Maja

In Ruhe ausrasten

von Maja am

So ein Mist! Ich kam nach Hause, schlug die Tür zu und wollte nur noch fluchen.

Gestern gab es so viel zu erledigen, zu beantworten, zu erinnern, zu vergessen, hierhin dahin, dies noch, das noch, achso achja. Nur Stress, ich sag’s euch, selbst „Stress“ ist noch untertrieben! Ich war auf 180. Die Welt hatte sich gegen mich verschworen, kein Zweifel.

Zum Runterkommen setze ich mich in solchen Situationen am liebsten auf mein Fensterbrett und atme erstmal tief durch. Im Fall der Fälle genehmige ich mir dann auch ein Glas Wein. Gestern war definitiv der Oberfall aller Fälle. „Jetzt geht auch das nicht, maaaaan“, grummelte ich mit Augen auf Halbmast. In meinem Kopf kreisten die Gedanken um den ganzen Stress. Was könnte mich jetzt ein bisschen ablenken oder wenigstens beruhigen, so wie es der Wein sonst tat?

Essen. Aber nur richtig Leckeres aus dem Lieblingsladen am anderen Ende der Stadt. Hin da! Ich stapfte in den Keller und holte mein Fahrrad zum ersten Mal in diesem Jahr raus. Ganz vergessen, wie schön der alte Drahtesel aussieht. Der erste Tritt in die Pedale zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht: Stimmt ja, es quietscht etwas. Ich fuhr mehrere Umwege, schlenkerte im Schritttempo durch kleine Gassen und am Wasser entlang, ließ die erste Frühlingsluft mein Gesicht pinseln, übte das freihändige Eiern und raste durch den Park, klingeling, hier kommt Maja! Es war, als würde mir der Wind den Stress aus dem Kopf pusten und das gleichmäßige Pedaltreten meine Gedanken zurechtrücken.

Als ich am Lieblingsladen ankam, hatte er längst geschlossen. „Nicht so schlimm“, dachte ich und strahlte mein Fahrrad an. Die Ablenkung hatte ich längst gefunden.

 

 

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