Claudia

„Es geht um die Begründung, nicht nur darum, dass es im Koran steht.“

von Claudia am

Martin (24) trinkt seit sechs Jahren keinen Alkohol mehr – weil seine Religion es verbietet.

Im Gespräch hat er mir erzählt, was genau dahinter steckt:

„Mit 18 bin ich zum Islam übergetreten. Ich komme aus einem atheistischen, für die DDR damals typischen säkularen Haushalt. Daher hatte ich früher nie groß Berührungspunkte mit Religiosität oder Spiritualität. Mit acht habe ich bloß mal für meinen Fußballverein gebetet, er möge das nächste Spiel gewinnen. Aus Interesse heraus habe ich mich als Jugendlicher dann mit verschiedenen Religionen beschäftigt.

Klarer Verstand als Begründung

„Der Islam sagt, dass man immer bei klarem Verstand sein und deswegen keinen Alkohol trinken soll. Das gleiche gilt für andere Substanzen, die den Geist verwirren. Diese Regel steht im Koran, der Prophet Mohammed hat sich daran gehalten und die islamischen Theologen sind sich auch einig bei diesem Thema.

Mir geht es aber viel mehr um die Begründung, die dahinter steht. Nicht nur darum, dass es im Koran steht und ich ihn deshalb wörtlich nehmen müsste. Ich missioniere auch niemanden. Wenn andere Muslime Alkohol trinken, dann ist das ihre Sache.

Wenn mich jemand nach meinen persönlichen Gründen fragt, keinen Alkohol zu trinken, dann spreche ich darüber. Wobei die Antwort ein wenig von der Person abhängt, die fragt. Entweder lege ich den Schwerpunkt darauf, dass es mir nicht schmeckt oder darauf, dass ich Muslim bin. Oder darauf, dass ich auch philosophische Gründe habe.

Aristoteles hat geschrieben: Wer unter Alkoholeinfluss Straftaten begeht, der darf nicht mit Rücksichtnahme rechnen.

Wir wissen alle, welche Auswirkungen Alkohol hat und müssen daher die Folgen unseres Tuns selbst verantworten. Leider kommt es durch Alkohol eben oft zu Idiotie.

Ihr feiert mit Alkohol, ich ohne

Schon vor meinem Übertritt zum Islam habe ich wenig Alkohol getrunken, es hat mir einfach nicht geschmeckt. Außer vielleicht Wodka. Ich habe Alkohol probiert, aber es reizt mich nicht mehr. Für mich waren alle Biersorten gleich und Wein schmeckte immer nur wie kalt gewordener Glühwein. Die Auswirkungen von Alkohol habe ich am eigenen Leib erfahren. Kontrollverlust ist nicht schön und ist nichts Anstrebenswertes.

Mittlerweile kommt es fast jede Woche vor, dass ich mit Freunden abends unterwegs bin und jemand von ihnen Alkohol trinkt. Aber das ist für mich kein Problem, jeder entscheidet selbst. Ich kann mich mit Cola, Saft und Wasser gut arrangieren.“

Ob alle Wein- und Biersorten tatsächlich gleich schmecken, kann ich nicht beurteilen, da ich – wie ihr vielleicht ja wisst – noch keinen Alkohol probiert habe. Aber dass Martin sich so viele Gedanken zum Thema gemacht hat, hat mich trotzdem überzeugt.

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