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HÄLT EIN GELEGENTLICHER RAUSCH UNSERE GESELLSCHAFT ZUSAMMEN?

von KDL-Blog am| 3 Kommentare

Weiße und gelbe Bälle mit verschiedenen Gesichtern.

Betrunkene benehmen sich oft daneben. Der Freund, der seine nicht erwiderte Liebe gesteht, die vegetarische Bekannte, die betrunken auf dem Heimweg von der Party einen Döner isst oder die Gruppe Fremder im Bus, deren aufgeregte Unterhaltung und lautes Gelächter für den Beobachter kaum zu ertragen sind. Wenn man betrunken ist, ist man manchmal wie ausgewechselt. Von außen betrachtet nicht selten auch ganz schön nervig. Trotzdem behaupten einige Wissenschaftler*, dass unsere Kultur den Rausch braucht.

Die Hypothese: Ob durch Sport, ein aufregendes Erlebnis oder eben durch Alkohol, unser Körper benötigt wohl ab und zu eine größere Dosis Glückshormone.

EIN RAUSCH KANN UNS FREI MACHEN: „DER WAR BETRUNKEN… EIGENTLICH IST ER GANZ ANDERS.“

Hund mit Schild in der Pfote mit Aufschrift "Bad Dog" zwinkert in die Kamera.

Hast du angetrunken schon mal Dinge getan, die du nüchtern nicht gemacht hättest? Weil du dich nicht traust oder auch einfach nur, weil du gar nicht auf die Idee gekommen wärst. Möglicherweise ist dir unter Alkoholeinfluss auch schon mal was Peinliches passiert oder du kennst zumindest jemanden, dem das so geht.

In solchen Fällen wird die Verantwortung gerne mal auf den Alkohol geschoben. Weil man getrunken hat, war man nicht ganz „zurechnungsfähig“ und quasi gar nicht mehr man selbst. Das funktioniert aber nur, weil alle die enthemmende Wirkung von Alkohol kennen. Und alle wissen, dass alle wissen, dass ein paar Bier zu viel die Trinkenden (auch negativ) verändern können. Klingt kompliziert, aber in gewisser Weise schenkt ein Rausch dem oder der Trinkenden etwas Freiheit, sich auch mal daneben zu benehmen. Bis zu einem gewissen Grad wird das akzeptiert.

Einige Soziologen und Psychologen sehen darin ein Ventil, das unsere Gesellschaft braucht um zu funktionieren. Sie meinen: Nur wenn wir die Möglichkeit haben, manchmal auszubrechen und den Alltag hinter uns zu lassen, zum Beispiel mit Alkohol, können wir uns während der übrigen Zeit in die Gesellschaft einfügen.

Grenzenlos ist diese Nachsicht allerdings nicht. Wer übertreibt oder sich zu häufig betrinkt und dann negativ auffällt, wird recht schnell gemieden. Wer will schon mit jemandem feiern, bei dem klar ist, dass der Abend jedes Mal in einem Desaster endet? Dann wird aus dem gelegentlichen Ausbruch ein ernstes Problem.

EIN RAUSCH KANN UNS GLEICH MACHEN: GEMEINSAM FEIERN SCHWEISST ZUSAMMEN.

Lebkuchenherzen in verschiedenen Farben mit verschiedenen Aufschriften.

Das Alltagsleben hinter sich lassen, das funktioniert besonders gut, wenn es was zu feiern gibt. Und auch da spielt Alkohol oft eine Rolle. Im Jahresverlauf gibt es viele feste Termine, an denen gemeinsam gefeiert wird. Massenhaft ausgelassen sein, gehört bei einigen Festen dazu.

Zum größten Volksfest der Welt, dem Münchner Oktoberfest, kamen dieses Jahr knapp sechs Millionen Besucherinnen und Besucher. In den Karnevalshochburgen feiern Hunderttausende Jecken und setzen für ein paar Tage die Regeln des Alltags außer Kraft. Ob in München, Köln oder Mainz, auch gemeinsames Trinken ist Tradition.

