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PROMILLE INTERNATIONAL: ALKOHOL IM LAND DES LÄCHELNS

von KDL-Blog am

Bunte Illustration im japanischen Stil. Zu sehen sind ein Berg, Blumen und Kraniche.

Sushi, Manga und Kimono – wer Japan nicht kennt, bedient sich gerne dieser Klischees. Darüber hinaus fällt es eher schwer, sich das Land und seine Gebräuche vorzustellen. Wie sind die Sitten, wenn es um Alkohol geht? Ist die japanische Trinkkultur mit unserer zu vergleichen? Hier ein paar Fakten zum Alkoholkonsum im Land des Lächelns.

1. DIE JAPANER TRINKEN WENIGER ALS WIR, RISKANT IST ES TROTZDEM.

SushiBar_©konggraphic_Fotolia

Laut Weltgesundheitsorganisation wurden in Japan 2008-2010 jährlich durchschnittlich 7,2 Liter reinen Alkohols getrunken. Damit tranken die Menschen in Japan 4,6 Liter weniger als die Deutschen (11,8 Liter). Trotz der geringeren Menge hat Alkohol einen großen Stellenwert in der japanischen Gesellschaft. So ist es zum Beispiel üblich, mindestens ein Mal die Woche (manchmal auch öfter) mit den Kollegen aus dem Büro feiern zu gehen. Das kann für die Geschäftsleute recht schnell riskant werden. Etwa der Hälfte aller Menschen aus dem pazifischen Raum, darunter die Japaner, fehlt nämlich ein Enzym, das für den Alkoholabbau in der Leber verantwortlich ist. Dadurch vertragen sie Alkohol sehr schlecht.

2. AM ARBEITSPLATZ: DAS FEIERABENDBIER IST EIN RITUAL.

Illustration von zwei Frauen und zwei Männern in Businesskleidung, die gemeinsam Bier trinken.

Job und Alkohol? Ist hierzulande eher die Ausnahme. Klar, es gibt die Weihnachtsfeier und manchmal gönnt man sich mit (besonders netten) Kollegen ein gemeinsames Feierabendbier. Aber betrinken will man sich auch dann nicht. Anders in Japan, da gehört das Trinken mit Kollegen und auch dem Chef für viele Angestellte zum Alltag. Dafür gibt es sogar einen Begriff: „Nomunication“ (Nomu = Trinken und das englische communication), also „beim Trinken reden“. Man geht dann gemeinsam in ein Restaurant, isst und trinkt und sagt sich angetrunken dann auch Dinge, die man nüchtern für sich behalten hätte. Am nächsten Tag hat dann aber jeder zu „vergessen“, was am Vorabend getrunken wurde.

3. VOLLJÄHRIGKEIT: DAS GANZE LAND FEIERT, WENN JUGENDLICHE ERWACHSEN WERDEN.

Rückenansicht von Japanerinnen in Kimonos.

Mit 20 Jahren ist man in Japan volljährig und darf offiziell Alkohol trinken. Das Erwachsenwerden wird dann auch richtig groß gefeiert, nämlich bei einem eigenen gesetzlichen Feiertag, dem Tag der jungen Menschen („Seijin no Hi“). Am zweiten Montag im Januar feiern alle Jugendlichen, die zwischen April des Vorjahres und April des aktuellen Jahres 20 Jahre alt werden. Überall im Land werden festliche Zeremonien veranstaltet, manchmal in Konzert Locations mit mehreren Tausend Menschen. Die jungen Frauen tragen dann einen bunten Kimono mit langen Ärmeln, den Furisode – früher ein Merkmal unverheirateter Frauen. Das teure Stück wird nach der offiziellen Zeremonie aber meist schnell abgelegt. Danach wird nämlich ausgelassen gefeiert.

4. BETRUNKEN IN JAPAN? DA IST MAN TOLERANT…

Illustration zweier Figuren, die sich im Arm halten und lachen.

Alkohol finden die meisten Deutschen OK. Richtig? Das mag stimmen. Japan soll weltweit allerdings das Land sein, in dem Alkoholkonsum am meisten akzeptiert wird. Vor rund zwei Jahren untersuchte das Forschungsinstitut Pew Global die Akzeptanz unterschiedlicher Verhaltensweisen in 40 verschiedenen Ländern. Mit deutlichem Abstand zu allen anderen Nationen waren zwei Drittel der Japaner der Meinung, dass Alkoholkonsum moralisch akzeptabel ist**. Deutschland belegte mit einer Akzeptanz von 41% weltweit Platz drei. Ein komplett betrunkener Geschäftsmann im dunklen Anzug in der Bahn? Kaum jemand in Japan würde daran Anstoß nehmen. Moralisch unakzeptabel ist Alkohol nämlich für nur 6% der Japaner (14% Deutsche). Der Rest hält dies generell nicht für eine Frage der Moral.

5. TRADITIONEN: DIESER SAKE SCHMECKT ETWAS HÖLZERN.

Ein Trinkbecher für Sake aus Holz.

Reis, Wasser und Hefe – diese drei Grundzutaten kommen in jeden Sake. Etwa 1.800 Brauereien stellen das japanische Nationalgetränk her und bieten verschiedene Varianten für jeden denkbaren Anlass. Den Reiswein kann man warm und kalt trinken. Es gibt Sorten für vor, während und nach dem Essen. Außerdem wird er wie Bier auch in Kneipen ausgeschenkt. Etwas ungewöhnlich ist ein dazugehöriges traditionelles Trinkgefäß, der Masu. Das kleine Kästchen aus meist unbehandeltem Holz wurde im alten Japan als Maß, zum Beispiel für das Abfüllen von Reis genutzt. Heute hat es eine andere Verwendung: als Trinkbecher für Sake.


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Quellen:

*WHO-Statistik zum Alkoholkonsum in Japan

**Pew Global Ergebnisse zur Akzeptanz von Alkohol