Holm

Warum wird Alkohol verharmlost?

von Holm am| 2 Kommentare

Stellt euch vor, ihr seid mit euren Freunden unterwegs und trefft auf der Partymeile zwei völlig Betrunkene. Sie reden wirres Zeugs, singen und versuchen, mit euch verrückte Fotos zu machen. Dann fällt der eine hin. Eher lustig, oder? Fast schon Slapstick, wie im Fernsehen.

Stellt euch jetzt einen Mann vor, der in der Ecke hockt und mit glasigem Blick eine Flasche billigen Korn umklammert hält. Oder der im Vollrausch irgendwo am Bahnhof rumpöbelt und ganz in seiner eigenen Welt ist. Schon eher erschreckend, oder?

Was ich spannend finde, ist unsere unterschiedliche Wahrnehmung der beiden Situationen. Auf der einen Seite lustiger Slapstick, auf der anderen Seite ein „Opfer“, das sein Leben nicht auf der Reihe hat.

Beide Beschreibungen lassen sich aber schon auf die jeweils andere Situation übertragen. Aber das ist natürlich was ganz anderes, oder? Gut, vielleicht gibt es tatsächlich einen Unterschied. Der Mann am Bahnhof könnte alkoholabhängig sein und die beiden Betrunkenen auf der Partymeile nicht – aber wer weiß? Mir geht es aber um die unterschiedliche Bewertung des Alkoholkonsums und unsere unterschiedliche Sichtweise darauf. Bei den einen ist es „normal“, bei dem anderen ein Problem.

Verharmlosung in unserer Kultur

Um zu verstehen, warum Alkohol so total normal und immer präsent in unserer Gesellschaft ist, hilft ein Blick in die Kulturgeschichte der Menschheit. Wusstet ihr, dass Alexander der Große wahrscheinlich der erste bestätigte Mensch war, der an zu viel Alkohol gestorben ist? Hat man in der Schule irgendwie vergessen zu erzählen…

Alkohol wurde wahrscheinlich vor rund 8000 Jahren entdeckt, als ein paar Farmer Gerste mit Wasser mischten und das Gemisch eine Weile stehen ließen. Das Urbier war gefunden! Von da an entwickelte sich der Alkohol mit der Menschheit: Bier wurde anfangs zum Grundnahrungsmittel, wie Brot. Dann war es Teil des täglichen Lohns. Im Mittelalter war die so genannte Biersuppe gleichzeitig Nahrungsmittel und Getränk. Außerdem galt Bier als gesund, weil das Trinkwasser oft verunreinigt war.

Im 16. Jahrhundert erfand die Menschheit dann die Methode der Destillation: Damit war hochprozentiger Schnaps möglich und stand in großen Mengen zur Verfügung. Das führte zur ersten Alkoholkrise in deren Verlauf viele Menschen starben und Familien verelendeten.

Später wird Schnaps aus Kartoffeln gebrannt, was Alkohol immens billig macht. Und schon hatten wir die nächste Krise, weil es keine Beschränkungen mehr gab und viele Menschen viel zu viel tranken.

Parallel zur Menschheit und dem Alkohol entwickelte sich das Wissen um die Substanz Alkohol. Die Forscher sahen die negativen Wirkungen, die Toten während der Krisen und die zerbrechenden Familien und Stück für Stück wuchs auch das Wissen. Gesetze und Verbote wurden eingeführt, Alkohol mit Steuern belegt, damit er nicht jedem in unbegrenzter Menge zur Verfügung stand.

Alkohol allgegenwärtig?

Alkohol gibt es also schon eine lange Zeit. Er ist ein so normaler Bestandteil in unserer Gesellschaft, dass viele gar nicht mehr darüber nachdenken, sondern ihn einfach trinken. Wer aber durch zu viel Alkohol die Kontrolle über sein Leben verliert, wird ausgegrenzt – so wie der Mann am Bahnhof. Das ist dann nicht mehr normal. Rein objektiv betrachtet schon ein bisschen verwunderlich. Das geht nur „wenn es ja was ganz anderes ist“.

Zum Thema „Alkohol und Gesellschaft“ gibt es übrigens eine ganz interessante Seite, auf unserer Website. Und von mir gibt es bald wieder Neues hier im Blog.

Weiterführende Infos:

2 Kommentare zu: “Warum wird Alkohol verharmlost?”

  1. Avatar

    Lol

    “Kenne dein Limit“ oder “Weniger ist mehr“ kommt mir irgentwie so nach dem Motto, Sauft aber nicht so hart das ihr an einer Überdosis sterbt und ich sanktioniert werde. Seid ihr Alkohol Lobbyisten? :,-C

    1. KDL-Blog

      KDL-Blog

      Hallo,

      die Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“ möchte Alkohol nicht verteufeln und steht für einen bewussten Genuss von alkoholischen Getränken. Das ein oder andere Bierchen möchten wir daher auch keinem verbieten – was uns aber noch nicht zum Lobbyisten macht. 😉

      Liebe Grüße,
      das Team

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