Michel

Es geht auch ohne Alkohol

von Michel am

Am Samstag war es soweit. Ich hab mich mit Yannick – der seit einigen Jahren komplett auf Alkohol verzichtet – getroffen. Wie der 20-Jährige mit dummen Sprüchen umgeht und warum Spaß ohne Alkohol sehr gut funktioniert, erfahrt ihr in meinem Interview mit ihm.

 

Yannick, seit wann trinkst du keinen Alkohol mehr?

Mit 14 Jahren habe ich das erste und letzte Mal Alkohol probiert. An Silvester habe ich an einem Glas Sekt genippt und fand es widerlich. Ich habe alleine mit meinen Freunden gefeiert und gesehen, wie sich manche mit Bier betrunken haben. Es hat sich auch jemand übergeben. Das mitzuerleben war für mich in dem Alter ein schreckliches und sicherlich auch prägendes Erlebnis. Schon da habe ich für mich entschieden, dass ich keinen Alkohol trinken möchte.

Hast du an deiner Entscheidung auf Alkohol zu verzichten auch mal gezweifelt?

Am Anfang war es schwierig, der einzige in einer Gruppe zu sein, der keinen Alkohol trinkt. Ich glaube, dass Gruppendynamik da eine große Rolle spielt. Jeder muss aber für sich selbst entscheiden, was das Richtige für ihn ist und auch dazu stehen. Nachdem ich meinen Freunden drei bis vier Mal erzählt habe, dass ich nichts trinken würde, haben sie es auch akzeptiert und es war schnell kein Thema mehr.

Du hast von Gruppendynamik gesprochen. Was meinst du damit?

Für viele Jugendliche ist Alkohol cool und reizvoll. So entsteht in einer Gruppe der Gedanke, man müsste Alkohol trinken, um dazu zu gehören. Das mag jetzt sehr platt klingen: Aber man muss sich diesem Bild von Alkohol und auch seinen Freunden entgegenstellen können. Man muss zu seiner Entscheidung stehen. Sollten die vermeintlichen Freunde das nicht tolerieren und die Freundschaft vom Alkohol trinken abhängig machen, sind sie vielleicht nicht die Freunde, die man haben möchte. Sind meine Freunde an mir als Person interessiert oder nur an einem Saufkumpanen?

Was gibt dir den Rückhalt, immer „Nein“ zu Alkohol zu sagen?

Mittlerweile bekomme ich immer öfter positive Reaktionen, wenn Leute hören, dass ich keinen Alkohol trinke. Meine Familie und Freunde stehen da hinter mir und zum Teil sind sie sogar stolz auf mich. Es sind viele kleine Dinge, die ein positives Gefühl hinterlassen. Ich habe gelernt, dass man offen und offensiv damit umgehen muss. Fängt man an, Ausreden für den Alkoholverzicht zu suchen, dann steht man auch nicht hinter seiner Einstellung.

Glaubst du, dass die Schwierigkeit auch in unserer Gesellschaft liegen kann?

Mir wurde mal die Frage gestellt, ob ich denn keinen Spaß haben will, weil ich keinen Alkohol trinke. Ich finde es sehr komisch, wenn man Alkohol braucht, um Spaß zu haben. Viele Leute sind im Umgang mit Alkohol zu sehr abgestumpft. Die Risiken werden runtergespielt oder ignoriert. Heutzutage wird es schon eine Woche danach belächelt, wenn jemand mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus lag. Das ist doch verrückt!

Was könnte der Einzelne für sich ändern?

Seine Einstellung! Geht man ohne Alkohol feiern, darf man sich nicht einreden es wäre schlechter oder würde keinen Spaß machen. Dann fühlt es sich auch so an. Man muss sich darauf einlassen und da positiv rangehen. Ich schaue den anderen ja nicht beim Feiern zu. Ich bin ganz normal dabei, nur eben ohne Absturzrisiko.

Und noch eine andere Sache: Ich weiß selber gar nicht wie viel Geld ich schon dadurch gespart habe, dass ich keinen Alkohol trinke! Definitiv eine Menge!

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