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STRESS IN DER SCHULE: FÜHRT DAS ZU ÜBERMÄSSIGEM ALKOHOLKONSUM?

von Joshua am

Strichmännchen mit Wolke aus zahlen und Buchstaben

Durch meinen Auslandsaufenthalt in Frankreich denke ich immer mehr über mich und mein Leben nach. Was mich dazu gebracht hat, mich mit der Frage zu beschäftigen: „Führt extremer Schulstress dazu, dass wir Jugendlichen mehr Alkohol konsumieren?“

Ich persönlich bin ganz klar der Meinung: Ja! In meinen Augen bedeutet Schulstress für viele, dass sie sich vor ihren Eltern beweisen müssen und sich mit guten Noten mehr Möglichkeiten für die Zukunft offenhalten. Die meisten Gymnasiasten sind sich gar nicht bewusst, dass es auch noch andere Wege in die Zukunft gibt, als straight durch die Schule zu laufen und dann so schnell wie möglich sein Studium abzuschließen, um auch ja einen guten Job zu ergattern. Und das führt in meinen Augen dazu, dass viele sich an den Wochenenden die Köpfe mit Alkohol zuballern, um einen Ausgleich zu finden.

Wieso ich dieser Meinung bin: Ich war selber Gymnasiast in München und habe sehr viel Sport in meiner Freizeit getrieben. An den Wochenenden bin ich mit meinen Freunden trinken gegangen. Da viele es zeitlich nicht schaffen, im Sport einen Ausgleich zum Schulstress zu finden, muss eben der Alkohol herhalten. Das kann durchaus viel Spaß bedeuten – aber auch Kater am Tag danach.

Eine Studie zeigt tatsächlich, dass jeder dritte Gymnasiast regelmäßig Alkohol trinkt, an Haupt- und Realschulen jeder vierte Schüler. Die Forscher glauben, dass das auch mit dem Stress in der Schule zusammenhängt. Und mit dem Gefühl, dass man nicht die Leistung bringt, die man möchte oder die von einem erwartet wird.* Der Alkoholsurvey 2014 der BZgA zeigt keinen signifikanten Unterschied im regelmäßigen Alkoholkonsum zwischen den Schulformen [Anm. d. Red.].**

IN DER OBERSTUFE: TRINKEN SCHON AB DIENSTAG?

Mein alter Freundeskreis in München ist nun seit gut vier Monaten in der Oberstufe. Einer der großen Unterschiede zur Mittelstufe ist, dass die Lehrer aufhören, den Schülern großartig Vorgaben zu machen und ihnen die Verantwortung überlassen, da sie ja an sich erwachsen genug sein sollten. Das hat bei meinem Freundeskreis dazu geführt, dass sie jetzt nicht mehr nur am Wochenende weggehen. Sie haben auch noch einen Club-Donnerstag eingeführt und machen spontan auch mal Dienstag oder Mittwoch einen Trinkabend, da ja Champions League ist. Das ist bestimmt nicht an jeder Schule so, aber daran bemerke ich als Außenstehender ganz klar den erhöhten Druck des anstehenden Abiturs auf die Schüler, der dazu führt, dass sie mehr abschalten wollen. Mir ist bewusst, dass ich aus Erfahrung nur von München sprechen kann. Und dennoch denke ich, dass dieses Problem auf ganz Deutschland zutrifft.

UND WIE SIEHT DAS IN FRANKREICH AUS?

Ich stelle  fest, dass es in Frankreich anders als in Deutschland ist. Ich denke, das liegt unter anderem daran, dass hier Ganztagsschule ist. Auch wenn die extrem ermüdend ist, so wird hier weniger Druck auf die Schüler ausgeübt. Im Enddefekt liegt das daran, dass die Schüler hier mehr Zeit haben, im Unterricht das Erlernte zu verinnerlichen und anzuwenden. Außerdem habe ich hier nur noch acht Fächer in der Woche, was dementsprechend weniger Klausuren und weniger Stress bedeutet. Ich glaube, dass das dementsprechend auch zu weniger Alkoholkonsum führt. Klar, auch hier wird in den Ferien oder am Wochenende gefeiert, aber es ist kein Vergleich zu dem, was ich in Deutschland erlebt habe.

Ich bin der Meinung, wir sollten uns in den besten Jahren unseres Lebens nicht so stressen lassen. Klar, jetzt nicht einfach mit lernen aufhören, aber zum Abschalten einfach mal zwischendurch mit Freunden ins Kino gehen, schadet auch nicht – und macht im Anschluss auch weniger Kopfschmerzen 😉 .

UND WIE ERLEBT IHR DAS? GLAUBT IHR, DASS ES EINEN ZUSAMMENHANG ZWISCHEN STRESS IN DER SCHULE UND ALKOHOL GIBT?


Quellen:

* http://www.leuphana.de/forschung/aktuell/ansicht/datum/2010/10/11/studie-zu-alkoholmissbrauch-bei-jugendlichen.html
** Alkoholsurvey der BZgA: http://www.bzga.de/forschung/studien-untersuchungen/studien/suchtpraevention


Bildquelle: © Karl / Fotolia

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