Mine

ICH BIN, WAS ICH TRINKE – ODER?

von Mine am

Hundedame mit pinker Frisur und pinkem Kleid hält ein pinkfarbenes Getränk

Jede Sorte Alkohol hat ein anderes Image. Aber warum eigentlich? Warum gilt eine Sorte Alkohol als besonders männlich und die andere nicht? Warum unterteilen wir Menschen anhand ihres Geschmacks in wild und langweilig, kultiviert oder bodenständig?

NIEMAND WILL EIN „MÄDCHEN“ SEIN, WENN ES UM ALKOHOL GEHT

Als ich letzten Sommer eine Freundin und ihre Mitbewohner traf, kam es zu einer seltsamen Situation. Ein Mitbewohner ist Barkeeper und wollte – ohne uns zu kennen – raten, was wir trinken. Mich schaute er an und sagte: „Sprudelige Mischgetränke.“

Und er hatte Recht. In diesem Sommer tranken wir in der WG vor allem sekthaltige Cocktails. Aber ich fühlte mich herabgesetzt, irgendwie uncool. Zum kaum „echten“ Alkohol vertragenden Weichei degradiert. So wollte ich nicht wahrgenommen werden. Und so wollte ich auch nicht sein. Zum nächsten Konzert habe ich deshalb ordentlich Wodka mit Cranberrysaft mitgenommen, das gilt zwar als weiblich, fühlte sich aber wesentlich erwachsener an. Wie das ausgegangen ist, konntet ihr ja schon lesen (zum Blogbeitrag: „Lost and drunk in Open Air“).

Aber es geht nicht nur mir so. Der Film „Crazy Stupid Love“ handelt von dem spießigen Mittvierziger Carl, der von einem jungen Playboy ein Makeover bekommt, um seine Frau zurückzugewinnen. Dass Carl unmännlich sein soll und sein Leben wohl nicht im Griff hat, wird dem Zuschauer in einer Einstellung gezeigt: Er sitzt an der Bar und trinkt Wodka Cranberry. Was bei mir die nächste Stufe zu mehr Coolness ist, geht für Carl, das macht ihm sein Gegenüber schnell klar, gar nicht. Ein echter Mann trinkt Scotch on the Rocks.

BIER = BODENSTÄNDIG, SHERRY = ALTMODISCH?

Comic-Männchen im Unterhemd hält zwei Biergläser hoch

Was man trinkt, beeinflusst nicht nur das Bild, das andere von einem haben, sondern auch das Selbstbild. Trifft man sich zum Beispiel mit den Eltern des Partners zum Essen, bestellt man am besten Wein. Das wirkt erwachsen und kultiviert. Was aber, wenn man lieber Bier trinkt? Das ist bodenständig und geht eher, wenn man mit den Freunden Fußball guckt. Da sollte man dann keinen Longdrink trinken, oder?

Ein Mädchen, das gerne kumpelhaft ist, trinkt an der Bar Shots – anders als ihre sekt- und cocktailtrinkenden Freundinnen. Was aber, wenn sie die gar nicht gut verträgt? Eine andere Freundin geht vielleicht deshalb nicht gerne mit aus, weil sie am liebsten Sherry trinkt, was jedoch in der Öffentlichkeit gar nicht geht, weil es als altmodisch gilt. Von den ungläubigen Reaktionen, die man oft bekommt, wenn man den ganzen Abend auf Wasser oder Schorle besteht, mal ganz zu schweigen.

NIEMAND MUSS EIN LEBENDES KLISCHEE SEIN

Natürlich werden diese Bilder und Klischees von der Werbung aufgenommen und ausgebaut. Da gibt es die Männergruppe mit dem Bier, die Frau in dem eleganten roten Kleid mit dem Sekt, der aromatisierte Schnaps für die feierwütige Jugend. Aber ob wir diese Einordnung übernehmen, ist unsere Entscheidung. Wir hinterfragen ja inzwischen überall die typischen Geschlechterbilder, und es ist längst nicht mehr so, dass Männer nicht weinen und Frauen nur Röcke tragen dürfen.

Nur beim Alkohol scheint das noch nicht so ganz angekommen zu sein. Manchmal fühle ich mich eben nach einem Bier – aber weil es für mich einfach ein Bier-Moment ist und nicht, weil es irgendein Klischee mir sagt. Es ist schade, wenn man etwas trinkt, was einem gar nicht schmeckt oder bekommt, nur um ein Bild von sich zu projizieren. Wer sich nicht von anderen sagen lässt, wann er wie viel trinkt, sollte sich auch nicht vorschreiben lassen, was.

UND IHR? HABT IHR SCHON EINMAL ALKOHOL GETRUNKEN, UM EIN BESTIMMTES IMAGE ZU BEKOMMEN?


Bildquellen (von oben nach unten): © Ganna Kotlyar / Fotolia; © janista / Fotolia

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