Franka

Aber selbstverständlich!

von Franka am

Droge … das ist ein schlimmes Wort. Ich verbinde es mit Junkies, Abhängigkeit und einem Leben, das komplett aus den Fugen gerät. Dabei ist Alkohol auch eine Droge und nicht jeder, der etwas trinkt, verliert komplett den Boden unter den Füßen.

Wenn das so wäre, hätte ich mein Studium auch schon abgebrochen und wäre unter der Brücke gelandet. Warum aber hat Alkohol ein so viel besseres Image als alle anderen Drogen?

Tolles Image und Selbstverständlichkeit

Der Griff zum Cocktail beim Feiern, das Glas Sekt zum Anstoßen oder das Bier beim Fußball – ein Problem sehe ich darin nicht. Das Problem sehe ich viel mehr darin, dass es für uns selbstverständlicher ist Alkohol zu trinken als nicht zu trinken. Jeder weiß, dass Alkohol der Gesundheit schadet. Aber es wird immer nur darauf gepocht, dass wir in der Disko nicht die Wirkung von Alkopops unterschätzen. Wer aber kritisiert das allabendliche Glas Wein, dass unsere Eltern trinken? Gesünder ist das auch nicht. Denn nicht nur die Menge, sondern auch die Regelmäßigkeit spielt eine große Rolle, wenn es um Gesundheit oder drohende Abhängigkeit geht. Alkoholische Getränke sind immer gegenwärtig und die Hemmschwelle zum Glas zu greifen sinkt – auch für mich. Zu einem Absacker nach dem Essen sage ich selten nein, schließlich trinkt fast jeder mit. Es scheint dazu zu gehören. Wäre es nicht besser, wenn wir alle öfter Nein sagen würden – gemeinsam und als Gesellschaft?

Alkohol in der Gesellschaft

Wer in unauffälligen Mengen Alkohol trinkt, muss das nicht begründen. In unserer Kultur muss man sich für den Konsum von Alkohol meist nicht rechtfertigen. Gründe für einen Rausch müssen wir häufig gar nicht erst nennen. Wer aber nicht zum Glas greift, d.h. keinen Alkohol trinken möchte, der hat Mühe sich vor seinen Freunden zu rechtfertigen. Es wird uns jungen Menschen auch vorgelebt: Erwachsene trinken ihren Wein oder das Bier vor Kindern. Selbst das Trinken in der Öffentlichkeit ist inzwischen alltäglich. Beim Thema Alkohol scheinen unsere normalen Ansichten zum Thema Drogen komplett auf den Kopf gestellt zu sein. In anderen Ländern wird der Alkoholkonsum da kritischer als bei uns in Deutschland gesehen.

Es ist wirklich verzwickt mit dem Alkohol. Wir wissen, es ist eine Droge. Wir sind gut aufgeklärt. Und trotzdem ist uns der Konsum einer Droge beim Trinken selten bewusst. Alkohol gehört bei so vielen Gelegenheiten ganz selbstverständlich dazu. Pro Kopf sind es im Jahr etwa 10 Liter Reinalkohol. Das Gefährliche: Was normal ist, hinterfragt irgendwann keiner mehr. Und damit diese 10 Liter pro Kopf/Jahr nicht „normal“ bleiben, müssen wir über Alkoholkonsum reden.

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