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„Die Sache bereinigen“ – ein Einsatzleiter der Polizei im Interview

von Holm am

Alkohol und Fußball. Das sind zwei Sachen, die in Deutschland seltsamer Weise oft zusammengehören. Und wenn die Hemmschwellen durch Alkoholkonsum fallen und die Gemüter der Fans sich erhitzen, dann kommt es schnell zu Schlägereien und anderen Straftaten. Das Problem ist sogar so groß, das einige Länder Polizei-Sondereinheiten gründen. So tat es auch Bremen. Blogger Holm spricht mit dem „Polizeiführer Fußball“ Heinz-Jürgen Pusch (Dienstgrad: Polizeidirektor) über Alkohol, Hooligans und Gewalt.

Zuerst einmal platze ich mit meinem Anruf mitten in eine Einsatzbesprechung hinein. Er hat mir einen Termin für Samstag zum Telefoninterview gegeben.

Welche Aufgaben haben Sie als Polizist bei einer Großveranstaltung? 

Als Polizist hat man natürlich die Aufgabe Straftaten zu verfolgen und Gefahren abzuwehren. Zuerst einmal ist der Veranstalter für einen ordnungsgemäßen Ablauf zuständig und die Polizei eben, wenn unvorhergesehene Gefahren auftreten. Das können zum Beispiel eine Schlechtwetterlage sein oder die Tribüne stürzt ein und eben bei Straftaten, Körperverletzung, Diebstähle, solche Sachen.

Werden Präventivmaßnahmen bei Großereignissen getroffen, die Gewalt unter Alkoholeinfluss vorbeugen?

Sowohl die Veranstalter als auch wir schicken vor jeder Veranstaltung einen so genannten Fanbrief an den Gastverein, wo wir auch reinschreiben wie die Leute sich verhalten sollen und geben auch den Hinweis darauf, dass erkennbar alkoholisierte Leute gar nicht erst ins Stadion gelassen werden. Für Jugendliche unter Alkoholeinfluss gibt es spezielle Maßnahmen in Bremen. Im Wesentlichen werden die aber ihren Erziehungsberechtigten übergeben.

Warum werden immer mehr Polizisten benötigt um Auseinandersetzungen zwischen Fußballfans zu verhindern?

Das Problem ist halt – gerade auf Bremen bezogen – dass die erlebnisorientierten Jugendlichen gerne mal als Hooligans auftreten. Die sind auf der einen Seite für ihren Verein und auf der anderen Seite gegen die Hooligans bzw. Ultras der anderen Mannschaft und finden es schick sich abseits des Spielfeldes zu provozieren. Das geht von Laufspielen, bis hin zur körperlichen Auseinandersetzung. Und je unübersichtlicher das Gelände wird – und zwischen Hauptbahnhof und Weserstadion ist das Gelände sehr unübersichtlich mit all den kleinen Nebenstraßen – desto mehr Polizeikräfte benötigen wir. Vor allem um präventiv Straftaten zu verhindern.

Wie stark schätzen Sie den Faktor Alkohol als Risiko bei Großveranstaltungen wie einem Fußballspiel ein?

Die Hooligans trinken eigentlich eher weniger Alkohol, weil sie die körperliche Auseinandersetzung suchen und wissen schon, dass Alkohol da nicht hilfreich ist. Andere Gruppierungen sprechen eher dem Alkohol zu und es kommt zufällig zu Auseinandersetzungen. Da wird dann durch Alkohol die Hemmschwelle runtergesetzt.

Stimmen Sie einem Alkoholverbot in Stadien zu?

Es gibt so etwas bei manchen Spielen, allerdings ist die Erfahrung dann so, dass die Leute, wenn sie wissen, dass es im Stadion keinen Alkohol gibt, sich vorher entsprechend mehr antrinken. Das ist nicht gut. Besser ist es, wenn sie im Stadion noch 1 oder 2 Bier trinken. Das wird sowieso seltener gemacht, weil das Bier da teuer ist. Das ist besser, als wenn sich jemand vor dem Spiel schon so zudröhnt, dass er nichts mehr merkt und die Hemmschwelle dann ganz im Keller ist.

Woran merken Sie, dass Sie eingreifen müssen?

Es gibt natürlich schon Anzeichen vor einem Spiel, wenn zum Beispiel in Fanforen zu Treffen oder zu Aggression aufgerufen wird. Dann ist man natürlich schon sensibilisiert. Und am Spieltag merkt man sehr schnell, ob irgendwelche Fangruppierungen aggressiv sind oder vielleicht sogar anders angezogen sind – alle mit schwarzen Sachen oder Kapuzenshirts. Das sind dann schon Anzeichen dafür, dass man sich vielleicht vermummen und in Schutze dessen irgendwelche Straftaten begehen will. Manchmal merkt man das auch an der Stimmung: Wenn beispielsweise nicht gescherzt wird, oder die Fans nicht locker sind, weil sie sich mit großem Ernst auf irgendetwas vorbereiten.

Welche Altersgruppe ist am häufigsten in Auseinandersetzungen unter Alkoholeinfluss verwickelt?

Diese Ultragruppierungen bewegen sich ja so etwa im Alter von 16 bis 25 in der überwiegenden Zahl. Die Hooligan-Bewegungen werden langsam älter, da können die Leute schon so von Mitte 20 bis 40 sein, wobei es auch immer wieder jüngere Leute gibt, die da hineinwachsen. Es stellt eine Art Extremsport für sie dar, sich dort so einen Schlagabtausch zu liefern. Aber es sind schon die jüngeren Männer.

Was sind die Folgen für einen alkoholisierten Fan, der gegenüber anderen Fans oder der Polizei aggressiv wird?

Wenn es zum Beispiel zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommt, dann werden wie bei allen anderen Straftätern auch Anzeigen wegen Körperverletzung oder Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gefertigt. Das können auch Sachbeschädigung oder ein Vergehen nach dem Sprengstoffgesetz sein. Bei alkoholisierten Straftätern wird natürlich eine Blutprobe genommen um den genauen Alkoholgrad festzustellen. Das geht aber alles seinen normalen Gang, wie bei jeder anderen Straftat auch.

Stimmt es, dass Bremen deutschlandweit die meisten Einsatzstunden von Polizisten für Erstligaspiele einsetzt? Woran liegt das? Das Bremer Stadion ist bei weitem nicht das größte.

Das liegt an mehreren Faktoren. Einerseits liegt das Stadion quasi in der Innenstadt, auf der anderen Straßenseite sind gleich eine Kneipenmeile und ein Wohngebiet. Das bedeutet, das Gebiet zwischen Stadion und Hauptbahnhof ist Innenstadtbereich und dort finden natürlich vor und nach dem Spiel die Fanbewegungen statt und da muss die Polizei aufpassen. Das ist gerade in Bremen sehr kräfteintensiv. Andererseits ist die politische Leitline in Bremen, dass wir keine so genannten Fanmärsche dulden, das heißt wir dulden es nicht, dass vom Hauptbahnhof durch die Straßen tausende Menschen ziehen. Deswegen machen wir dort ein so genanntes Shuttlekonzept, das heißt die Leute werden direkt vom Bahnhof mit Bussen zu Stadion gebracht. Und die Überwachung dieser Shuttles, Ein- und Ausstieg beispielsweise kostet auch zusätzliche Kräfte.

Vielen Dank für das Interview, Herr Pusch!

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