plötzlich wie ein Wasserfall.

Ab circa 0,2 Promille verändert sich unser Verhalten. Wir fühlen uns zwangloser und freier. Alkoholisiert nehmen wir die Welt anders wahr. Schon in diesem Stadium sehen wir schlechter. Unsere Bewegungen werden unkoordiniert, unsere Konzentration lässt nach. Ab einem Promille Alkohol im Blut fangen wir an zu torkeln und zu lallen. Aber wie wirkt Alkohol auf unser Temperament?

Wissenschaftler der Universität Missouri-Columbia wollten herausfinden, ob die gängige Vorstellung stimmt, dass Menschen sehr unterschiedlich auf Alkohol reagieren. Sie haben 374 Studierende befragt und dabei 4 Grundtypen* ausgemacht:

(1) Typ „Hemingway“: Trinkt auch mal größere Mengen Hochprozentiges. Trotz Alkoholeinfluss verändert er oder sie sich nach eigener Aussage wenig. Namenspate ist der als trinkfest geltende Schriftsteller Ernest Hemingway. Die meisten der befragten Personen meinten dieser Gruppe zuzugehören. Viel „vertragen“ erschien ihnen also erstrebenswert, obwohl Trinkfestigkeit ein Hinweis an Gewöhnung und damit einen Risikofaktor darstellt.

(2) Typ „Mary Poppins“: Trinkt nach eigenen Angaben mäßig und nimmt sich dabei als „klar im Kopf“ wahr. Diese laut Befragung meist weiblichen Personen sollen auch nach Alkohol verantwortungsbewusst und mitfühlend handeln. Namenspatin ist das freundliche Kindermädchen aus Pamela Lynwood Travers‘ gleichnamigem Buch.

(3) Typ „Mister Hyde“: So, wie in Robert Louis Stevensons Roman der freundliche Dr. Jekyll zum finsteren Mr. Hyde wird, verändern sich diese Personen stark, wenn sie betrunken sind. Sie selbst geben an, dass sie sich wesentlich aggressiver und verantwortungsloser verhalten als in nüchternem Zustand. Knapp jede vierte Person zählte sich selbst zu diesem Typ. Zwei Drittel der Hydes waren dabei Frauen.

(4) Typ „Der verrückte Professor“: Ähnlich der Hauptfigur der gleichnamigen Disney-Komödie meinen sich diese Menschen durch Alkohol von einem schüchternen „Niemand“ zu einem selbstbewussten und extrovertierten Entertainer zu verwandeln. Man könnte sie auch ganz langweilig als Mut-Antrinker beschreiben. Rund 20 Prozent der Befragten schätzten sich selbst so ein, darunter mehr Männer als Frauen.

Diese Klassen erscheinen recht nachvollziehbar und sicher kennt ihr Personen, die man einem dieser Typen zuordnen könnte. Was bei der Studie aber auffiel: Möglicherweise sieht die Person, die ihr ganz klar als „Mister Hyde“ charakterisieren würdet, sich selbst eher als „Hemingway“. Selbst- und Fremdwahrnehmung liegen bei diesem Thema häufig recht weit auseinander.

ALKOHOL UND AGGRESSION: EINE GLEICHUNG MIT UNBEKANNTEN

Macht Alkohol aggressiv und wenn ja, warum? Der Zusammenhang zwischen Alkohol und Gewalt ist ein Thema, zu dem es bereits zahlreiche Untersuchungen gibt**. Auch wenn sich die aggressionsfördernde Wirkung von Alkohol tatsächlich auch unter Laborbedingungen belegen lässt, ist die Sache nicht ganz einfach. Die Gleichung „Alkohol = Gewalt“ geht nicht bei jedem und nicht immer auf. Die Frage, welche Rolle Alkohol spielt, wird unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern heftig diskutiert und weiter erforscht. Was aber sicher ist: Alkohol ist ein erheblicher Risikofaktor.

Tatsächlich führt Alkoholkonsum mehrheitlich nicht zu Gewalttaten. Sonst könnte man sich ja kaum noch abends in eine Bar trauen. Trotzdem ist gewalttätiges Verhalten unter Einfluss von Alkohol ein großes Problem, das viel Leid verursacht. In knapp 30 Prozent aller Fälle von Gewaltkriminalität standen die Täter 2013*** unter Alkoholeinfluss. Der Anteil wächst sogar, wenn man ausschließlich die schwere und gefährliche Körperverletzung betrachtet.

Eine recht interessante Entdeckung zu diesem Thema machten amerikanische Wissenschaftler. Der Psychologe Bruce Bartholow war an mehreren Studien**** beteiligt, die zeigen, dass Alkohol auch aggressiv machen kann, wenn man ihn gar nicht trinkt. Versuchsteilnehmerinnen und -teilnehmer, die Bilder von alkoholhaltigen Getränken betrachteten, reagierten aggressiver als die Vergleichsgruppe, die neutrale Bilder sah.

Derartige Ergebnisse legen nahe, dass der Zusammenhang zwischen Alkohol und Aggression nicht nur biologisch erklärt werden kann, sondern auch kulturelle Faktoren eine Rolle spielen. In diesem Fall vermuten die Forscher eine kulturelle Norm. Wir erwarten, dass Alkohol und Aggression zusammenhängen und verhalten uns (unbewusst) so, wie beim Placebo-Effekt.

WIE WIRKT ALKOHOL BEI DIR? 


Bildquelle: © GiZGRAPHICS / Fotolia

Quellen:

* Searching for Mr. Hyde: A five-factor approach to characterizing “types of drunks”

**Alkohol und Gewalt: Eine aktuelle Übersicht

*** Polizeiliche Kriminalstatistik 2014

**** Alcohol and aggression without consumption. Alcohol cues, aggressive thoughts, and hostile perception bias. und Interactive effects of alcohol outcome expectancies and alcohol cues on nonconsumptive behavior.

2 Kommentare zu: “ALKOHOLWIRKUNG: REINE TYPSACHE?”

  1. Avatar

    Marc

    Ich mache momentan selbst viele Feiern mit aber seit dem ich mehr für die Schule lernen muss ist es weniger geworden, ich bin eher so einer der gerne mit trinkt und auch viel mit trinkt. Seit dem ich ein Referat für die Schule vorbereite was sich um Alkohol handelt passe ich schon mehr auf und diese Seite hat auch sehr viele Infos darüber. ;D

  2. Avatar

    Roland Baumann

    Ich selbst glaube das die jungen Leute ihre Persönlichkeit erst noch finden mussen was nicht gerade einfach ist, trinken ist normal um sich einfach zu entspanen , aber wenn man sich dabei nich kontrolieren kann ist es besser einfach nicht zu treinken. Man sollte nur eine Grenze haben und das ist alles , Spaß muss sein aber dabei andere zu verletzen ist das letzte.

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