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Helden der Nacht: Der Stationsleiter der Notaufnahme

von Lien am| 1 Kommentar

„Donnerstag ist der neue Freitag“, so Daniel Filipaj zu den Ausgeh-Gewohnheiten der Stuttgarter. Der 35-Jährige ist Pflegerischer Leiter der Notaufnahme des Marienhospitals. Während die Arbeit unter der Woche für ihn abwechslungsreich bleibt, häufen sich am Wochenende die gleichen Vorfälle – jede Menge alkoholisierte Jugendliche und Erwachsene, die (halb)-bewusstlos eingeliefert werden. „Das fängt manchmal auch schon unter der Woche an. Ab Donnerstag geht’s aber richtig los“, erzählt mir der Stationsleiter bei einem Rundgang durch das Krankenhaus.

Notarzt vor Krankenhaus. Porträtaufnahme.

Auffällig sei, dass es keinen Unterschied beim Geschlecht gäbe. Bei ihm landen sowohl Mädchen als auch Jungs in der Notaufnahme. „Natürlich hängt es auch davon ab, ob es ein bestimmter Feiertag ist, aber es gibt eigentlich kaum ein Wochenende, wo wir nicht mindestens einen Fall haben“, erzählt Daniel. Erschreckend für ihn: „Teilweise kommen hier junge Frauen rein, die gerade mal 55 Kilogramm wiegen, aber 2,5 Promille intus haben. Nicht selten wurden die von unserem Rettungsdienst direkt vor der Disko aufgegabelt.“

Walk-of-Shame

Daniel hat in seinen sieben Jahren in der Notaufnahme schon viele kuriose Fälle erlebt, die Alkoholgeschichten sind aber immer gleich. Koma- oder Flatrate saufen ist dem Pflegerischer Leiter zufolge nicht das Problem. Seiner Meinung nach überschätzen sich die meisten Jugendlichen und ehe sie sich versehen, haben sie zu viel intus und befinden sich bei ihm in der Notaufnahme.

In dem Fall werden die Jugendlichen zur Beobachtung dabehalten und bekommen je nach Bedarf eine Infusion. Nach der Ausnüchterung folgt der „Walk-of-Shame“ nach Hause. Grund genug fürs Schämen gibt es: „Was viele nicht wissen, viele stuhlen bzw. urinieren im Alkoholrausch ein. Wenn sie dann morgens im Netzhöschen und einer Tüte mit den eingestuhlten Sachen neben ihrem Bett aufwachen, dann ist ihnen das ordentlich peinlich“, erzählt Daniel.

Alkohol die Droge Nummer 1

Überraschend: Alkohol ist die Droge Nummer 1, was die Notfälle im Marienhospital angeht. „Es werden deutlich mehr Leute aufgrund von Alkohol als von harten Drogen  eingeliefert. Da kann es mal sein, dass wir ein halbes Jahr gar kein Fall haben“, so der Pflegerischer Leiter. Oft kommt es aber vor, dass viele Jugendliche – insbesondere junge Frauen – K.O.-Tropfen als Begründung für ihren Zustand angeben. Nicht selten eine Ausrede, weiß Daniel: „Ich hatte bestimmt 100 bis 150 Fälle, in denen das behauptet wurde. In keinem der Fälle, konnte man das aber nachweisen.“ Dass ihnen ihr komatöser Zustand peinlich ist und die Mädchen genau wie die Jungen lieber Ausreden finden, ist für Daniel nachvollziehbar. Viele kriegen gar nicht mehr mit, was mit ihnen passiert.

Als ich die Notaufnahme wieder verlasse, bin ich über die ganzen Informationen schon etwas geschockt und muss daran denken, dass für den Pflegerischer Leiter der Notaufnahme das nächste Wochenende schon wieder in den Startlöchern steht. Wenn‘s gut läuft, dann fängt das für ihn nicht schon am Dienstag, sondern erst am Donnerstag an.

Fotos: Jenny Schubert

Asiatisches Mädchen, links, stitzt Notarzt, rechts, gegenüber für ein Interview.

Bloggerin Lien interviewt den Pflegerischer Leiter der Notaufnahme Daniel.

Eingang zur Notaufnahme eines Krankenhauses.

Seit insgesamt sieben Jahren ist Daniel Filipaj schon in der Notaufnahme tätig. Seit November ist er am Marienhospital in Stuttgart.

Zwei Notärzte werten vor Computer die Ergebnisse aus.

Bevor Daniel seine Schicht antritt, gibt es eine Übergabe vom Kollegen: Welche Medikamente hat der Patient genommen? In welchem Zustand befindet er sich? Welche Beschwerden hat er?

Notarzt behandelt stehend einen liegenden Patienten.

Wenn die alkoholisierten Jugendlichen mit dem Rettungsdienst eintreffen, befinden sie sich meist in einem somnolenten Zustand. Das heißt sie sind auf Schmerzreiz erweckbar. Wenn sie das nicht sind, befinden sie sich in einem komatösen Zustand.

Ein Notarzt überprüft Ergebnisse auf einem Monitor.

Bei der Erstanamnese werden unter anderem die Vitalzeichen wie Blut, Puls und Temperatur gecheckt.

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