Franka

Die richtige Formel

von Franka am

Public Viewing und Plastikbecher gefüllt mit Bier – es scheint, als wäre das ein Gesetz. Selbst meine Mutter, die eigentlich nie Bier trinkt, bekommt während der WM unter strahlendem Himmel Lust auf ein kühles Blondes.

Die Formel Fußball + Leinwand + Sonne = Bier gestaltet sich bei mir gerade etwas schwierig. Ich mag Bier, bin kein Alkoholverweigerer, aber gerade in der Prüfungszeit sind Promille mein Feind. Nach einem Fußballspiel muss ich mich wieder an meinen Schreibtisch setzen und lernen. Mit Bier bin ich unkonzentriert und mein Gedächtnis arbeitet nicht mehr so mit, wie es kurz vor der Prüfung soll. Aktuell lautet meine Formel also: Fußball + Leinwand + Sonne + Limonade = gute Noten.

 

Public Viewing zusammen ohne Bier

Wie reagiert aber mein Freund, wenn er mich mit einem Besuch im „WM Wohnzimmer“ in Berlin überrascht und ich das Bier ablehne? Wird er enttäuscht sein, wenn wir zusammen zum Public Viewing ins größte Wohnzimmer der Welt inklusive Sofas und Wohnzimmertapete gehen und ich keine Lust auf Alkohol habe?

Seine erste Reaktion: WARUM DAS DENN? Seine zweite Reaktion: WAS WILLST DU DENN DANN TRINKEN? Reaktion Nummer drei: Gut, dann verzichten wir heute beide. Seine letzte Reaktion: Ich brauche wenigstens was Süßes, damit meine Hände beschäftigt sind.

Kaum hat er sich mit meiner Entscheidung zufrieden gegeben und knabbert an seinen Mutzenmandeln, fragen unsere Sitznachbarn, ob wir ein Bier haben wollen. Sie haben eins über. Konsequent lehnen wir ab und seltsamerweise habe ich das Gefühl, unhöflich zu sein.

Es ist dieses Gefühl, das hochkommt, wenn man von Schwiegermutter in spe  das selbstgebackene Stück Kuchen ablehnt. Unhöflich, weil ich nicht mittrinke – ein absurder Gedanke! Das fehlende Bier in unseren Händen macht die Sitznachbarn zwar stutzig, aber nach einem zweiten „Nein, danke!“ haben sie es auch verstanden.

Nicht der Alkohol fehlt, sondern Tore!

Ich gestehe: Das Fußballspiel war wirklich langweilig. Das lag aber nicht an dem fehlenden Bier, sondern an der Tatsache, dass es so gut wie gar keine Torchancen gab und das einzige Tor ohne große Ankündigung in der 87. Minute gefallen ist. Natürlich genau in dem Moment, in dem ich den letzten Süßkram in der Papiertüte gesucht habe und mit meiner Nase im Zucker steckte. Das einzig spannende habe ich also verpasst.

Trotzdem bin ich mir sicher: lieber Zuckernase als Schnapsnase.

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