Maja

Eine steile These… ja, wirklich!

von Maja am

Omi klingelte mit ihrem Goldlöffel am Sektglas. Als alle kurz innehielten, bedankte sie sich ausführlich für die Geschenke und ließ die Feier beginnen. Wir tranken auf ihren 80. Geburtstag und alle waren gut drauf, auch der sonst echt superspießige Nachbar mit den akribisch geharkten Beeten. Er schenkte fröhlich Schnaps nach. Als er etwas verschüttete, winkte er ab: “Ach, heute ist das mal egal.” Die Kuchenreste in seinem Bart waren ihm auch egal.

 Das passt eigentlich ganz gut zu dem, was ich später auf einer Party unter Studenten beobachtet habe: Mit jedem Zuprosten war es okayer, eben genau nicht mehr so zu sein, wie es sonst alle von einem erwarten. Plötzlich befinden sich alle in einem lauten, frechen und vielleicht sogar verrückten Ausnahmezustand.

Jetzt die steile These: Durch das Anstoßen verabschiedet man sich gemeinsam vom Alltag! Und verstößt absichtlich gegen Vorschriften wie Zimmerlautstärke, saubere Bärte und vernünftig sein. Das Anstoßen ist (wie beim Fußball) der Start für ein Spiel. Schon vorher wissen alle, dass später die sonstigen Regeln wieder gelten werden. Sozusagen ein Regelnbrechen nach Regeln.

Regelnbrechen hin oder her: Was zählt, ist das Zusammensein und Feiern. Feste sind ein schönes Phänomen,  was genauso gut mit alkoholfreien Getränken funktioniert – ich kann das aus eigener Erfahrung sagen.

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