Johannes

Liebestrunkene Ritterlichkeit

von Johannes am

Ein Freund von mir hat einmal aus sehr ritterlichen Gründen etwas sehr, sehr Dummes gemacht. Warum? Weil er betrunken war. Liebestrunken um genau zu sein, aber auch ein bisschen normal betrunken. Tatsächlich hat dieser Freund auf die harte Tour gelernt, dass nicht alles, was wie eine gute, harmlose Idee scheint, auch eine ist.

Mein Freund – nennen wir ihn K. – war vor einiger Zeit sehr angetan von einem Mädchen –  B soll sie der Einfachheit halber genannt werden. Nun, K. stand schon ein bisschen länger auf B, es war nicht die große Liebe, aber sie verstanden sich gut, konnten zusammen lachen und waren auch – sagen wir es mal, wie es war – ein bisserl scharf aufeinander.

Heimliche Liebe

Leider haben beide lange Zeit keine Gelegenheit gefunden, ihrer gegenseitigen Zuneigung Ausdruck zu verleihen. Das hatte vor allem damit zu tun, dass sie dachten, ihr kleiner Flirt müsste geheim gehalten werden; als wüsste keiner von uns, was zwischen ihnen lief. Das war natürlich kompletter Bullshit. Wir, also Ks und Bs Freunde haben uns regelmäßig darüber lustig gemacht, wie unglaublich verdächtig die beiden miteinander flirteten – wie sie jede Gelegenheit nutzten, zusammen an die Bar zu gehen, dasselbe Taxi zu nehmen, als sei alles nur Zufall. Wir haben damals nichts gesagt.

Auf einer Hausparty kam es dann schließlich zum Höhepunkt. Beinahe wäre alles schief gegangen, den K. hatte beruflich etwas zu tun und wollte zuerst überhaupt nicht kommen. Am Ende setzte er sich dann aber doch ins Auto und schaute vorbei. Der Gastgeber hatte ihm angeboten, einfach über Nacht zu bleiben.

Im Laufe der Party kamen sich K. und B. endlich näher, je mehr sie tranken desto mehr fummelten sie an sich rum und wenn sie alleine in irgendwelche Fluren oder Zimmer waren, dann knutschten sie auch – fest davon überzeugt, niemand merke etwas. Tatsächlich waren wir anderen einfach froh, dass endlich was ging.

Liebestrunken und leichtsinnig?

Als die Flaschen und Gläser leer waren und die Party zu Ende ging, da merkten die beiden Liebestollen etwas: Zwar durfte K. im Hause des Gasgebers schlafen, er war aber nicht der Einzige. Eine ganze Gruppe aus einer anderen Stadt hatte sich in Küche und Flur ihr Lager eingerichtet. Kurz gesagt: Die Intimität, die K. und B. gebraucht hätten, war nirgendwo zu finden.

Nach langem hin bot K. der schönen B. an, doch in sein Auto zu gehen. B. überlegte kurz, sah dann aber keinen Grund, das Gewollte noch weiter hinauszuzögern.

Beide machten es sich in dem Auto gemütlich, klappten die Sitze um und Taten, was sie tun mussten, und als sie fertig waren und sich in den Armen lagen, da bot K. in einem Anflug von Ritterlichkeit an: „Darf ich dich nach Hause fahren?“.

Etwa 15 Meter ist er gekommen, dann hat ihn eine Polizeistreife angehalten und ins Röhrchen pusten lassen. B. kam an diesem Abend nicht mehr nach Hause und K. verlor seinen Führerschein. Beide hatte bekommen, was sie wollten und noch bedeutend mehr. Sie haben dann entschieden, es bei diesem einen Mal zu belassen. Wir anderen fanden es schade, sie haben so gut zueinander gepasst.

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