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„Die Leute freuen sich, uns zu treffen“ – ein Peer im Portrait

von Franka am

Habt ihr schon mal die Peers von „Alkohol? Kenn dein Limit.“ gesehen? Sie sind auf Festivals oder in den Fußgängerzonen deutscher Städte unterwegs. Dort klären sie Jugendliche über Alkohol und die damit verbundenen Risiken auf. Annika (21) ist eine von ihnen. In ihrem „normalen Leben“ studiert sie Psychologie im fünften Semester in Hildesheim, macht gerne Yoga und begeistert sich für das Theater.

Junges Mädchen reicht einen Infoflyer in die Kamera.

Am Anfang

„Auf einem Plakat in unserer Uni habe ich gelesen, dass Peers gesucht werden. Jetzt bin ich schon das zweite Jahr dabei“, verrät Annika. Bevor sie allerdings ihre Arbeit als Peer beginnen durfte, musste sie an einem vorbereitenden Seminar teilnehmen. „Wer über Alkoholkonsum redet, muss sich natürlich auch selbst mit der Thematik auskennen. Außerdem hat man uns Tipps für den Umgang mit schwierigen Situationen an die Hand gegeben.“ Bisher hat Annika allerdings mehr positive als negative Erfahrungen bei ihrer Arbeit als Peer gemacht. Die Jugendlichen sind meist sehr aufgeschlossen und interessiert an der Kampagne, erzählt sie mir.

Flaschendrehen mal anders

Besonders das Quiz sorgt für eine heitere Diskussion, wenn sie es mit Gruppen von Jugendlichen durchführt. Hier kann das eigene Wissen zum Thema Alkohol auf den Prüfstand gestellt werden. Das Spiel ist aufgebaut wie das klassische Flaschendrehen, findet aber auf einem Tablet statt. Zeigt die Flasche auf eine Frage, muss diese beantwortet werden. Holm wird euch bestätigen können, dass die Fragen alles andere als einfach sind.

Infomaterialien zur Kampagne "Alkohol? Kenn dein Limit."

Von Grenzen und Limits

„Betrunkene sprechen wir auf unseren Einsätzen gar nicht erst an. Die verstehen in dem Moment ja gar nicht mehr, worum es geht“, erzählt Annika. Ihre anfängliche Sorge, dass zum Beispiel Besucher von Festivals genervt auf sie reagieren könnten, hat sie schnell verloren. Das ist einer der großen Vorteile an ihrem Job als Peer, denkt Annika: „Ich lerne immer wieder neue Leute in lockerer Atmosphäre kennen. Ich bin durch die Arbeit für „Kenn dein Limit‘ ganz schön rumgekommen.“ Bisher informierte Annika zum Beispiel auf dem Highfield Festival, in der Fußgängerzone von Dresden und an der Ostsee – und weitere Einsatzorte sind schon in Planung. Ein Einsatz als Peer dauert dabei zwei bis vier Tage. Viel Zeit, um sich auch mit den Kollegen näher anzufreunden. „Ich reise viel, habe Spaß und scheinbar ganz nebenbei tue ich auch noch etwas Gutes“, schwärmt Annika von der Arbeit als Peer. Aber natürlich gibt es auch Situationen, in denen sie ins Grübeln kommt.

„Wir haben einen Jungen, der auf der Straße lebt, angesprochen. Er war erst 16 und hat uns erzählt, dass Alkohol seine einzige Perspektive sei, weil er seine Schule abgebrochen hat und kein Dach über dem Kopf. Ich hätte ihm wirklich gerne geholfen, aber das überschreitet leider das, was wir leisten können.“ Als Peer klärt Annika über das Thema Alkohol auf. „In solchen Fällen verweisen wir auf Suchtberatungsstellen.“ Bei einer Abhängigkeit ist professionelle Hilfe durch Psychologinnen und Sozialarbeiter notwendig, da sind ihre Grenzen leider erreicht. Das weiß Annika und lässt das Thema deshalb nicht zu sehr an sich ran: „Auch wenn ich Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit nicht helfen kann, ist die Arbeit als Peer dennoch sehr wichtig. Die Bestätigung dafür bekommen wir auf unseren Einsätzen auch immer wieder. Die Leute freuen sich, uns zu treffen und bisher hat mir noch niemand gesagt, dass unsere Arbeit unnütz sei. Die Jugendlichen empfinden die Kampagne als richtig und wichtig. Und deshalb bin ich froh, dabei zu sein!“

Die Peers:

Mädchen zwischen zwei Jungs. Ein Junge präsentiert Flyer.

Ihr wollt mehr über die Peers erfahren oder euch selbst dazu bewerben? Dann schaut mal auf der Unterseite „Peers“ vorbei!

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