Johannes

Im Strudel der Trinkspiele

von Johannes am

Auf Partys finden Trinkspiele immer wieder Verwendung. Sie erzwingen sowohl die Gesellschaft als auch das Trinken.

Die meisten werden sie kennen, diese seltsame Stimmung, wenn eine Party nicht wirklich in Gang kommen mag. Alle sitzen auf ihren Plätzen, nuckeln an ihren Pappbechern und jeder unterhält sich nur mit den Leuten, die er eh schon kennt.

Aus Verzweiflung die Party könnte gelaufen sein bringt ein Trinkspiel die Leute dann an einen Tisch. Sie werden gezwungen, miteinander zu interagieren und dabei – und das ist das Fatale – gezwungen zu trinken, was wiederum die Interaktion zwischen den Menschen fördert. Ein Kreislauf in dem es nur Gewinner gibt. Oder?

Ich könnte jetzt über die Gefahren von Trinkspielen sprechen – wie z.B. der gefährliche Gruppenzwang, der uns dazu bringt, mehr zu trinken als wir eigentlich vertragen. Das soll aber nicht Thema meines Textes sein. Viel mehr würde ich gerne über die Logik hinter Trinkspielen nachdenken. Denn es stimmt zwar, dass sie die Gesellschaft zwischen den Partygästen fördern – Spiele tun dies meistens – sie folgen dabei aber sehr widersprüchlichen Regelungen.

Jedes Trinkspiel funktioniert so, dass das Trinken die Strafe für das Verlieren ist. Und diese Logik ist doch irgendwie pervers. Denn das Trinken von Alkohol sollte nicht als Strafe missbraucht werden. Man kommt doch freiwillig zusammen, um zu feiern. Warum sich also zum Alkohol zwingen lassen? Nur weil die Stimmung nicht ausgelassen genug ist?

Verantwortungsvoll trinken heißt für mich nicht, den Alkohol reinzwingen , um in den Zustand der Besoffenheit zu gelangen – das ist sogar vielmehr das Gegenteil vom verantwortungsvollen Trinken! Ich auf jeden Fall denke mir immer bei Trinkspielen: Wieso soll ich mich dem Zufall hingeben? Ich will die Kontrolle über mich haben.

Aber wahrscheinlich reizt viele beim Trinkspiel der Kontrollverlust.Vielen geht es darum, sich dem Alkohol hinzugeben. Das Spiel wird da nur Mittel zum Zweck. Das habe ich schon öfters auf Parties beobachtet. Am Anfang spielen die Leute noch die relativ komplexen Spiele. Manche erfordern Geduld und bei einigen muss man sogar rechnen. Je länger die Party aber dauert, desto simpler werden die Spiele.

Warum? Weil man wohl eine Berechtigung braucht, um zu Saufen. Viele Spieler ahnen wahrscheinlich, dass ein Vollrausch nichts Gutes an sich hat.

Ich erinnere mich an ein Extrem: An Silvester saßen zu später Stunde zwei meiner Freunde am Tisch und warfen eine Münze. Bei Kopf trank der eine, bei Zahl der andere. Ein eher simples Spiel, aber wohl das einzige, zu dem sie noch in der Lage waren.

In so einem Moment wird mir oft klar, dass die Stimmung auf einer Party durch einen Rausch nicht angehoben wird. Ich würde auf Parties stattdessen lieber Spiele ohne Alkoholeinsatz spielen. Ob und wie viel ich trinke, bleibt dann mir selbst überlassen.

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