Robert

„Geht’s denn auch ohne?“

von Robert am| 4 Kommentare

Jedes Jahr, wenn das zwölfte Kalenderblatt mit irgendwelchen Schneelandschaften an der Wand hängt, höre ich dieselbe Frage: „Robert, kommst du mit auf den Weihnachtsmarkt? Wir wollen Glühwein trinken gehen!“ „Och nöööö“, denke – und sage – ich dann meistens. Ich find’s nicht so geil zwischen Lebkuchenherzen und Baumkuchen im Kreis zu stehen und überteuerten, erhitzten, vergorenen Traubensaft zu konsumieren. Mir ist das Zeug meist zu süß. 

Allerdings kann man dem aufdringlichen Geruch ja kaum entgehen – jede zweite Imbissbude verkauft zurzeit Glühwein. Selbst in meiner Uni bekommt man den Kram vom Fachschaftsrat – kostenlos. So kommt es auch, dass meine Kommilitonin mit einer Keramiktasse in den Seminarraum kommt und meint: „Seit dem Dezember ist, habe ich jeden Tag Glühwein getrunken.“ Ich bin tatsächlich kurz verdutzt: „Das ist aber nicht dein Standard, oder?“ Mein Bloggen über Alkohol zeigt schon erste Wirkung: Mahnen kann ich.

„Für mich bitte nur Kinderpunsch“

So lang wir uns aber irgendwo zwischen dem ersten und vierten Advent befinden, stehen auch Weihnachtsfeiern im Kalender. Ich sitze mit den anderen Mitgliedern meines Medienmacher-Vereines um unseren großen Tisch. Berge von Keksen und Lebkuchen stehen in der Mitte. Tassen voll Glühwein aus Tetrapacks bilden eine Grenzlinie darum. „Für dich auch?“, werde ich – rein rhetorisch – gefragt, während die purpurne Flüssigkeit schon fast in den Becher schwappt. „Nein! Ich trinke heute Kinderpunsch!“

Ich hätte mit Fragen nach meiner Entscheidung gerechnet. Musst du noch fahren? Nimmst du Antibiotika? Warum denn das? Aber nein, nichts. Ich muss mich nicht rechtfertigen. Robert will keinen Glühwein – dann bekommt er eben auch keinen. Ich find’s super, dass ich in dieser Runde nicht komisch angeguckt werde.

„Alkoholfrei? Warum denn das?“

Ein wenig anders sieht die Sache am nächsten Tag aus. Ich ziehe um. Ein paar Klamotten, Fotoausrüstung, Schreibtischkram und meine Ukulele – einen großen Hausstand habe ich nicht. Viele Umzugshelfer sind also nicht von Nöten. Sechs Hände schaffen meinen Hausrat ziemlich flink ins erste Obergeschoss. Danach sinken wir auf dem Küchensofa nieder, Kronkorken ploppen, Glasflaschen werden zusammengestoßen, Prost – zisch und klack und schluck. Drei zufriedene Kerle – vereint im Bier. Plötzlich: „Was ist das eigentlich für ‘ne Marke? Alkoholfrei? Warum denn das?“ Zum einen, weil ich dann noch den gemieteten Transporter wegfahren muss. Zum anderen, weil’s ums Bier geht und nicht um den Alkohol, oder? Kurzes Stirnrunzeln bei den Kistenschleppern. „Naja, eigentlich gehört Alkohol und Bier zusammen.“ Für mich nicht. Für mich gehören Freunde und eine gute Zeit zusammen – gerne auch mit Bier. Erneute Testschlucke meiner Versuchskanninchen: „Na immerhin schmeckt’s! Prost!“

4 Kommentare zu: “„Geht’s denn auch ohne?“”

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    Karsten

    Jeder, der Alkohol trinkt, sollte sich fragen, warum er das tut.
    Gerade in de jungen Jahren kann man die Folgen vom regelmäßigen Alkoholkonsum nicht wirklich abschätzen.
    Gerade auch, wenn ich hier den Titel der Homepage lese: kenn dein Limit
    frage ich mich, was das soll.

    Niemand braucht Alkohol zum leben.
    Es ist eine Droge und so sollte man sie auch behandeln.
    Nur weil sie legal ist, ist es nichts anderes, als würde man Kokain oder Heroin konsumieren.

