Maja

Schauspielkünste auf einem Weingut

von Maja am

Manchmal muss man es eben tun: Koffer packen und Richtung Süden fliegen. Ohne Plan, einfach los. Mein Bruder und ich haben das vorvorgestern getan. Seitdem blinzeln wir in die Sonne Portugals, sagen freundlich “Bom Dia!” und cruisen mit einem Auto durch Landschaften voller Oliven- und Orangenbäume.

Der Roadtrip führte uns auch ins Douro-Tal, das sich als DAS Weinanbaugebiet von Portugal (und vielleicht auch der Welt) herausstellte. Beim Durchqueren dieser Weinberge, Weinberge und Weinberge beschäftigte ich mich gerade mit der Frage, wie ein Getränk eigentlich “trocken” schmecken kann, als mich die Aussicht ablenkte: Tal an Tal zogen die Weinreben Linien quer durch die Hänge, von links nach rechts und rechts nach links – tatsächlich, eine ganze Landschaft wurde dort für den Alkohol geometrisch umstrukturiert.

Wie wir uns verfahren konnten, ist mir ganz ehrlich schleierhaft. Aber urplötzlich standen wir in einer menschenleeren Sackgasse. Irgendwo mit 90% Steigung auf einem der besagten Weinberge. Als wir so zwischen den alten Rebstöcken, die wie knochige Finger aus der Erde ragten, verloren gingen, steuerten wir auf ein verstecktes Weingut zu. Dort klopfte ich zaghaft an die Tür: „Bom Dia?“. Weil sich dorthin wohl nur selten jemand verirrt, wurden wir sofort begeistert an die Hand genommen und durch das Gut geführt. Ein undurchschaubares System von Fässern und Schläuchen! Und am Ende: Eine Kostprobe! Vom Familienwein! Tradition und so!

Ich zögerte. Ein Glas Urlaubswein auf diesem zauberhaften Weingut stand meiner Fastenzeit gegenüber. Ich wollte aber standhaft bleiben. Also entschloss ich mich, nur so zu tun, als würde ich probieren. Damit würde ich dem Winzer nicht das Herz brechen, weil ich seinen heißgeliebten Wein ablehne und gleichzeitig der Fastenzeit treu bleiben.

Selbstbewusst nippte ich am Glas und schloss dabei krampfhaft den Mund. Meine “Kostprobe” kann maximal nur eine Nanosekunde gedauert haben. Ich nickte übertrieben mit dem Kopf und sagte mit Nachdruck “Hmmm! Wow!!!!!!!!!” und riss euphorisch einen Daumen in die Luft. Der Winzer war über mein Urteil vom Mikroschluck verunsichert, mein Bruder wohl eher von meinen schlechten Schauspielkünsten.

Als ich mich wieder auf dem Beifahrersitz niedergelassen hatte und versuchte, die Landkarte auseinander zu falten, lag auf meinem Schoß eine Flasche Wein. Vielleicht hole ich meine Kostprobe ja irgendwann nach.

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