Holm

Alkohol und Aggressivität

von Holm am

„Diggah, ich hau dir gleich mal hart auf die Fresse! Verzieh dich aus dem Bild!“ Schon mal gehört? Da steht man einmal unglücklich vor dem Fußballfernseher in der Kneipe und muss direkt eine Entscheidung treffen.

Wenn man dann auch noch selbst vorher etwas getrunken hat, fällt die umso schwerer. Soll man dem Idioten aufs Maul hauen oder einfach zwei Schritte zur Seite gehen? Er hat sich schon ziemlich unangemessen ausgedrückt… Ich kneife die Augen zusammen, fixiere den Fußballfan und setze zu einer angemessenen Antwort an.

STOP! Gewalt ist nie eine Lösung!

Wie geht es jetzt weiter? Schubs, Schlag, Zahn, Blut, Krankenhaus, Polizei, Gerichtsverfahren, Schulden? Das wäre schon reichlich dämlich, nur um einem Betrunkenen die Meinung zu geigen. Sich schlagen ist sowieso schon dämlich, aber betrunken erst recht.

Aber genau da liegt das Problem: Alkohol begünstigt Aggression. Wann immer wir trinken, setzt eine gewisse Wirkung ein. Die Reaktionen werden langsamer, die Sicht ist nicht mehr so klar, kurz: Alkohol beeinflusst die Vorgänge im Gehirn.

Macht Alkohol aggressiv?

Normalerweise würde ich dem nervenden Fußballfan natürlich keine reinhauen, sondern einfach zur Seite gehen. Ist doch den Aufwand auch gar nicht wert. Alkohol stört aber die Informationsverarbeitung des Gehirns. Das bedeutet, dass die auf uns einprasselnden Eindrücke nicht mehr so gut oder sogar falsch verarbeitet werden können. Der Gedanke daran, dass es gar nichts mit mir persönlich zu tun hat und dass er einfach gerne den Ball sehen würde, kommt mir dann gar nicht mehr.

Aber ehe die Sirenen heulen, können wir natürlich etwas tun. Klar ist im eigenen Limit bleiben das oberste Gebot, denn die Fehler in der Informationsaufnahme steigen natürlich mit dem Pegel. Die zweite gute Möglichkeit ist das Sammeln von Wissen, und dafür seid ihr ja hier im Blog: Das machen wir natürlich für euch. Also los geht’s!

Weniger Selbstkontrolle

Dass Alkohol die Informationsverarbeitung beeinflusst, wissen wir jetzt schon. Aber es passiert noch viel mehr, was aggressive Ausbrüche fördert. Die Hirnbereiche für die Selbstkontrolle werden geschwächt, deswegen sind wir ja auch so „mutig“, wenn wir getrunken haben bzw. unterschätzen ganz schnell mal ein Risiko. Unter Alkoholeinfluss sieht der bedrohlich große Fußballfan eher aus wie ein dicker schwerfälliger Biertrinker.

Ebenfalls wird unter Alkohol verstärkt Dopamin im Gehirn ausgeschüttet. Das ist vereinfacht gesagt das so genannte „Glückshormon“. Das führt dazu, dass wir viel lieber und viel schneller Entscheidungen treffen. Sonst wird der Haudrauf-Plan gründlich überlegt, jetzt erscheint er wie die Lösung aller Probleme.

Natürlich stimmt es, dass Aggressivität nicht nur vom Alkohol kommt. Aber dadurch wie er wirkt, befeuert er aggressives Verhalten. Leider zeigt uns die Werbung ein ganz anderes Bild. Da geht es um Spaß, Freiheit, Abenteuer, entspanntes Zusammensitzen… Auf den aktuellen Plakaten von „Alkohol? Kenn dein Limit“ steht, dass ein Drittel aller angezeigten Körperverletzungen unter Alkoholeinfluss geschehen. Klingt ein bisschen anders als die Freiheit aus der Flasche.

Denkt also besser einmal mehr über eine Entscheidung nach, wenn ihr getrunken habt. Ich hab mich jedenfalls nicht provozieren lassen. Denn: Denken geht bei mir immer besser, wenn ich im Limit bleibe.

Kompakte Infos liefert euch das Factsheet der BZgA zum Thema „Alkohol und Aggressionen“.

Ein junger Mann hebt den Daumen und schaut in die Kamera.

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