Robert

„Trink nicht so viel“

von Robert am

„Trink nicht so viel“, waren stets die letzten Worte meiner Eltern, bevor die Tür ins Schloss fiel und ich in eine Partynacht stürzte. Nicht so viel – aber wann ist es denn zu viel? Beim Sport kenne ich meine körperlichen Grenzen. Bei großen Radtouren werde ich duselig, wenn ich mir zu viel Anstrengung zumute. Konzentrationsschwäche, Gleichgewichtsstörungen und Orientierungsschwierigkeiten sind die Folge.

Vielleicht kann man das mit zu viel Alkohol trinken vergleichen? Nein, der Vergleich passt nicht ganz. Der große Unterschied ist: Beim Sport an seine Grenzen zu gehen, kann eine befreiende und glücklich machende Wirkung haben. Außerdem steigert man Stück für Stück seine Leistungsfähigkeit. Beim Trinken an seine Grenzen zu kommen, hat vor allem Kopfschmerzen und Unwohlsein zur Folge. Grenzen beim Sport zu verschieben steigert die sportliche Leistung. Beim Alkohol entwickelt der Körper dagegen bei einer Steigerung eine Toleranz gegenüber Alkohol, was zu riskanten Nebenwirkungen führen kann.

Ich bin sowieso kein euphorischer Trinker. Nach wenigen Bieren vergeht mir die Lust auf weitere Brauereierzeugnisse. Schnaps ist auch nicht mein Ding. Aber bei Spirituosen mit Orangensaft, Cola oder Mate gemischt ist es mir doch schon passiert, dass ich über mein Limit hinaus getrunken habe. Das Problem daran: Alkohol wirkt verzögert. In Mischgetränken wird er außerdem noch durch die süße Komponente verharmlost – dadurch kann es schnell passieren, dass man zu viel trinkt.

Mein Limit und das der anderen

Als Kleinstadtjugendlicher gehörten Dorffeste und der dortige Bierkonsum zu meinem pubertären Umfeld. Dabei waren mein Kumpel und ich die einzigen, die meist mit einer Flasche Apfelschorle im Rucksack anradelten. Der Rest der Clique hatte die üblichen Bier-Mix-Getränke dabei – Altersbeschränkungen haben vor zehn Jahren nur die wenigsten Händler interessiert. Zum Glück gab es unter meinen Freunden keine dummen „Weisheiten“ wie „Wer nicht kotzt, säuft nicht am Limit.“ Freundschaften auf der Basis gemeinsamen Betrinkens, habe ich zum Glück keine. Mindestens einer von uns musste das Auto fahren, blieb immer nüchtern und konnte im Notfall helfen, wenn sich doch jemand überschätzt hatte. Füreinander da sein – das weiß ich zu schätzen.

Im Endeffekt geht’s doch darum zu wissen, das Trinken und Betrinken nicht das Gleiche ist. Ein Getränk mit Freunden ist halt etwas anderes, als besoffen im Club die Kontrolle zu verlieren. Das ist nämlich alles andere als geil.

Vielleicht wollten mir meine Eltern genau das mit ihrem „Trink nicht so viel“ sagen.

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