    Es gibt Millionen von alkoholkranken oder alkoholgefährdeten Menschen, die alle mal mit dem ersten Glas angefangen haben und sich heute ihr ganzes Leben mit dem Thema auseinandersetzen müssen.

    Ich bin fast 20 Jahre trockener Alkoholiker und führe ein schönes Leben ohne jeglichen Alkoholkonsum.

    Der Gruppenzwang, der mich u.A. zum Alkoholkonsum gebracht hat, ist sehr gefährlich.
    Deshal auch mal das soziale Umfeld hinterfragen, ob der gemeinsame Nenner eben nicht nur der Alkohol ist.

    1. KDL-Blog

      KDL-Blog

      Hallo Karsten,

      erstmal vielen Dank für deinen Kommentar. Wir können deine Haltung sehr gut verstehen. Du hast natürlich recht, dass der Gruppenzwang viele zu übermäßigem Alkoholkonsum verleitet. Hier setzen wir mit „Alkohol? Kenn dein Limit.“ ein, denn wir wollen junge Erwachsene ermutigen, selber zu entscheiden, ob und wieviel sie trinken. Dazu gehört auch, Nein zu Alkohol sagen zu können.

      „Alkohol? Kenn dein Limit.“ ist keine Anti-Alkoholkampagne. Hinter „Alkohol? Kenn dein Limit.“ steht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Wir übernehmen Aufgaben der Gesundheitsförderung. Unser Ziel ist, ein verantwortungsbewusstes, gesundheitsgerechtes Verhalten zu fördern. Die Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“ fördert eine kritische Einstellung gegenüber Alkohol und das Erlernen eines selbstbestimmten, risikoarmen Konsumverhaltens.

      Seit Kampagnenstart 2009 ist es unser Anliegen, Jugendliche zu erreichen und zu informieren. Dabei berücksichtigen wir vor allem die Faktoren, die dazu führen, dass man über das Limit hinausschießt. Auf unserer Website und unseren Social-Media-Kanälen behandeln wir diese Themen, geben Tipps und bieten Hilfestellungen.

      Dein Team von „Alkohol? Kenn dein Limit.“

  2. Avatar

    Karsten

    Hallo,

    ist ja schon bezeichnend, dass Sie meine URL rausgenommen, wo alkoholkranke Menschen Hilfe bekommen.
    Natürlich rechtfertigen Sie Ihre Kampagne damit, dass jeder selbst entscheiden soll, wie viel Alkohol jeder trinkt.
    Nur sugerriert es in meinen Augen auch, dass Jugendlichen erzählt wird, Alkohol gehört zum Leben dazu. Das halte ich aber eben für falsch.

    Gerade von der BZgA hätte ich eine andrere Einstellung erwartet.
    Dann lieber keine Kampagne, als diese.

    Karsten

    1. KDL-Blog

      KDL-Blog

      Hallo Karsten,

      vielen Dank für deinen kritischen Kommentar. Leider können wir nicht auf deine Website verlinken, da sich diese durch Werbeeinnahmen finanziert (wie es im Impressum steht). Falls aber jemand Hilfe benötigt, kann er sich auf unserer Webseite eine Beratungsstelle raussuchen oder sich am Telefon beraten lassen.

      Unser Blog soll auf keinen Fall suggerieren, dass Alkohol zum Leben gehört, gehören muss oder soll. Allerdings entspricht es der Lebenswelt sehr vieler Jugendlicher, dass sie mit Alkohol in Berührung kommen: Der Alkoholsurvey der BZgA zeigt, dass 64,5 Prozent der 12- bis 17-Jährigen schon einmal Alkohol getrunken hat (Lebenszeitprävalenz), bei den 18- bis 25-Jährigen sind es bereits 94 Prozent.

      Wenn junge Menschen sich für Alkohol interessieren, wollen wir sie zu einem möglichst risikoarmen Konsum motivieren.

      Dass es sehr wohl ganz ohne Alkohol geht, greifen wir immer wieder auf. Zum Beispiel im Blog-Beitrag „Sommer, Sonne – Neue Leute!“, in dem wir  Tipps geben, wie man Leute kennenlernt – ganz ohne Alkohol. Vielleicht interessiert dich auch noch der Blog-Beitrag „5 Gründe, warum ich keinen Alkohol mehr trinke“.

      Dein „Alkohol? Kenn dein Limit“-Team

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