Holm

Das Party-Experiment

von Holm am

Ehrlich gesagt kann ich mich an nur eine einzige Party in meinem Leben erinnern, auf der ich komplett nüchtern geblieben bin. Wegen Antibiotika hab ich den ganzen Abend Grillmeister gemacht. Eigentlich schade, dass Feiern und Alkohol so oft zueinander gehören! Und weil Johannes in seinen Blogs erklärt, dass Alkohol faul und peinlich macht, habe ich mir gedacht: Muss ich für eine Partynacht auch mal nüchtern bleiben. Für den ersten Feldversuch sollte es aber nicht gleich die große Tanzfläche sein, sondern eine schlichte Homeparty.

Weihnachtsmarkt ohne Glühwein

Zum Warmwerden hab ich mich mit einem Mädchen für einen Rundgang über Hamburgs Weihnachtsmärkte verabredet. Während sie hier und da Sachen hübsch findet, esse ich eine Bratwurst nach der anderen. Zwischendurch trinken wir Glühwein ohne Alkohol. „Kinderpunsch“ heißt das und ich fühle mich ein bisschen diskriminiert: Nur weil ich alkohollos bleibe, bin ich nicht mehr mündig? Das Zeug schmeckt auch „kindgerecht“: verdammt süß.

Drei Stunden später meine ersten Erkenntnisse dieses Abends: Ich konnte dank klarem Kopf einer Prügelei mit einem von oben bis unten tätowierten Rocker aus dem Weg gehen. Vielleicht stand er ja wirklich vor mir in der Bratwurstschlange.
Außerdem hätte ich mit zwei oder drei Glühwein intus weder soweit laufen können, noch wäre ich heil durch die Menschenmassen gekommen (Hat bestimmt auch nicht schlecht ausgesehen vor meiner Begleitung: Ich – so ausdauernd und vital).

Beobachtungen auf einer Privatparty

Und es geht ja auch grade erst los! Nächste Station: Homeparty. Wieder ein Vorteil meiner Abstinenz: Die Navigation zur gut versteckten WG fällt nüchtern um einiges leichter.

Im Wohnzimmer sitzend, dämmert mir langsam, dass ich eine Ausrede für den Abend „brauche“. Ständig bietet mir jemand Alkohol an. Zu Beginn komme ich gut mit meinem Kinderpunsch durch (alle anderen trinken Glühwein), aber mit steigendem Pegel werden die Blicke mehr und die Vehemenz der Fragen stärker. Also müssen die Kopfschmerztabletten als Ausrede herhalten. Ich darf mich schließlich nicht enttarnen – ansonsten wären meine Beobachtungen nicht mehr authentisch.

Später lasse ich mich zu einem Spiel zwingen. Zusammen mit einem Mitspieler muss ich die „Krankheit“ der anderen Sechs durch geschickte Fragen erraten. Während Er immer dämlichere Fragen stellt (Was hältst du von Penissen?), verliere ich komplett den Faden. Nächste Erkenntnis: Peinliche/doofe Dinge bleiben nüchtern peinlich und doof.

Gegen drei ist der Alkoholtisch ziemlich leer. Mein Mitstreiter von vorhin redet immer noch wirre Dinge. Ein anderer schüttet sich Alkohol über sein Hemd und klagt, dass der Becher schief wäre. Ich sitze inmitten des organisierten Chaos und fühle mich gut unterhalten. Nur das Zuhören bei ausufernden Gesprächen fällt mir schwer.

Mein Fazit:

Am nächsten Morgen ziehe ich Bilanz: Keine Kopfschmerzen, keine anderen Beschwerden, noch alle Erinnerungen und eine nette SMS von meiner Begleitung. Auf der anderen Seite fehlten mir Aufmerksamkeit für lange oberflächliche Gespräche und die Toleranz mit peinlichem Humor umzugehen. Die nächste Party findet wahrscheinlich wieder mit Alkohol statt, aber: Vielleicht ist weniger ja wirklich mehr?

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