Franka

Mama und Papa, wie war das eigentlich bei euch …

von Franka am| 1 Kommentar

… mit den Bienchen und Blümchen? Nein, so ein Gespräch sollte es nicht werden! Weil ich mich aber gerade mit möglichst vielen Menschen über Alkoholkonsum kritisch austausche, liegt es für mich nahe auch mal meine eigenen Eltern nach ihrer Meinung zu fragen. Also, Mama und Papa, wie war das eigentlich bei euch früher mit dem Alkohol?

Papa: Uns hat man auch gesagt, dass wir zu viel trinken. Wir waren früher auch schon die „bösen“ Jugendlichen. Ich glaube, das ist ein Phänomen, das sich niemals ändern wird.

Mama: „Diese Jugendlichen heutzutage…“ Das mussten wir uns damals genauso anhören wie ihr heute. Ich kenne den Spruch von meinen Eltern und Großeltern auch nur zu gut. Und natürlich hatten sie auch nicht ganz Unrecht. Ich habe ein paar Mal „zu tief ins Glas geguckt“. Manchmal passiert mir das heute auch noch, wenn ich zum Beispiel auf leeren Magen etwas trinke, geht das meist nach hinten los.

Ich: Aber hat sich dann überhaupt etwas geändert? Oder sind wir einfach nur die nächste Generation?

Papa: Natürlich hat sich etwas geändert. An erster Stelle ist das der große Einfluss der Medien. Ihr werdet viel stärker beeinflusst von Fernsehen, Zeitschriften und dem Internet. Alkohol ist allgegenwärtig und man kann ihn überall kaufen. Sogar Online! Aber zum anderen denke ich, dass unser Verhältnis von Vater zu Tochter ehrlicher und entspannter ist. Ich konnte mit meinen Eltern früher nicht so offen und ehrlich reden.

Ich: Ja, da könnte was dran sein. Was war an deinem Verhältnis zu deinen Eltern früher denn so anders?

Papa: Naja, ich hätte mich nicht getraut, betrunken nach Hause zu kommen. Ich hoffe, du weißt, dass du immer, jederzeit nach Hause kommen kannst. Wenn du zu viel getrunken hast, freuen wir uns nicht über deinen Zustand. Aber es ist uns lieber, dass du hier her kommst, als dass du dir die Nacht um die Ohren schlägst und dabei vielleicht sogar noch mehr trinkst.

Mama: Denk jetzt aber nicht, dass das eine Freikarte zum „Saufen“ ist! Mir ist es nur lieber, ich weiß, was in deinem Leben passiert und am nächsten Tag können wir ehrlich darüber reden. Ich will dir dabei keine Standpauke halten, aber wenn du zu viel trinkst, möchte ich gerne wissen, woran das liegt.

Ich: Wann hattet ihr den ersten Rausch?

Papa: Das kann ich dir gar nicht mehr sagen. Aber ich hatte ihn recht spät. Wir haben insgesamt später angefangen zu trinken. Ihr wollt schon mit 16 in die Disko. Bei uns hat der Alkoholkonsum erst später zugenommen. Zum Beispiel bei den ersten Einzugspartys oder Hochzeiten.

Mama: Ich würde auch nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass ich nie wieder betrunken bin. Was aber glaube ich der Unterschied bei mir heute ist: Früher hat man es auch mal drauf angelegt, betrunken zu werden. Man wollte viel trinken und vertragen. Wenn ich heute beschwipst bin, dann ist das ein Versehen. Dann habe ich zu wenig gegessen und abends zu viel Wein mit deinem Vater getrunken. Ich gehe aber nirgendwo mehr mit dem Vorsatz hin zu trinken.

Ich: Beweisen müssen, dass man viel verträgt … ja. Das kenne ich aus meinem Freundeskreis. Und was habt ihr für Tipps für mich? Wie sollte ich nach eurer Meinung mit Alkohol umgehen?

Papa: Es wäre blöd zu sagen, dass jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln muss. Denn natürlich möchte ich nicht, dass du im Vollrausch durch die Gegend torkelst und betrunken bist. Wenn es passiert, kann ich es allerdings nicht verhindern. Ich denke auch nicht, dass ich immer den richtigen Umgang mit Alkohol wähle. Nur, weil ich älter bin als du, mache ich nicht alles richtig.

Ein Kommentar zu: ““Mama und Papa, wie war das eigentlich bei euch …”

  1. Avatar

    Enno Pfaffenberger

    Ich bin jetzt 51 Jahre, und auch in meiner Jugendzeit gehörte Alkohol zum Alltag. Wir trafen uns im Park oder in Gartenlauben, hörten gemeinsam Musik, und ein zwei Kisten Bier waren immer dabei, manchmal auch ein Rohr (Flasche Schnaps). Beim Tanz gab es zwar noch kein Flatrate-Saufen, dafür aber Wettsaufen. Wer den halben Liter Bier zuletzt leer hatte musste die nächste Runde zahlen. Als ich mit 14 Jahren meine erste Alkoholvergiftung hatte berichtete zwar nicht die Zeitung, aber immerhin war ich Stadtgespräch. Sicherlich wurde mir damals ans Herz gelegt, nicht mehr so viel zu trinken, doch auf fruchtbaren Boden fielen die Gutgemeinten Worte nicht. Meine Trinkerei blieb natürlich langfristig nicht ohne Folgen: Ohne es zu merken und ohne es zu wollen wurde ich abhängig. Ich hätte auch nie geglaubt, das mir das passieren könnte, doch dann wa es irgendwann soweit: Jeden Tag war ich betrunken, an vieles was ich tat konnte ich mich nicht mehr erinnern, und für so einige Suff-Storys von denen ich später erfuhr kkann ich mich heute nur schämen. Der Alkohol, mein einstiger Freund und Begleiter hatte mich niveaulos, stillos und auch skrupellos gemacht. Ich war nicht mehr der der ich eigentlich sein wollte, doch ohne meine Schnapsflasche ging auch nichts mehr. Doch Gott sei Dank habe ich den Absprung geschafft, lebe seit 23 Jahren absolut alkoholfrei und bin glücklich dabei

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