Robert

Klare Skibrille, klare Sicht, klarer Kopf

von Robert am

Ich freu mich schon wie Sau: Ende Februar fahre ich mit ein paar Freunden zum Skiurlaub nach Österreich! Mühsam habe ich es mir vom BAföG abgespart, dass ich eine Woche durch das weiße Alpenparadies gleiten kann. Das wird sicher famos. Zum Skiurlaub gehört irgendwie auch das ausgelassene Feiern, oder? Vor vier Jahren fand ich es in Ischgl jedenfalls großartig – Briten, Russen, Österreicher und Deutsche tanzten in den verschiedensten Clubs. Dank der internationalen Feiergemeinschaft blieb mir die Beschallung mit deutschen Après-Ski-Dauerbrennern einigermaßen erspart. Zum Glück, solche Partys meide ich. Mir ist das irgendwie suspekt: Warum schwingen Menschen imaginäre Lassos, fliegen wie ein Flieger und tanzen stupide Choreografien? Aber ich mag auch kein Fasching, von daher bin ich da vielleicht kein Maßstab für andere.

Ich habe mal kurz reingehört in die Après-Ski-Hits 2015. „Die Gläser sind voll und wir sind es auch […] heute wird ein Fass geleert, denn das ist nie verkehrt“, singt ein blonder Kerl. Im Niveau-Limbo noch einige Stufen tiefer kommt der brünette Herr, der singt: „Geh mal Bier hol’n, du wirst schon wieder hässlich. Ein, zwei Bier und du bist wieder schön.“

Ahja. Das ist traurig: Offene Oberflächlichkeit, die dann auch noch mit Alkohol „bekämpft“ werden soll. Als ob nur mainstream-schöne Menschen feiern dürften.

Wer auf jeden Fall feiern darf – laut Après-Ski-Hits – sind Menschen mit viel Alkohol im Blut. Ihr könnt es euch denken: Ich finde das nicht so prall, weil der Alkohol beim Feiern für mich nicht im Mittelpunkt steht. (Diese Fundstücke sind nur Stichproben und gelten zum Glück nicht für alle Après-Ski-Hits.)

Drei Ski-Fahrer stehen auf Gipfel mit den Helmen verkehrt herum auf dem Kopf.

Während es abends im Club eher darum geht im Limit zu bleiben, gilt tagsüber eine ganz klare Null-Promille-Regel: Wintersport und Alkohol gehören einfach nicht zusammen. Wer mit bis zu 80 Sachen trotz Helm nahezu ungeschützt die Piste runterrauscht, der braucht einen klaren Kopf. Unerwartete Schneewehen, Eisflächen oder andere Skifahrer, die euch in die Bahn kommen: Da muss man fix reagieren können.

Außerdem wird man unter Alkoholeinfluss wagemutiger – auf zwei Latten oder einem Brett die Kontrolle zu verlieren, weil man sich falsch eingeschätzt hat, kann aber ordentlich nach hinten losgehen. Solang man auf der Piste unterwegs ist, sollte es selbstverständlich sein, nüchtern zu bleiben. Glühwein und Jägertee in der Mittagspause wärmen auch nur kurzzeitig – danach senkt der Alkohol nämlich die Körpertemperatur.

Wer trinken und feiern will, der stellt die unbequemen Skistiefel und die Bretter in der Unterkunft ab und feiert im Tal. Da gibt es dann auch genügend Taxis und Busse, die euch nach einer Feier noch heimbringen können.

Übertreiben würde ich es aber trotzdem nicht. Für mich ist so ein Skiurlaub enorm teuer. Allein der Skipass kostet gut 250 Euro – da will ich doch nicht verkatert bis mittags in der Kiste liegen, sondern raus in den Schnee!
Abgeschnallte Ski-Ausrüstung. Blick auf Ski-Piste.

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