Oft kennen sich die Feiernden gar nicht und manchmal sprechen sie nicht mal eine Sprache. Das tut dem gemeinschaftlichen Spaß keinen Abbruch. Jeder wird geduzt und nicht selten liegen sich die Fremden bald in den Armen.

Soziologen sprechen davon, dass Einzelne in der Masse aufgehen und dadurch auf so einem Fest soziale Gleichheit herrscht. Letztendlich heißt es, dass sich alle (im Gegensatz zum Alltag) gleich fühlen. Auch wenn dieser Zustand nicht dauerhaft ist, wirkt er nach und sorgt für mehr Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gesellschaft.

Das ginge übrigens bei den meisten auch ohne Alkohol. Mit geht es nur etwas schneller und das Erlebnis wird meist intensiver wahrgenommen. Und wie beim Einzelnen hat auch die massenhafte Ausgelassenheit Grenzen. Im Fall von Volksfesten oder dem Karneval ist sie zum Beispiel ganz klar zeitlich begrenzt. Wer am Aschermittwoch noch verkleidet und angetrunken durch Kölns Straßen tanzt, muss mindestens mit irritierten Blicken und Kommentaren rechnen.

Mit oder ohne Rausch? Das sagen Jugendliche:

WIE IST DEINE MEINUNG ZUM RAUSCH? HIER GEHT’S ZUR UMFRAGE.

 


Bildquellen (von oben nach unten): © Annibell82 / Fotolia, © javier brosch / Fotolia, © fottoo / Fotolia

Quellen:

  • *Yvonne Niekrenz: Rauschhafte Vergemeinschaftungen – Eine Studie zum rheinischen Straßenkarneval, 2011
  • *Robert Feustel: Grenzgänge – Kulturen des Rauschs seit der Renaissance, 2013
  • *Sacha Szabo: Sozioanalyse des Alltags, 2015

3 Kommentare zu: “HÄLT EIN GELEGENTLICHER RAUSCH UNSERE GESELLSCHAFT ZUSAMMEN?”

  1. Avatar

    Leon

    Ich weiß nicht ob mein eigentlicher Kommentar zu lang war aber zu mindestens wird er hier nicht angezeigt. Deshalb noch mal die Kurzfassung:

    Meine Meinung nach kann man ruhig Alkohol trinken und das auch gerne in Gesellschaft. Man muss dabei aber aufpassen das man nicht immer Alkohol trinkt. Ich selber habe es an meinen Freundeskreis gemerkt das wenn man mal keinen Alkohol trinkt sich die Leute nicht mehr wirklich gut verstehen, oft streiten oder einfach sehr stark Langweilen. Mit Freunden mit denen ich keinen Alkohol trinke ist das nicht der Fall da sie immer die gleiche Persönlichkeit gewöhnt sind und man somit immer gut klar kommt 🙂 Ein Freund von mir schrieb mich letztens an und berichtete mir das er mal einen Abend keinen Alkohol mit seinen Freunden getrunken hat und dieses dann total pissig auf ihn wahren und ihn auch ein wenig aus der Gruppe ausgeschlossen haben. Man sollte also aufpassen das die Freunde nicht nur die Alkoholisierte sondern auch die normale Persönlichkeit mögen und auch ihr auch gut zusammen passt und was unternehmen könnt ohne das Alkohol im Spiel ist 🙂 Ab und zu ist okay aber man sollte es nicht zu oft machen und dann auch noch sein Limit kennen damit es ein netter und gemütlicher Abend wird 🙂

    Gruß Leon

  2. Avatar

    Eva

    Hallo,
    Ich finde diesen beintrag interessant .

    Meine Meinung :

    Man kann sich amüsieren auch ohne Alkohol
    Wir schlucken oft mit den Alkohol schlechte oder negative Situation
    Es ist nicht immer aber oft so dass wir uns nich bewusst sind was wir angerichtet haben .

    Sollte wir uns nicht bewusst machen was wesentlich ist für unser Glück ?!

  3. Avatar

    Eva

    Hallo

    Ich finde diesen Beitrag Interessant .
    Meine Meinung :

    Ertrinken wir unsere Sorgen und negative Erlebnisse durch Alkohol ?!

    Zum Glück verhilft es nicht da jeder es selbst finden muss.

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