Johannes

Ist es männlich, wenn man viel verträgt?

von Johannes am

Was das Trinken angeht, habe ich eine persönliche Eigenschaft, die ich früher als Nachtteil sah, mir heute aber wie ein Vorteil vorkommt. Ich kann nicht zu viel trinken. Das hat nichts damit zu tun, dass ich so viel vertragen würde. Nein, es ist einfach so, dass mein Körper irgendwann nicht mehr mitmacht. Sich sozusagen selbst abstellt.

Es gibt Leute, die haben diesen Mechanismus nicht. Die trinken und trinken, werden immer betrunkener und betrunkener. Mein Körper stoppt mich nach einigen Drinks mit Bauchschmerzen, Übelkeit oder einfach Müdigkeit.

Vorbilder heute wie früher?

Jetzt gilt es ja bei einigen/vielen als sehr männlich, viel trinken zu können. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Vorbilder, die wir haben, eben auch viel trinken können. Oder?

Eigentlich stimmt das nicht mehr ganz. Wenn man an die Filme der letzten Jahre denkt, fällt es schwer, einen wirklichen „Helden“ zu finden, der viel getrunken hat. Batman? Der trinkt keinen Schluck Alkohol in der „Dark Knight“-Trilogie. Channing Tatum, Shia Labeouf, Jamie Foxx? Ihre Männlichkeit zeigt sich in dem Filmen nicht dadurch, dass sie trinken.
Früher war das anders. Ganz früher, als Humphrey Bogart sich in seinen Schwarz-Weiß-Filmen einen Whisky nach dem anderen gönnte. Und auch nur ein bisschen früher, in den 90ern, als der von Bruce Willis gespielte John McClane, der Held der „Stirb Langsam“-Reihe, eine Kippe nach der anderen rauchte und sich auch mal gern einen hinter die Binde kippte. In den neueren Verfilmungen der Reihe, also jene aus unserem Jahrhundert, raucht der Charakter weder, noch trinkt er.

Falsche Ideale verfolgt?

Nun war John McClane einer meiner großen Helden, als ich noch jung war. Ich wollte sein wie er, tough, rough, ein Typ der im Unterhemd rumläuft halt. Leider hatte ich damals (heute übrigens auch nicht), weder die Muskulatur noch die Brustbehaarung um rumzulaufen wie McClane. Aber rauchen und trinken konnte ich wie er, oder ich habs zumindest versucht.

Ich sagte mir selbst: Wenn ich schon nicht hart aussehe wie McClane, und ich auch keine Möglichkeit habe, einen Haufen Bankräuber wegzuballern, dann würde ich mindestens rauchen und trinken wie McClane.

Seht ihr, McClanes Härte lag darin, dass er eben alles aushielt. So gut wie alles wegsteckte. Und es war für jeden offensichtlich, dass das Rauchen und das Trinken nicht gesund für ihn waren, er hat es aber trotzdem gemacht. Das war die Essenz seiner Männlichkeit.

Was hart macht, macht männlich?

Das ist auch die Logik hinter dem Gedanken, dass viel zu vertragen eben männlich sei. Alkohol ist in gewisser Weise ein Gift, wer viel davon verträgt, ist eben ein harter Typ. Der Gedanke ist, das männlich sein, hart sein bedeutet.

Ob das stimmt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt natürlich einen großen Haken an der Sache. Wenn man zu viel getrunken hat, ist man meistens überhaupt nicht rough und tough. Viel eher lallt man, redet Unsinn, man wird übermäßig emotional – also zumindest bei mir ist das so. Wenn ich trinke, dann werde ich eigentlich noch weniger wie McClane.

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